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5. April 2006, 15:26 Uhr

Von Transvestiten und Vereinigten Rentnern

Wer dachte Silvio Berlusconi und Romano Prodi seien alles, was die Wahl in Italien zu bieten hat, der irrt. Das weitere Aufgebot ist abenteuerlich. Bei den antretenden Wahl-Exoten ist für jeden etwas dabei.

Wladimir Luxuria, Kandidat der altkommunistischen Rifondazione© EPA/GIUSEPPE GIGLIA

Wie ein wild zusammengewürfelter Haufen wirken die Bündnisse von Silvio Berlusconi und Romano Prodi auf den ersten Blick - und auch auf den zweiten. In aufwendiger Kleinarbeit haben der Regierungschef und sein Herausforderer in den vergangenen Monaten zahlreiche Parteien um sich geschart, Ziel ist der Wahlsieg beim Urnengang am kommenden Sonntag und Montag. Wie in Italien üblich stellen sich auch wieder jede Menge Exoten zur Wahl - jede Stimme zählt, egal ob sie für Rentner, Euro-Gegner, Faschisten oder Fußball-Fanatiker abgegeben wird.

Berlusconi selbst verspottete die Allianz "Unione" seines Gegners beim jüngsten Fernsehduell der beiden Kontrahenten: "In seiner Allianz hat Prodi einen Transvestiten (den Kandidaten der altkommunistischen Rifondazione, Wladimir Luxuria), den Radikalenchef Marco Pannella, der "Vatikan-Taliban" brüllt, (die frühere EU-Kommissarin) Emma Bonino, die das Konkordat mit dem Vatikan abschaffen will und den vermummten Globalisierungsgegner Francesco Caruso."

Vergleich von Nationalflagge mit Toilettenpapier führte zu Haftstrafe auf Bewährung

Nur: Im Schlepptau seines Bündnisses "Casa delle Libertá" (Haus der Freiheiten) hat er selbst mehrere ultra-rechte Bündnispartner, darunter Alessandra Mussolini, die Enkelin des Duce Benito Mussolini sowie eine Partei mit dem klingenden Namen "No Euro". "Aus der Euro-Zone auszutreten bedeutet für Italien die mögliche Rettung vor dem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang, der die Familien, die Unternehmen und die ganze italienische Gesellschaft mit sich reißt", steht im Wahlprogramm der Partei.

Mussolini, die mit ihrer Partei "Alternativa Sociale" (Soziale Alternative) ins Rennen geht, wetterte zuletzt gegen Wladimir Luxuria: "Es ist immer noch besser Faschist als schwul zu sein." Auch die extrem rechte "Fiamma Tricolore" sitzt bei Berlusconi mit im Boot - ebenso wie wiederum die rechtspopulistische Lega Nord von Umberto Bossi. Heute hat sich der Politiker nach einem Schlaganfall rar gemacht, früher wurde er zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, weil er die italienische Nationalflagge mit Toilettenpapier verglich.

Im Wahlprogramm: Rechte für nichtverheiratete Paare und Legalisierung leichter Drogen

Pannellas Radikale haben sich hingegen mit den demokratischen Sozialisten zur Listenverbindung "La Rosa nel Pugno" (Die Rose in der Faust) zusammengeschlossen. Als "Politclown" gilt der große Mann mit den weißen Haaren - mal verteilte er früher in Rom Haschisch auf der Straße, andere Male verschenkte er auf der Piazza Geld an Passanten, immer wieder trat er für seine politischen Ansichten in den Hungerstreik. Im Wahlprogramm der "Rose" pochen die Autoren heute auf die Rechte nichtverheirateter Paare und die Legalisierung leichter Drogen.

Aber auch für alle, die weder rechts noch links wählen wollen, gibt es jede Menge Auswahl: "Forza Roma" etwa heißt eine unabhängige Partei, in Anlehnung an den Schlachtruf der Fans des Fußball-Erstligisten AS Rom, eine andere nennt sich "Partito Umanista"- humanistische Partei. Insgesamt stellen sich immerhin 74 Listen und Parteien zur Wahl. Und alle Rentner haben eigentlich nur die Qual der Wahl zwischen der Mitte-Links-Partei "Pensionati" und den "Pensionati Uniti", die für Berlusconi antreten.

Carola Frentzen/DPA
 
 
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