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IS bildet Hunderte Jesiden-Kinder zu Selbstmordattentätern aus

Sie lernen, wie man Waffen benutzt, Köpfe abschneidet und Selbstmordanschläge ausführt. Rund 800 verschleppte jesidische Kinder werden einem Medienbericht zufolge vom Islamischen Staat zu Terroristen ausgebildet.

Kinder in den Händen des IS

Kinder in einem Trainingscamp des Islamischen Staates. Das Bild stammt aus einem Propagandavideo der Terroristen. Woher die Kinder kommen, ist unklar.

Dass der Islamische Staat Kinder zu Soldaten macht und als Selbstmordattentäter einsetzt, ist seit Langem bekannt. Jetzt ist ein Bericht aufgetaucht, wonach die Islamisten Hunderte verschleppte Jesiden-Kinder in Lagern gefangen halten, um sie dort zu Terroristen auszubilden.

"Ungefähr 800 jesidische Kinder im Alter von fünf bis 18 Jahren werden in drei IS-Camps in den Regionen al-Baʿādsch, Mossul und Rakka trainiert", zitiert die ägyptische Zeitung "Al-Ahram" den Leiter des Büros für entführte Jesiden in der kurdischen Provinz Dohuk im Nordirak, Hussein Kourou. "Sie lernen, wie man Menschen enthauptet, Selbstmordanschläge ausführt und wie man kämpft."

Jesiden sind fast ausschließlich kurdische Mitglieder einer uralten, weder christlichen noch muslimischen Religionsgemeinschaft. Sie werden vom IS als "Teufelsanbeter" verunglimpft und verfolgt.

Informationen kommen von befreiten Kindern

Die Ausbilder in den Trainingscamps unterzögen die Kinder zunächst einer Gehirnwäsche, berichtete Kourou dem Blatt zufolge. Dann brächten sie ihnen Arabisch bei und wie man den Koran auswendig lernt und rezitiert.

Die Informationen stammten von Kindern, die mithilfe arabischer Stämme oder durch Lösegeldzahlungen über Mittelsmänner aus den Fängen des IS befreit worden seien, erklärte Kourou der Zeitung. "Die meisten der befreiten Kinder können jetzt nicht mehr richtig Kurdisch sprechen, was ihre Erstsprache ist. Sie sprechen Arabisch und fühlen sich strengen Gebetszeiten und den Parolen des Islamischen Staates verpflichtet."

"Ich bin noch nie so geschlagen worden"

Der US-Nachrichtensender CNN berichtet unter Berufung auf kurdische Behörden, es gebe Hinweise, dass der IS ungefähr 600 jesidische Kinder aus dem irakischen Sindschar-Gebirge und umliegenden Dörfern entführt habe, rund 200 von ihnen hätten fliehen können. "Als sie uns nach Mossul ins Badusch-Gefängnis brachten, haben sie uns dort eingesperrt", zitiert CNN einen Zehnjährigen, der den Terroristen entkommen konnte. "Sie haben uns brutal behandelt. Ich bin noch nie so geschlagen worden. Es war wie sterben."

Die gewöhnlich gut informierte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte dem "Independent" mit, in Syrien seien in den vergangenen vier Monaten 29 Selbstmordanschläge von Kindern verübt worden. Die Kinder seien allerdings nicht unbedingt alle Jesiden gewesen.

mad
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