Hamas bejubelt Anschlag auf Bus in Tel Aviv

21. November 2012, 12:28 Uhr

Schwerer Rückschlag für Friedensbemühungen in Nahost: In Tel Aviv wird ein Bombenanschlag auf einen Stadtbus verübt. Die Hamas hatte zuvor gedroht - und preist nun Tat und Täter.

Bei einem Bombenanschlag auf einen Stadtbus im Zentrum von Tel Aviv sind nach israelischen Polizeiangaben rund 20 Menschen verletzt worden. Die Bemühungen um eine Entschärfung des seit mehr als einer Woche wütenden Konflikts um den Gazastreifen dürften dadurch einen schweren Rückschlag erlitten haben. Mindestens ein Unbekannter schleuderte nach ersten Angaben einen Sprengsatz in den Bus und ergriff dann die Flucht. Ein zweiter Mann sei festgenommen worden, berichteten Medien.

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas begrüßte den Anschlag. "Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat", hieß es in einer Mitteilung, die am Mittwoch über die Lautsprecher von Moscheen im Gazastreifen verlesen wurde. Es handele sich um eine "natürliche Reaktion" auf die Tötung von Zivilisten durch die israelische Luftwaffe, hieß es im Hamas-Fernsehsender. Laut israelischen Berichten wurden im Gazastreifen nach dem Attentat angeblich Freudenschüsse in die Luft gefeuert. Allerdings hat sich bisher keine Organisation zum Attentat bekannt.

Diplomatische Bemühungen gehen weiter

Im Fernsehen war zu sehen, wie dichter Qualm aus dem Fahrzeug drang. Die Scheiben waren teilweise zersplittert. Der Ort des Anschlags wurde weiträumig abgeriegelt, Dutzende Krankenwagen rasten durch die Stadt und Hubschrauber überflogen die Gegend. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. In unmittelbarer Nähe des Anschlagsortes befindet sich das israelische Verteidigungsministerium. In der Nähe liegt auch das Goethe-Institut. Es war der erste Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv seit 2006.

Bis zu dem Anschlag hatte es Hoffnungen gegeben, dass ein bereits am Vorabend erwarteter Durchbruch bei den Bemühungen um ein Ende der Gewalt doch noch zustande kommen könnte. Vermittler wie US-Außenministerin Hillary Clinton und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versuchten, eine Feuerpause zwischen den verfeindeten Seiten auszuhandeln. Unterdessen gingen die israelischen Angriffe im Gazastreifen mit unverminderter Härte weiter. Auch militante Palästinenser feuerten wieder Raketen auf Israel ab.

Zahl der Todesopfer erhöht sich auf 140

Die Opferzahl stieg vor allem im Gazastreifen unterdessen weiter. Die Zahl der Toten in der abgeriegelten Enklave am Mittelmeer erhöhte sich um zehn auf rund 140. Mehr als 1000 Menschen erlitten seit Beginn der Feindseligkeiten am Mittwoch vergangener Woche Verletzungen. Medikamente in Krankenhäusern gingen zur Neige, die Preise für Lebensmittel stiegen schnell. In Israel starben durch palästinensische Raketen im gleichen Zeitraum fünf Menschen, 80 wurden verletzt.

Clinton hatte am Vorabend die Bedeutung einer für alle Seiten akzeptablen Lösung des Nahost-Konflikts hervorgehoben. "Das Ziel ist eine dauerhafte Regelung, die zur regionalen Stabilität beiträgt und den Sicherheitsinteressen und legitimen Forderungen Israels und der Palästinenser Rechnung trägt", sagte sie nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Clinton und Ban sprechen in Ramallah auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

In der Nacht zu Mittwoch und am Vormittag griffen die Israelis etwa 100 Ziele an. Unter anderem sei eine Einsatzzentrale der Hamas in einem Mediengebäude attackiert worden, hieß es. Außerdem hätten Kampfflugzeuge Raketenabschussanlagen, Waffenlager und -fabriken sowie Schmugglertunnel bombardiert.

Sie feuerten seit Mitternacht 29 Raketen Richtung Israel

Nach Angaben der israelischen Armee feuerten militante Palästinenser seit Mitternacht 29 Raketen in Richtung Israel, von denen zwölf von der Raketenabwehr noch in der Luft zerstört worden seien. Von Opfern wurde zunächst nichts bekannt.

Grundlage einer möglichen Vereinbarung über ein Ende der Kämpfe sollte nach Informationen des israelischen Rundfunks sein, dass Vertreter Israels, Ägyptens und der USA die Waffenruhe überwachen. Wie es unter Berufung auf die Regierung in Jerusalem hieß, soll die Vereinbarung den Menschen im Süden Israels zumindest ein bis zwei Jahre Sicherheit vor Angriffen garantieren.

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