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16. Februar 2005, 13:30 Uhr

Hilferuf aus dem Irak

Die seit zwei Wochen im Irak entführte Journalistin Giuliana Sgrena hat in einem Video um Hilfe gefleht. "Ich flehe Sie an, machen Sie der Besatzung ein Ende", sagte die Geisel auf dem jetzt ausgestrahlten Band.

Video auf Sky Italia: Sgrena sprach italienisch und französisch© AFP

Die im Irak verschleppte italienische Journalistin hat die Regierung in Rom angefleht, die Forderungen ihrer Entführer nach einem Truppenabzug zu erfüllen.

"Machen Sie der Besatzung ein Ende", sagte Giuliana Sgrena unter Tränen in der vom Fernsehsender Sky Italia am Mittwoch ausgestrahlten Video-Aufzeichnung einer Rebellengruppe namens "Mudschahedin ohne Grenzen". Die Reporterin, die für das römische Blatt "Il Manifesto" und die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" arbeitet, forderte ihre Landsleute zugleich auf, Druck auf die Regierung auszuüben. Außenminister Gianfranco Fini machte deutlich, dass die Regierung sich den Forderungen nicht beugen werde. Das Band wurde nur wenige Stunden vor einer Parlamentssitzung veröffentlicht, in der über die Freigabe von Mitteln für eine Ausweitung des italienischen Militäreinsatzes in dem Golfstaat entschieden werden sollte.

Italien stellt 3000 Soldaten

Italien ist mit seinen 3000 Soldaten im Irak nach den USA, Großbritannien und Südkorea der viertgrößte Truppensteller in dem Golfstaat.

Sgrena war am 4. Februar bei einer Straßenumfrage in Bagdad entführt worden. Seither hatte es kein Lebenszeichen von ihr gegeben. Unklar blieb indes, wann und wo die Aufnahmen gemacht wurden. Die 57-jährige Reporterin gilt als vehemente Gegnerin der Invasion im Irak. In der von den Kidnappern gefilmten Aufnahme sagte sie unter Tränen: "Alle müssen sich aus dem Irak zurückziehen. Keiner kann mehr in den Irak kommen, weil alle Ausländer, alle Italiener, als Feinde betrachtet werden. Bitte tun Sie etwas für mich!"

Kein Kurswechsel der Regierung

Sgrenas Partner Pier Scolari sagte im Fernsehen, er unterstütze den Aufruf der Entführten nach einem Truppenabzug, aber nicht, weil ihr Leben in Gefahr sei, sondern weil es um das irakische Volk gehe. Sgrenas Vater zeigte sich erleichtert über das Lebenszeichen von seiner Tochter, äußerte sich aber skeptisch über die Aussichten, dass die Regierung ihre Truppen aus dem Irak zurückziehen könnte. Außenminister Fini sagte: "Die Regierung wird weiterhin alles tun, um die Freiheit der Geisel zu erreichen, ohne indes die politische, diplomatische oder Geheimdienst-Strategie zu ändern, die sie bisher verfolgt hat." Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte Forderungen irakischer Geiselnehmer nach einem Truppenabzug auch in der Vergangenheit stets abgelehnt.

Sgrena ist bereits die achte italienische Geisel, die in dem Golfstaat entführt worden ist. Zuletzt war im August der Journalist Enzo Baldoni verschleppt und später von seinen Entführern getötet worden. Ebenfalls im August 2004 hatte ein US-Spezialkommando drei Italiener im Irak befreit, die knapp drei Monate zuvor entführt worden waren.

Reuters
 
 
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