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Dieser syrische Flüchtling lebt seit einem Jahr in einem Flughafen

Der Syrer Fadi Mansour wird seit März 2015 am Istanbuler Flughafen festgehalten - in einem fensterlosen Raum. Zuhause droht ihm der Tod. In der Hoffnung auf ein besseres Leben, teilt er sein Schicksal auf Twitter.

Fadi Mansour

Seit einem Jahr muss Fadi Mansour in einem Raum für "problematische Passagiere" leben - ohne je die Sonne zu sehen

Es ist eine unglaubliche Geschichte - die Geschichte von Fadi Mansour, einem syrischen Flüchtling. Der wird seit einem Jahr am Atatürk-Flughafen in Istanbul in einer kleinen Zelle festgehalten. Beinahe so wie im Hollywood-Film "Terminal", in dem Tom Hanks einen staatenlosen Mann spielt, der am New Yorker Flughafen strandet. Doch der Fall von Fadi Mansour entspringt nicht der Feder eines Autoren, sondern ist ein weiteres, bitteres Schicksal der Kriegswirren in Syrien.

Laut einem Bericht der Menschenrechtorganisation Amnesty International muss Mansour in einem kleinen gekachelten Raum leben, der eigentlich  für "problematische Passagiere" reserviert ist - doch Mansour hat laut Amnesty nie Probleme gemacht, er werde stattdessen völlig willkürlich festgehalten. Sein einziges Vergehen: das Streben nach einem besseren Leben, weg vom Krieg in seiner syrischen Heimat.

Geflohen, weil er nicht in Assads Armee dienen wollte

Mansours Kampf für ein normales Leben begann im August 2012, als er aus seiner Heimat in den Libanon floh, um dem Militärdienst in der syrischen Armee zu entgehen. Doch auch dort war er nicht sicher: Einige Zeit befand er sich in der Gewalt einer örtlichen Gang, die ihn erst 2014 nach einer Lösegeld-Zahlung wieder freiließ. Er floh in die Türkei, von wo aus er nach Malaysia weiterreisen wollte. Doch bei seiner Einreise in das südostasiatische Land wurde ihm der Zutritt von den örtlichen Behörden verwehrt - angeblich, weil er gefälschte Papiere verwendet haben soll. Am 15. März 2015 wurde er zurück in die Türkei geschickt - wo sein Martyrium am Flughafen Atatürk begann.

Zunächst befand sich Mansour acht Monate in dem "Raum für problematische Passagiere", der einer Zelle gleicht. Es fällt kein Sonnenlicht in den fensterlosen Raum - stattdessen sind die Lampen 24 Stunden am Tag eingeschaltet. Es gibt zudem weder Betten noch Privatsphäre - denn Mansour muss sich die Zelle mit anderen Menschen teilen. Nachdem er letztes Jahr von einem anderen Zelleninsassen angegriffen und verletzt wurde, gestattete man ihm am 20. November die Ausreise in den Libanon. Doch die dortigen Behörden verweigerten ihm die Einreise und bereits am nächsten Tag war Mansour wieder zurück in Istanbul - zurück in dem kargen Raum. Das andauernde Risiko zurück nach Syrien abgeschoben zu werden, hängt wie ein Damoklesschwert über ihm.

"Wenigstens sterbe ich dort nur einmal, dann ist es vorbei"

Laut Amnesty International deuten die Bedingungen unter denen Mansour leben muss, auf "grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung hin, die sowohl unter nationalem als internationalem Recht verboten sind." Das Leben in der Zelle belastet ihn offenbar so stark, dass er sogar mit dem Gedanken spielt, nach Syrien zurückzukehren. Der Menschenrechtsorganisation zufolge, habe er seinen Verwandten gesagt: "Wenigstens sterbe ich dort nur einmal, dann ist es vorbei, anstatt das ich jeden Tag, an dem ich hier bin, ein kleines bisschen sterbe." Die Türkei hat schon in der Vergangenheit Internierungen dazu verwendet, um Flüchtlinge dazu zu bewegen, in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Auf einem Blog von Amnesty international teilt Mansour seine Gedanken in einem Video: "Nachdem ich seit einem Jahr im Flughafen festgehalten werde, ist es momentan mein einziger Traum, eine Nacht ohne eingeschaltetes Licht zu schlafen. Dies ist mein größter Wunsch. Gleich danach kommt endlich wieder die Sonne zu sehen und frische Luft zu atmen. Doch diese Wünsche sind sekundär. Mein Hauptanliegen ist das Licht. Es ist einfach zu viel. Ich kann nicht mehr."

Ein Jahr Istanbul ist genug

Auch auf seinem Twitter-Account teilt der festgehaltene Syrer sein Schicksal mit der Welt: In einem Tweet schreibt er, "die Suche nach einem sicheren Leben ist keine Straftat. Die Straftat ist, einen Menschen ein Jahr lang in einem Flughafen festzuhalten." In einem weiteren Tweet ist Mansour zu sehen, wie er ein Schild hochhält, auf dem steht: "1 Jahr ist genug - ich brauche meine Freiheit". Auch Mansours Verpflegung scheint einem Menschen bei weitem nicht das zu bieten, was er zum Leben braucht. Am Mittwoch erst postete Mansour ein Bild von einem labbrigen Burger, dazu schreibt er: "Es ist Mittagszeit, bitte kommt und teilt mein einjähriges, tägliches Mahl."

Ein Pressesprecher des Atatürk-Flughafens bestätigte dem stern den Fall und räumte ein, "dass es nicht gut für einen Menschen ist, über so lang Zeit in einem Raum zu sein". Da Mansour jedoch angeblich mit einem falschen Pass eingereist sei, erwarte man derzeit den Urteilsspruch in dem laufenden Verfahrens gegen ihn. Da Mansour nicht nach Syrien zurückehren will, gibt es laut des Flughafensprechers momentan keine andere Möglichkeit der Unterbringung für ihn. Wann das Verfahren gegen ihn abgeschlossen sein wird, ist derzeit noch offen.

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