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16. Februar 2009, 16:00 Uhr

Nordwesten Pakistans führt Scharia ein

Im Nordwesten Pakistan gilt künftig wieder das islamische Rechtssystem, die Scharia. Die Provinzregierung erhofft sich, den Einfluss der Taliban dadurch zurückzudrängen. De facto ist die Ankündigung aber das Eingeständnis einer Niederlage gegen die Taliban und ihre Guerilla-Kämpfer.

Pakistan, Scharia, Taliban, islamisches Rechtssystem

Pakistanische Taliban bestrafen einen Drogenhändler im Swat-Tal, in dem sich pakistanische Truppen und Taliban-Kämpfer seit langem heftige Gefechte liefern© EPA

Zahlreiche Menschen jubelten am Montag auf den Straßen im nordpakistanischen Swat-Tal. Der Grund für die seltenen Freudenausbrüche: Die Regierung der Nordwest-Grenzprovinz hat sich der brutalen Gewalt der Taliban gebeugt und die Errichtung von Scharia-Gerichten angekündigt. "Jetzt wird der Frieden in die Region zurückkehren", meinte ein Anwohner namens Shabir Khan. Doch diese Hoffnung dürfte trügerisch sein. De facto ist die Ankündigung der Provinzregierung, das islamische Recht umzusetzen, das Eingeständnis ihrer Niederlage gegen Taliban-Anführer Maulana Fazlullah und seine Guerilla-Kämpfer. In den Rest des Landes sendet das Swat-Abkommen ein verheerendes Signal aus.

Erst am Sonntag hatte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in einem Interview des US-Senders CBS unmissverständlich vor einer Niederlage im Kampf gegen die Taliban gewarnt. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Taliban versuchen, in Pakistan die Macht zu übernehmen", sagte er. "Deshalb geht es um das Überleben Pakistans." Und der neue US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, betonte am Montag in Indien, die USA und Pakistan stünden vor einem gemeinsamen "Feind, der eine direkte Bedrohung für unsere Führungen, Völker und Hauptstädte darstellt". Abkommen wie das von Swat dürften Holbrooke im Kampf gegen diese Bedrohung kaum als Erfolgsrezept vorgeschwebt haben.

Pakistans Regierung hat schon lange die Kontrolle verloren

Über das Swat-Tal und die Stammesgebiete, von denen aus die Taliban Ziele in Afghanistan angreifen, hat die pakistanische Regierung schon lange die Kontrolle verloren. Doch selbst die Städte der Atommacht sind nicht mehr vor den Taliban sicher. Mit dem Anschlag auf das Marriott-Hotel inmitten der Hauptstadt Islamabad, der mehr als 50 Menschen das Leben kostete, bewiesen die Aufständischen im vergangenen September ihre Schlagkraft. Im größten Teil des malerischen Swat-Tals, das nur rund 160 Kilometer nordwestlich von Islamabad liegt, haben Fazlullahs Truppen inzwischen ein Schreckensregime errichtet, das fatal an die frühere Gewaltherrschaft der Taliban in Afghanistan erinnert.

Angebliche Spione, Taliban-Gegner oder Sünder werden von den Aufständischen öffentlich gehängt oder geköpft. Unterricht für Mädchen haben die Taliban untersagt, dem Verbot haben sie mit Angriffen auf Dutzende Schulen Nachdruck verliehen. CD- und DVD-Läden wurden aufgefordert zu schließen oder in die Luft gesprengt. Friseure dürfen Männer nicht mehr rasieren. In einem Camp in Peuchar im Hochgebirge werden ungestört von der Armee Terroristen ausgebildet.

Sämtliche Friedensverträge sind kläglich gescheitert

Diese Zustände müsste ausgerechnet die säkulare Awami National Party, die die Regierung in der Nordwest-Grenzprovinz stellt, eigentlich als Schlag ins Gesicht empfinden. Doch das Abkommen vom Montag sieht nicht nur Scharia-Gerichte, sondern auch das Ende der Militäroperationen gegen die Taliban in Swat vor. Den Vertrag schloss die Provinzregierung - deren Mitglieder angesichts der erstarkten Taliban in Todesangst leben - nicht mit den Aufständischen selber. Vertragspartner ist Fazlullahs Schwiegervater, der Geistliche Maulana Sufi Mohammad. Fazlullah ließ bereits am Sonntag über seinen Sprecher Muslim Khan eine einseitige Waffenruhe verkünden - als "Geste des guten Willens", und beschränkt auf zehn Tage.

Hilflos appellierte Ministerpräsident Amir Haidar Khan Hoti am Montag in der Provinzhauptstadt Peshawar an die Aufständischen, nach der "historischen Entscheidung" zur Errichtung der Scharia-Gerichte nun der Gewalt abzuschwören. "Sie sollten jetzt ihre Rolle dabei spielen, in Swat wieder Frieden herzustellen." Ein Blick in die jüngere Geschichte Pakistans müsste ihn eigentlich eines Besseren belehren. Bislang sind sämtliche Friedensverträge mit den Aufständischen - sei es in Swat oder in den Stammesgebieten - kläglich gescheitert. Nach dem Zusammenbruch der diversen Abkommen waren die Taliban stets stärker als zuvor. Bereits im vergangenen Sommer warnte der frühere Regierungssekretär für die Stammesgebiete, Mehmood Shah: "Friedensabkommen sind kein Ausweg."

Taliban werden das Abkommen als wichtigen Etappensieg feiern

Ministerpräsident Hoti versuchte am Montag, Bedenken zu zerstreuen. Das Volk habe Scharia-Gerichte gewollt, die jedoch "nichts, aber auch gar nichts" mit den früheren Gerichten unter den Taliban in Afghanistan gemeinsam haben würden. Oppositionspolitikerin Marvi Memon kritisierte dennoch, wie man Fazlullah erlauben könne, eine selbstdefinierte Scharia mit Waffengewalt einzuführen. Die Taliban dürften das Abkommen als wichtigen Etappensieg feiern. Ihnen geht es längst nicht nur um das Swat-Tal. Fazlullahs Sprecher Khan sagte in großer Offenheit: "Wir wollen die Scharia nicht nur im Land erzwingen, sondern auf der ganzen Welt."

Can Merey/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
jetrabbit (17.02.2009, 15:12 Uhr)
hier wird die hilfslosigkeit und ohnmacht
deutlich... in der westlichen welt werden milliarden in die taschen der reichen gewirtschaftet, und der demokratische buerger ist ohnmaechtig dagegen was zu unternehmen... bevor wir ueber andere urteilen sollten wir erstmal unseren saustall aufraeumen...
.
und das verlogenste ueberhaupt ist... drogenbarone in afghanistan zu beschimpfen... ohne eine schuetzende hand der westmaechte, vor allem der CIA wuerden diese barone nicht existieren... so einfach ist... dieses auch so zu akzeptieren ist eine andere sache.
jetrabbit (17.02.2009, 15:05 Uhr)
sharia und nuklearmacht
warum soll das nicht übereinstimmen... hat irgendjemand damit ein problem... die gretchenfrage dürfte wohl für die nächsten 200 jahre lauten... kann es schlimmer als der bush clan kommen ???... NEIN offensichtlich nicht.
babylon (17.02.2009, 10:39 Uhr)
@gmathol
stellvertretend für STALIN im Miniformat. So ein roter und antidemokratischer Mensch.
Es ist schon bedrückend mit welcher Einseitigkeit dieser Mensch hier schreibt. Aber er hat warscheinlich nur eine linke Gehirnhälfte. Von daher sollten wir Nachsicht üben.
zaxxon (17.02.2009, 10:06 Uhr)
@gmathol
es wundert mich immer wieder, wie sie volksverhetzend und NIE auf das thema eingehend hier durchs forum kommen und fast nie gelöscht werden! sie armer armer mensch tun mir echt leid...
aber die menschen in pakistan noch mehr, denn die sind jetzt vollends unter der religiösen knute des islamismus der für mich genauso viel gewaltpotenzial besitzt wie der nationalsozialismus oder kommunismus!
gmathol (16.02.2009, 23:26 Uhr)
USA Justiz=Christliche Scharia!
Die USA sperren etwa 6 Millionen Menschen meistens wegen geringer Vergehen z. B. Drogenbesitz oder unschuldig ein. Dann gibt es noch die Todesstrafe ebenfalls ein barbarischer Rache Akt. Gefoltert werden darf in den USA auch.
Wohlgemerkt wir sprechen hier ueber ein Land das sich selbst als zivilisiert ansieht und trotzdem immer wieder Bombenteppiche auf Zivilisten ablegt.
Die Taliban uebrigens eine Kreation der USA/UK sind Staemme die immer noch im Mittelalter leben.
Solange der Westen den gescheiterten Terrorstaat USA als Fuehrungsmacht ansieht und sich sogar die barbarischen Methoden der US Junta aneignet sollte man doch lieber schweigen.
Menschenrechte gibt es weder in den USA, Pakistan oder Nord-Korea.
Pengolodh (16.02.2009, 21:33 Uhr)
Die Lage ist ernst, allerdings!
@SethusCalvisius: Keinen Troll füttern, bitte!
Aber das meinte ich nicht mit "ernst". Pakistan hat Kernwaffen, und sie können mit ihren Trägerraketen zwar wohl nicht Europa, aber zumindest das östliche Mittelmeer erreichen. Aber daß alle Welt die Augen davor verschließt, daß eine Menge Fanatiker schon Atomwaffen hat, das macht mir Angst. Es gibt auch fanatische Hindus. Und die haben Atomwaffen. Es gibt Fanatiker in Israel, Rabin wurde nicht von der Hamas ermordet. Die gab es damals noch nicht, und ohne Israel gäbe es sie auch heute noch nicht. Und die Israelis haben Atomwaffen. Es gibt fanatische Christen in den USA, Leute, die Abtreibungsärzte umbringen. Und die haben Atomwaffen, und sind auch die einzigen, die die jemals eingesetzt haben. Und Ihr kommt uns mit dieser blöden Scharia. Die dümmsten Menschen sind allemal die, die auf ihre eigene Propaganda reinfallen.
Johann58 (16.02.2009, 21:26 Uhr)
ein paar interessante Thesen
zunaechst sollten wir nicht so tun als waere das Christentum der Weisheit letzter Schluss und uns versuchen ueber den Islam zu stellen. Dessen ungeachtet ist es zunaechst ja wohl egal nach welchem Rechtssystem wo ge-, bzw. verurteilt wird. Schliesslich regen wir uns ja auch auf, dass Ahmed Obeidi nach afghanischem recht und nicht nach deutschem Recht verurteilt werden wollte. Es muss nur jedem klar sein, dass er sich nach den Regeln des jeweiligen Landes in dem er sich aufhaelt richten muss. Wenn jemand als 100 Peitschehibe drohen, wernn er eine Frau ansieht, dann muss er eben wegsehen oder daheim bleiben. Ich moechte jedenfalls nicht, dass jemand in einem westlichen Land eine islamische Subkultur errichtet, genauso stehe ich ihm aber zu, dass in einem islamischen Land keine westliche Subkultur eingerichtet wird. Da ich mich der Gefahr nicht aussetzem will, werde ich genau die Laender meiden. Ich war frueher sehr liberal, muss aber inzwischen einfach sagen, wer nach Deutschland kommt und dort leben will sollte willkommen sein, wenn er die Sprache lernt und sich den Regeln anpasst, er oder sie kann jede Art von Religion ausueben aber nicht mit dem Ziel Deutschland aendern zu wollen., Wenn nicht; Heimschicken! Was den oder diejenige dort erwartet ist mir dann egal. Die Chance war da wer sie nicht nutzt ist definitiv selbst schuld.
Barbourboris (16.02.2009, 20:09 Uhr)
Ein Schritt zurück ins Mittelalter
Tja hoffen wir mal dass 1000 Jahre ausreichen. Die Kirche lies sich reformieren, die Taliban werden davon wohl nichts halten, da genügt schon dass man den Koran vom arabischen in eine andere Sprache übersetzen will
um laut Scharia die Todesstrafe fordern zu können (es wurden letzendlich "nur" 20 Jahre Haft)
Quelle: http://www.baltimoreexaminer.com/ap/?c=y&id=1653637
Hier übrigends ein schönes Video zum Thema Westliche Zivilisation und die rückständige Islamische Welt:
http://www.youtube.com/watch?v=surlfEl0vwU
Halodri73 (16.02.2009, 19:30 Uhr)
Scharia ist doch super!
Da haben Männer endlich wieder ihr von Geburt an gegebenes Recht, alle Mitmenschen zu unterdrücken!
Letztenendes bekommt eben jedes Volk die Regierung, die es verdient.
Mir ist nur noch nicht ganz klar, was unsere Soldaten da verloren haben.
Naja...
ssteffen (16.02.2009, 19:28 Uhr)
Mörder
bringen erst die Demokraten und anders denkende um. Dann werden Frauen und Mädchen vergewaltigt und unterdrückt. Dann wird den eigenen Kindern die Bildung und das Wissen von dieser modernen Welt versagt. Und dann haben diese Trottel auch noch Atombomben. Warum kann es in Pakistan nicht soviel Öl wie im Irak geben. Dann wären wenigstens die wahren Massenvernichtungsmittel in Sicherheit gebracht.
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