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28. Juli 2008, 14:17 Uhr

Mit Notstandsgesetzen gegen die Illegalen

Notwendiges Übel oder plumper Rechtspopulismus? Die italienische Regierung von Silvio Berlusconi hat den Flüchtlingsnotstand ausgerufen. Die massive Erweiterung von Behörden- und Polizeibefugnissen stößt nicht nur bei der Opposition auf scharfe Kritik.

87 Flüchtlinge aus Somalia hatten Mitte Juni versucht von Lybien aus die italienische Küste zu erreichen. Jedes Jahr versuchen mehr Menschen dieses lebensgefährliche Unterfangen© Mauricio Esse/AFP

Mit der Ausrufung eines nationalen Flüchtlingsnotstands hat die konservative Regierung von Silvio Berlusconi die Befugnisse der Polizei in Italien im Kampf gegen illegale Einwanderung weiter ausgeweitet. Mit den Maßnahmen will Innenminister Roberto Maroni auf den anhaltenden Strom von Immigranten aus Afrika reagieren. Neben den erweiterten Befugnissen für Polizei und regionale Behörden, soll der Notstand die landesweite Einrichtung neuer Auffanglager beschleunigen. Das Reizwort vom nationalen Notstand löste helle Aufregung aus. Von Panikmache und Polizeistaat war die Rede, als die Weichenstellung der konservativen Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi publik gemacht wurde.

Ungewöhnlich scharfe Kritik vom Vatikan

Nur kurz nach dem von der Regierung durchs Parlament gebrachten neuen "Sicherheitspaket" gegen Kriminalität und illegale Einwanderung befürchtet die linke Opposition das Schlimmste - was Berlusconi da forciere, sei nur "verabscheuungswürdige" Propaganda und solle Angst schüren. Sogar der Vatikan schaltete sich ein. "Auch eine Hausherrin befindet sich in einer Art Notstand, wenn zwei unangemeldete Gäste kommen, aber sie wird doch versuchen, sie auf bestmögliche Weise willkommen zu heißen", hieß es in einer offiziellen Mitteilung von Bischof Agostino Marchetto. Er ist seit 2001 Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs. "Der Vatikan ermahnt Berlusconi", titelte die Zeitung "La Stampa".

Seit ihrem Amtsantritt im Frühjahr hat Berlusconis Regierung Polizeieinsätze gegen illegale Einwanderer deutlich ausgeweitet. Die Ausrufung des nationalen Notstands stößt unter anderem deshalb auf Unverständnis, weil von dem Problem der Flüchtlingswelle hauptsächlich die Regionen im Süden Italiens betroffen sind. Eine nationale Befugniserweiterung für die Sicherheitsbehörden erscheint der Opposition deshalb wenig plausibel.

Hoffen auf Lybien

Zwar hatte sich Innenminister Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Lega Nord einige Argumente zurechtgelegt, die den Notstand begründen und dem politischen Gegner den Wind aus den Segeln nehmen sollten. Das beste Argument lieferte ihm allerdings der traurige Alltag an den süditalienischen Küsten selbst. Denn auch an diesem Wochenende, an dem Millionen Italiener in die Ferien fuhren, kamen wieder Hunderte von Einwanderern in Booten auf Lampedusa oder auf Sardinien an. Zwei Kleinkinder waren entkräftet auf der Überfahrt gestorben. Die Regierung hofft auf Vereinbarungen mit Libyen, von wo aus die meisten Bootsflüchtlinge die gefährliche Überfahrt versuchen, die einen Damm gegen die schier endlose Menschenwelle gen Norden bilden sollen. Innenminister Maroni: "Dann bekommen wir das in den Griff."

"Im ersten Halbjahr 2008 hat sich die Zahl der angekommenen Einwanderer im Vergleich zur Vorjahresperiode verdoppelt", hatte der Minister nüchtern erklärt - von 5378 auf 10611. Auch der Sonderminister für Vereinfachung der Gesetzgebung, Roberto Calderoli, begründete den Beschluss mit den in diesem Sommer gestiegenen Flüchtlingszahlen. "So wie die Zahlen gestiegen sind, müssen wir jedes uns zur Verfügung stehende Mittel nutzen", wurde der Lega-Nord-Politiker zitiert.

Notstand als Dauerzustand

Regierungsmitglieder verwiesen auch wiederholt auf den Umstand, dass die Maßnahme der Regierung keine Neuerung darstellt. Ein landesweiter Notstand wegen der Flut illegaler Einwanderer war erstmals vor sechs Jahren - auch von Berlusconi - ausgerufen worden. Die Immigration riss kaum ab, und der Notstand wurde Jahr für Jahr verlängert, auch von Romani Prodis Mitte-Links-Regierung. Im Februar 2008 hatte Prodi, gerade noch im Amt, den Notstand dann auf die am stärksten betroffenen Südregionen Apulien, Kalabrien sowie Sizilien beschränkt. Berlusconi weitet ihn jetzt wieder auf ganz Italien aus.

"Viel Lärm um Nichts" oder "Panikmache"? Diese Regierung, gerade mal drei Monate im Amt, betreibe permanenten Wahlkampf, um von ihrer inneren Zerstrittenheit "und der Untätigkeit bei wirklichen Problemen der Leute abzulenken", attackierte jedenfalls Massimo Donadi von der liberalen Partei "Italien der Werte". Berlusconis Fraktionschef im Senat, Maurizio Gasparri, konterte so: "All die Vertreter der Linken, die die Regierung beleidigt haben, sollten sofort um Entschuldigung bitten."

Bleibt das Leiden zehntausender Bootsflüchtlinge, die Jahr für Jahr ihr Heil in Europa suchen. Der Innenminister muss etwa 600 Millionen Euro aufbringen, um die Zahl der Aufnahmelager auf 20 - eines in jeder Region - zu verdoppeln. Wie schnell die Ausrufung des Notstands die Finanzierung nun beschleunigen kann, bleibt abzuwarten. Zusammen mit dem Verteidigungsministerium wird geprüft, ob Kasernen dafür dienen könnten. Die Lager heißen "Zentrum der Identifizierung und Ausweisung". Berlusconi hat den Einwanderern - etwa 650.000 leben im Land - den Kampf angesagt: Wer illegal kommt, kann dafür bestraft und wer kriminell wird leichter abgeschoben werden.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Georges13437 (30.07.2008, 02:08 Uhr)
Berlusconi handelt richtig
Er macht das, zu was er als Regierungschef verpflichtet ist, er sorgt dafür, dass Schaden von Italien abgewendet wird. Kein Land kann seine Tore sperrangelweit öffnen, damit die Armut Afrikas und des Balkans einwandern kann. Die Probleme müssen in den Herkunftsländern angepackt werden. Die Zukunft der Flüchtlinge kann nicht sein in Europa für den Rest ihres Lebens Sozialhilfe zu beziehen. Wer als Befürworter der offenen Türen wird als erster diese wieder schließen? Wird er es tun wenn er bemerkt, wieviel ihm das Gutmenschengetue letzlich kostet. Grenzenlose Zuwanderung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Gutmenschen können ja mal beweisen wie es mit dem Gutsein, wirklich bestellt ist. Ich bin dafür, dass jeder von diesen Personen 2-3 Flüchtlinge in seine Wohnung aufnimmt. Bei so einer ernsthaften Forderung, würde plötzlich Totenstille einkehren in Deutschland.
Wie immer ist alles mal wieder nur haltloses Palaver.
MfG Georges13437
whismerh2 (29.07.2008, 07:52 Uhr)
countryjoe
Und was unserer Gutmeschnen gar nicht wahr haben wollen, sollte überhaupt nichts gegen diese Zuwanderung gemacht wird,wird Europa
ernsthafte Probleme mit dem sozialen Frieden bekommen.
Weie Du schon sagtest, einmal hier ohne Pass, bleiben sie erst mal hier,
arbeiten dürfen Sie nicht, wenn Sie nun überhaupt wollen, also geht es mal wieder auf die ohnehin schon geplünderten Sozialkassen, die die Mittelschicht finanziert.Würde Entwicklungshilfe richtig betrieben werden, z. B. in Ifrastruktur und ähnliches,das Geld wird aber irgendwelchen Despoten gegeben die sich dann unter anderem mit Waffen versorgen.Warum soll immer nur der einfache Steuerzahler für diese Misstände aufkommen.
Countryjoe (29.07.2008, 07:42 Uhr)
@Pamela@ecomoc4u@SethusCalvisius
Das die ganzen Illegalen unser Gemüse ernten, ist schlichter Humbug! Das hier alles massenhaft abgeschoben wird ebenso. Es ist doch unmöglich jemanden loszuwerden der seine Papiere entsorgt hat. Für solche Leute, die größtenteils ohne jede Ausbilsung sind dürfen wir zahlen. Danke, brauche ich nicht!
Der Notstand in anderen Ländern ist deren Angelegenheit, wenn deren Machthaber nicht die reichliche Entwicklungshilfe privat verwenden würden gäbe es diesen nicht.
Wir müssen und vor dieser Flut schützen um nicht unterzugehen. Das Problem wird nicht durch gutmenschliches Geschwafel und auch nicht durch humanitätsduselei gelöst sondern durch die Konsequente Anwendung und Durchsetzung von Gesetzen!
Garnet (29.07.2008, 04:48 Uhr)
Ich kann mir nicht vorstellen
das intelligente Menschen einen ungehemmten Zuzug von illegalen Einwanderern gutheissen koennten. Die Zustaende in den Herkunftslaendern der Wirtschaftsfluechtlinge sind hausgemacht. Ich kann mir auch nicht vorstellen das der Steuerzahler willens ist noch mehr Steuern zu zahlen um ungebildete Nord- und Westafrikaner hier ueber Wasser zu halten. Die Chance fuer diese Maenner legal nach Europa zu reisen ist gar nicht so schlecht. Die 60 bis 80 jaehrigen Europaerinnen welche zum Sextourismus nach Nord und Westafrika fahren bringen die jungen Kerle ja schon haufenweise nach Europa. Und natuerlich regt sich der Vatikan auf, denn schliesslich forciert der Vatikan mit der indokdrinierung der Ignoranten die Ueberbevoelkerung und damit die Armut, Kriminalitaet,Prostitution,Korruption und Hoffnungslosigkeit. Europa und hier speziell Deutschland braucht den Zuzug von gebildeten Leuten. Deppen hat es genung.
ecomoc4u (29.07.2008, 01:51 Uhr)
@Countryjoe
bsp: mexikaner überschwemmen die usa, arbeiten für 10 dollar/tag. kleine betriebe schliessen reihenweise, die grosskonzerne stossen sich gesund, während us bürger reihenweise arbeitslos werden.
.
wo kaufst du dein obst/gemüse. spanien und italien haben alle ihre mexikaner, die für 5 euro am tag unsere discounter versorgen.
.
wenn deine freunde erstmal arbeitslos sind, können die sich noch nicht mal mehr das zeugs von den discountern leisten.
.
wasch deinen kopf und fange an dich zu bilden.
Pamela_1971 (28.07.2008, 23:51 Uhr)
Countryjoe
Jaja, überaus "mutig", gegen halb verhungerte, dringendst hilfsbedürftige Menschen vorzugehen. Und der saubere Herr Berlusconi ist natürlich der einzige Staatschef, der heldenhaft etwas gegen hilfesuchende Flüchtlinge unternimmt... Frontex gibt es natürlich nicht, und auch keine Abschiebeknäste... und aus Deutschland werden natürlich auch nicht jedes Jahr zig-tausende von Menschen gewaltsam deportiert und mit Gewalt abgeschoben... ne, das gibts alles nur in Italien... is schon klar!
SethusCalvisius (28.07.2008, 23:22 Uhr)
Notstand
Fragen Sie mal die Bootsflüchtlinge, die können erzählen, was echter "Notstand" ist. Aber es war ja klar, dass Berlusconis Populismus auch in unserem Land wieder Befürworter findet.
Countryjoe (28.07.2008, 23:04 Uhr)
Na, endlich!
Wurde ja auch höchste Zeit, daß endlich einmal ein europäischer Staatschef den Mut aufbringt und gegen die illegale Masseneinwanderung vorgeht. Während andere aus lauter Furcht möglicherweise als Rassisten bezeichnet zu werden, die Augen vor dem Anstrurm verschließen, ergreift Italien die Initiative!
Bravo, Signor Berlusconi!
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