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5. August 2008, 12:11 Uhr

Berlusconis neue Heimatfront

Er hat die letzten Wahlen mit dem Thema Sicherheit gewonnen, nun macht Silvio Berlusconi Nägel mit Köpfen. Im ganzen Land sind 3000 Soldaten im Einsatz und sollen die Quadratur des Kreises schaffen: unsichtbar bleiben, aber gegen die Straßenkriminalität vorgehen. Ein Stimmungsbericht. Von Luisa Brandl

Soll eigentlich für Touristen nicht sichtbar sein: Einer der 400 Soldaten, die in Rom für mehr Sicherheit sorgen sollen© Tony Gentile/Reuters

An der Laterankirche San Giovanni bietet sich ein bizarres Bild. Ein olivgrüner Militärjeep mit vier Männern aus dem Regiment der Fallschirmjäger "Folgore" hält Wache an einem Palazzo, an dem nichts darauf hin deutet, dass hier die palästinensische Botschaft untergebracht ist. Keine drei Schritte neben den strammstehenden Soldaten sitzen Andrea und Viola aus Mannheim an eine schattige Hauswand gelehnt auf dem Boden. Die Abiturientinnen relaxen und rauchen. Strammstehen gegen Abhängen. Die Schülerinnen wundern sich. "Was ist hier eigentlich los?", fragt Viola. "Bei uns wäre es undenkbar, dass die Bundeswehr die Aufgaben der Polizei übernimmt," sagt Andrea.

400 Soldaten schützen Rom

Es ist der erste Tag, an dem italienische Soldaten zur Bekämpfung der Straßenkriminalität in verschiedenen Städten postiert worden sind. Allein in Rom sind es zunächst 400 Sicherheitskräfte, die an U-Bahnstationen, Bahnhöfen und einem Einwanderungszentrum Dienst schieben. Doch auch in Mailand, Neapel, Bologna und Palermo waren Soldaten im Einsatz.

Die Soldaten auf den Straßen in Rom sollen für Touristen nicht sichtbar sein. Bürgermeister Gianni Alemanno von der rechtskonservativen Nationalallianz hatte seit Tagen vor einem Imageverlust gewarnt, wenn das Militär vorm Kolosseum patrouilliert. Präfekt Carlo Mosca erklärte daher in letzter Minute die Innenstadt zur "no go area" für die 400 Soldaten, die in der Hauptstadt zur Verbrechensbekämpfung im zivilen Einsatz sind. Doch die Präsenz im Stadtbild von Männern in Tarnanzügen mit Maschinengewehr geht an Besuchern der Ewigen Stadt dennoch nicht spurlos vorbei.

Mehrheit steht hinter dem Sicherheitspaket

Doch für die überragende Mehrheit der Italiener ist der Straßeneinsatz des Militärs willkommen. Ein Römer mit silbergrauem Haar und großer Gestik ruft den Soldaten im Vorübergehen zu: "Weiter so, wir müssen endlich durchgreifen." Marisa, die Rentnerin sagt, sie habe Angst, mit ihrer Handtasche auf die Straße zu gehen und fürchte sich sogar allein in ihrer Wohnung. Der Staat solle mehr für die Sicherheit tun. Dem Fahrer am Busbahnhof San Giovanni gehen die Maßnahmen nicht weit genug: das Militär müsse auch in den U-Bahnen kontrollieren, sagt er. Sein Kollege widerspricht: "Dann haben wir bald einen Polizeistaat." Doch eine Umfrage von Sky TV bestätigt die Marschrichtung der Regierung Berlusconi. 82 Prozent der befragten Italiener stehen hinter dem Sicherheitspaket.

Im ganzen Land sind nun 3000 Soldaten im Einsatz. Sie patrouillieren vor den Auffanglagern für illegale Zuwanderer, bewachen Botschaftssitze, Kirchen und Bahnhöfe oder unterstützen die Polizeikräfte bei der Streife. Es geht der Regierung um Sichtbarkeit. Der Militäreinsatz ist zunächst auf sechs Monate angesetzt und kostet den Staat mehr als 30 Millionen Euro, kann aber auf ein Jahr verlängert werden und dann das Doppelte verschlingen. Polizeigewerkschaften und Opposition geißeln die Maßnahme folglich als "Sicherheitsdemagogie" und "Geldverschwendung". Doch mit dem Thema Sicherheit hat Berlusconi im April den Wahlkampf gewonnen. Seither macht der Populist mit ausländerfeindlicher Politik von sich reden.

Nationaler Notstand wegen Flüchtlingsströmen

Im Juli hatte der Premier den nationalen Notstand verhängt, um die Situation wegen der stark angestiegenen Flüchtlingsströme in den Griff zu bekommen und baute massiv die Polizeipräsenz im Land aus. Seine ausländerfeindliche Politik brachte dem Medienunternehmer und Multimilliardär mehrmals Rügen von europäischen Institutionen ein, zuletzt wegen "diskriminierender" und "menschenrechtswidriger" Behandlung der Roma und Sinti, als Innenminister Roberto Maroni ankündigte, allen Sinti-Kindern Fingerabdrücke abnehmen zu lassen.

Italien hatte schon einmal Erfahrung mit dem Einsatz der Armee für Sicherheitsaufgaben im Innern gemacht. Nach den Mordanschlägen auf die sizilianischen Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 ließ die italienische Regierung Soldaten in den Großstädten patrouillieren. Auch damals ging es darum eines zu demonstrieren: Es gibt ihn, den Staat.

Von Luisa Brandl
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
ecomoc4u (05.08.2008, 21:11 Uhr)
trends kommen aus den usa
auf google oder youtube suchen nach:
.
fema concentration camps
oder
million fema coffins.
.
die sind nicht nur vorhanden, sondern auch startklar.
520i (05.08.2008, 18:22 Uhr)
Keine Probleme??
Ich weiß, dass es Probleme gibt. Aber deswegen das Militär?? Im Inland?? Meines Erachtens haben sie einen ausgeprägten Waffen- und M;ilitärfetisch. Das IST keine Lösung für die Probleme und das wissen sie genau.
Erinnert Sie das Alles nicht an etwas: Spalten der Gesellschaft, diskreditieren von Regierungsfeinden, Ausufernde Überwachung, (bald) Wirtschaftskrise, Verpflichtung zur ständigen Aufrüstung im EU-Vertrag...
Man sollte mit solchen kurzsichtigen Forderungen wie Militär im Inland usw. vorsichtig sein. Zumindest, wenn man die Geschichte kennt.
SethusCalvisius (05.08.2008, 17:39 Uhr)
Offenbarungseid
Schade, dass es so schwer fällt, über dieses Thema sachlich zu reden oder zu schreiben. Die einen malen ein Schreckensbild von einem Land, in dem man sich nicht mehr auf die Straße trauen kann, die anderen sehen überhaupt keine Probleme. (hängt wahrscheinlich auch mit dem Wohnort zusammen) Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte, aber damit macht das Diskutieren ja keinen Spaß mehr. Selbstverständlich gibt es bei uns, wie in anderen Ländern auch, Gegenden, in denen die Kriminalitätsrtate zu hoch ist. Dagegen einzuschreiten ist aber Sache der Polizei. Wenn das nicht gelingt, sollte man sich einmal Gedanken machen, wie die Polizei personell und organisatorisch verbessert werden kann. (kostet natürlich wieder Geld) Aber die Armee auf die eigene Bevölkerung anzusetzen, ist für mich der politische Offenbarungseid.
@vogta
Über Ihren Schlusssatz kann ich j anur lachen: "Es hat hier jeder ALLE Möglichkeiten - wenn er nur will" Ja, wo sind denn denn die 6,2 Mio Arbeitsplätze für 6,2 Mio Arbeitslose?
flashback02 (05.08.2008, 16:09 Uhr)
Und wo sind die Panzer?
Ok, der Soldat auf dem Foto hat ein Sturmgewehr und kein MG, alles klar, wusste ich nicht. Sollte man auf jeden Fall besser mal bei sich tragen, wenn man es mit Strassenkriminalität zu tun hat. Unsere hiesige Polizei ist mit ihren lächerlichen Pistolen vergleichsweise ja auch nicht mehr ernstzunehmen.
Warum aber werden keine Panzer und Kampfhubschrauber eingesetzt? Man stelle sich nur mal vor, ein Dieb kommt mit einem PKW oder einer Vespa an, da muss man doch vorbereitet sein! Die Chinesen haben sogar Flugabwehrgeschütze und wir in Europa gehen so Dilletantisch vor... Das sind unhaltbare Zustände...
vogta (05.08.2008, 16:09 Uhr)
@520i
bei mir ist es ruhig, und da wo es nicht so ist gehe ich nicht hin. Aber es ist mir einfach nicht klar, wie jemand einfach so leben will wie Sie. Kopf in den Sand stecken und Gutmensch spielen. Ich wünsche es niemandem, aber wenn Ihnen sowas passiert oder Ihren Kindern, dann werden Sie der erste sein der nach der Staatsmacht schreit. Was hat das mit sozialen Möglichkeiten zu tun? Es hat hier jeder ALLE Möglichkeiten - wenn er nur will.
chrgue (05.08.2008, 16:08 Uhr)
Ja, warum denn nicht?
Es wird eines (un)schönen Tages auch bei uns soweit kommen müssen, dass Polizeikräfte alleine nicht ausreichen werden, um die Straßenkriminalität zu bekämpfen. Natürlich ist das alles nicht wünschenswert, aber um meine Gesundheit und mein Hab und Gut zu sichern, wäre es mir dieser Aufwand durchaus wert. In vielen unserer Großstädte gibt es schon jetzt Bereiche, in denen die Polizei nur in mindestens Gruppenstärke auftauchen darf, sonst wird sie von unseren liebgewonnenen herbeigelockten Migrantenbübchen niedergemacht. Wartet es ab, es wird soweit kommen, weil es so kommen muss!
vegefranz (05.08.2008, 15:58 Uhr)
@520
also, da waren Sie wohl lange nicht mehr in No Go Areas wie Neukölln oder dem Wrangelkiez
520i (05.08.2008, 15:42 Uhr)
Hallo vogta,
ich weiß zwar nicht wo sie wohnen, aber Messerstecher und Dealer jeder Coleur gibts hier nicht. Vielleicht auch eine Frage der sozialen Möglichkeiten, die diese Leute haben. Nicht nur, aber auch. Aber das würde zu weit führen. Apropos führen: Der GröFaZ wäre Stolz auf diese Entwicklungen!
ecomoc4u (05.08.2008, 15:34 Uhr)
@vogta
wenn ich gemeint war, ...ich hatte mich gleich 2 mal vertippt.
.
1. "...und heuert sie an um die drecksarbeit der mafia zu machen."
.
2. "... um die touristen vor der mafia zu schützen."
surangumal (05.08.2008, 15:16 Uhr)
Begriffskunde Waffen
Der Soldat hat kein Maschinengewehr, sondern ein Sturmgewehr umhängen. Und ja, das ist ein Unterschied. Es würde auch niemand zu einem Mercedes Sprinter "LKW" sagen.
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