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IS weit gefährlicher als der Westen glaubt

Gerade eben meldet die Anti-IS-Koalition Geländegewinne im Irak. Doch für Jürgen Todenhöfer heißt das nichts. Der Nahost-Experte war in den Gebieten und warnt: Die Dschihadisten sind brandgefährlich.

Todenhöfer mit zwei IS-Kämpfern. Dieses Bild stammt von der Facebook-Seite des Publizisten

Todenhöfer mit zwei IS-Kämpfern. Dieses Bild stammt von der Facebook-Seite des Publizisten

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ist nach Ansicht des deutschen Publizisten Jürgen Todenhöfer "viel stärker und gefährlicher" als der Westen glaubt. "Es herrscht eine geradezu rauschartige Stimmung, wie ich sie noch nie in einem Kriegsgebiet erlebt habe", sagte er im "RTL-Nachtjournal", nachdem er zehn Tage lang das Konfliktgebiet bereist hat. Die großen militärischen Erfolge der Dschihadisten seit dem Sommer und der tägliche Zulauf durch neue Kämpfer verstärke ihren Glauben, "sie könnten Berge versetzen".

"Jeden Tag kommen über 50 neue Leute aus aller Welt mit leuchtenden Augen zum IS", sagte der 74-jährige Autor. "Diese Begeisterung ist so ansteckend und das macht die Stärke des IS aus." Durch die Enthauptungen hätten sie "eine Strategie des Schreckens inszeniert", die ihre Gegner in die Flucht treibe. Todenhöfer warnte, die Gruppe plane eine "riesige religiöse Säuberung", da sie Andersgläubige und gemäßigte Muslime, die an die Demokratie glaubten, töten wollten.

Durch Luftangriffe nicht zu besiegen

Durch die internationalen Luftangriffe sind die Dschihadisten seiner Ansicht nach nicht zu besiegen. Vielmehr bedürfe es einer "innerislamischen Lösung", sagte Todenhöfer. Dazu sei es notwendig, die Sunniten, die von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad in den vergangenen Jahren ins Abseits gedrängt worden waren und die heute zum Teil die Dschihadisten unterstützen, wieder einzubinden. Dass dies tatsächlich geschieht, glaubt er aber nicht.

In dem Interview ging Todenhöfer auch auf Kritik ein, er hätte durch seine Reise die Dschihadisten aufgewertet. "Der IS braucht mich nicht als Plattform, er verfügt über eine Medienstrategie, die mir die Sprache verschlägt", sagte der Publizist. Eigenen Angaben zufolge unternahm er die Reise als Recherche für ein Buch über die IS-Miliz. Dafür habe er 80 "Terroristen" angeschrieben, 15 Antworten erhalten und am Ende mit zwei Kämpfern direkt gesprochen. Über seine Erlebnisse will Todenhöfer auch auf seiner Facebook-Seite schreiben.

Umstrittener Experte

Jürgen Todenhöfer ist nicht unumstritten. Als Nahost-Experte bereist er die Region regelmäßig und scheut auch nicht davor zurück, sich mit Figuren wie etwa Syriens Diktator Baschar al Assad zu treffen. Seiner Meinung nach trägt der Westen eine erheblich Mitschuld an der schwierigen Lage im Nahen Osten. Zudem gilt er als "Putinversteher".

nik/AFP/AFP

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