21. April 2012, 13:06 Uhr

Benjamin Netanjahu greift Literaturnobelpreisträger an

In seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" geht Günter Grass hart mit Israels Atompolitik ins Gericht. Der israelische Regierungschef Netanjahu bezeichnete die Worte des Schriftstellers jetzt als "absoluten Skandal".

Zwei Wochen nach Erscheinen des israelkritischen Gedichts von Günter Grass hat der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den deutschen Literaturnobelpreisträger erneut scharf angegriffen. Die Worte von Grass in dem Gedicht "Was gesagt werden muss" seien "ein absoluter Skandal", sagte Netanjahu der "Welt am Sonntag". "Dass dies von einem deutschen Nobelpreisträger kommt und nicht etwa von einem Teenager einer Neonazi-Partei, macht es noch empörender". Grass offenbare in seinem Text einen "Zusammenbruch des moralischen Urteilsvermögens", sagte Netanjahu.

Grass habe "eine perfekte moralische Verdrehung geschaffen, in der der Aggressor zum Opfer wird und das Opfer zum Aggressor". "Wo die, die sich gegen die Drohung mit Auslöschung zu verteidigen suchen, zu einer Bedrohung des Weltfriedens werden. Und wo der Feuerwehrmann und nicht der Brandstifter zur wahren Gefahr wird", sagte Netanjahu.

Diejenigen, die mit dem übereinstimmen, was Grass über den jüdischen Staat sage, sollten sich die Frage stellen, ob sie nicht auch zur Zeit des Holocaust mit den Verleumdungen gegen Juden übereingestimmt hätten, sagte Netanjahu. "Das ist die Frage, die sich die Deutschen stellen müssen."

Grass hatte in dem Gedicht unter anderem angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne.

hw/DPA
 
 
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