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15. Dezember 2006, 15:00 Uhr

Die Ära Scharon geht zuende

Ariel Scharon war die unumstrittene Führungspersönlichkeit der israelischen Politik. Doch ein Schlaganfall beendete seine politische Karriere und ließ Befürchtungen wegen eines Machtvakuums im Nahost-Konflikt aufkommen.

Fiel nach einem Schlaganfall ins Koma: der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon© Jim Hollander/DPA

Als der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon am 4. Januar einen Schlaganfall erlitt, bedeutete dies auch das Ende einer politischen Ära Israels. Der Ex-General und Politiker, dem oftmals Methoden eines Bulldozers nachgesagt wurden, hatte in den Augen vieler Israelis den Wandel zum Staatsmann vollzogen. Der einst als "unwählbar" bezeichnete Scharon, hat sich ihnen unverzichtbar gemacht. Er hat den Israelis ein politisches Programm vorgelegt, das den Abzug aus einigen Palästinensergebieten damit verknüpfte, Teile des besetzten Westjordanlandes "für immer" zu beanspruchen und mit einer Sperranlage abzutrennen.

Deswegen galt Scharon den Palästinensern auch nach dem Abzug aus dem Gazastreifen nicht als Mann, der zu einem friedlichen und gerechten Ausgleich im Nahost-Konflikt bereit gewesen wäre. Scharons Bedeutung liege aber darin, dass er getroffene Vereinbarungen in Israel habe durchsetzen können, sagten Palästinenservertreter. Gegen heftigen Widerstand setzte sich Scharon 2005 mit seinen Räumungsplänen für jüdische Siedlungen im Westjordanland durch.

Schlaganfall verhinderte dritte Amtszeit

Wenige Monate vor seinem Schlaganfall hatte Scharon am 21. November 2005 den Likud-Block im Streit über den weiteren Kurs im Konflikt mit den Palästinensern und die neue Partei Kadima gegründet. An deren Spitze wollte er sich am 28. März um das Mandat für eine dritte Amtszeit bewerben. Die Kadima wurde als Ein-Mann-Partei aus der Taufe gehoben: Scharon war der Anführer und die Botschaft, mit der Kadima die israelischen Wahlen gewinnen wollte.

Das Machtvakuum, das viele Beobachter nach dem Ende der "Ära Scharon" befürchtet hatten, blieb jedoch aus. Ehud Olmert leitete nach Scharons Schlaganfall zunächst kommissarisch die Regierungsgeschäfte. Schon früh hatte Olmert den Anspruch der Palästinenser auf einen eigenen Staat akzeptiert, weil dies in Israels Interesse sei. Mit dem Sieg der Kadima bei den Wahlen im März konnte Olmert die Führung innerhalb der Partei übernehmen und Scharon endgültig als Ministerpräsident beerben.

Scharons Zustand gilt als stabil, seit er zuletzt Anfang November auf der Intensivstation behandelt wurde. Das Krankenhaus Tel Haschomer am Rande Tel Avivs teilte mit, seine wegen einer Infektion beeinträchtigte Herzfunktion habe sich wieder verbessert. Er sei wieder in den Rehabilitationsbereich der Klinik verlegt worden.

tk mit DPA
 
 
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