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12. Dezember 2006, 09:15 Uhr

Atom-Versprecher erzeugt Nachbeben

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat vor seinem Deutschlandbesuch für Aufregung gesorgt: In einem Fernseh-Interview hat er indirekt einen Atomwaffenbesitz Israels zugegeben. Das war bisher immer dementiert worden.

Hat sich Ehud Olmert nur ungeschickt ausgedrückt, oder indirekt Israels Feinden gedroht?© Ariel Schalit/AP

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat sein Land erstmals in eine Reihe mit Atommächten wie die USA, Frankreich und Russland gestellt. Er brach damit ein Tabu der israelischen Politik, Atomwaffenbesitz nicht offiziell zu bestätigen. Olmerts Äußerung am Montag im Fernsehsender SAT.1 löste in der israelischen Öffentlichkeit umgehend einen Sturm der Empörung aus.

Niemand droht Israel mit Vernichtung

Olmerts Büros erklärte, die Äußerung des Ministerpräsidenten sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Olmert habe an anderer Stelle des Interviews mehrmals die Bestätigung verweigert, das Israel Atomwaffen besitze. Auf die Frage nach der iranischen Drohung, Israel zerstören zu wollen, sagte Olmert aber: "Iran hat offen, öffentlich und ausdrücklich damit gedroht, Israel von der Landkarte ausradieren zu wollen. Kann man sagen, dies ist das gleiche Niveau, wenn man nach nach Atomwaffen strebt, wie Amerika, Frankreich, Israel, Russland?" Israel drohe niemandem mit der Vernichtung, betonte Olmert.

Israels Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, hat verhalten auf die Atomwaffen-Andeutung Olmerts reagiert. Die israelische Haltung in dieser Frage habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert, sagte Stein am Dienstag im Deutschlandfunk. Israel werde nicht der erste Staat im Nahen Osten sein, "der Atomwaffen einführen wird". "Mehr habe ich zu diesem Thema nicht hinzuzufügen."

Bisher gab's stets Dementis

Israel hat bisher stets erklärt, nicht als erster Staat Atomwaffen im Nahen Osten einzuführen. Der Besitz von Atomwaffen wurde offiziell weder bestätigt noch dementiert. Der designierte amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates hat bei seiner Senats-Anhörung in der vergangenen Woche Aufsehen mit der Feststellung ausgelöst, Israel sei eine Atommacht. Ausländische Experten schätzen bislang nur, dass Israel hunderte von Atombomben besitzt.

 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Spocks_Kommentar (12.12.2006, 16:33 Uhr)
Gewußt hat man's schon immer...
War doch klar! Endlich ist die Katze aus dem Sack. Jetzt hackt man auf den Überbringer der schlechten Nachricht ein. Das Problem ist aber nicht, dass man es jetzt weiß, das Problem ist, dass es so ist.
Es wird es eng im Nahen Osten. Jedenfalls wird es ist sehr schwierig, dem Iran das Recht auf seine Atombombe zu verweigern, wenn Israel auch eine hat.
Es zeigt sich wieder einmal, dass Amerika mit seiner Großmachtpolitik immer genau das erreicht was es nicht will - und die Welt hat einen Großbrand mehr.
M.I.B. (12.12.2006, 10:01 Uhr)
Wundert's wen?
Ich mein, hallo? Das Israel im Besitz jener Waffen ist, steht doch ausser Frage. Warum sie dies leugnen ist mir eh schon seid je her unverständlich...! Israel hat Atom Waffen! Und geht die Welt nun unter? Nein! Wäre nicht die erste Nation, die sich nicht an den Atomwaffensperrvertrag hält!
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