Basar wilder Blüten

26. Mai 2005, 16:55 Uhr

Abu Mussab al-Sarkawi ist trotz aller Prominenz ein Phantom geblieben. Jetzt soll der irakische al-Kaida-Führer verletzt worden und geflohen sein. Im Internet geht das Gerücht um, dass es bereits einen Nachfolger gibt - und prompt folgten Dementis.

Operation "New Market": US-Marines bei einer Personenkontrolle nahe der Stadt Haditha am Euphrat©

Der irakische al-Kaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi ist nach Informationen der Regierung in Bagdad verletzt worden. Über die Schwere seiner Wunden sei jedoch nichts bekannt, sagte Innenminister Bajan Dschabr in Bagdad. "Wir sind nicht sicher, ob er tot ist oder nicht, aber wir sind sicher, dass er verletzt ist", sagte Dschabr. Auch Verteidigungsminister Saadun al-Duleimi bestätigte entsprechende Informationen. Unter dem Namen von Abu Majsara al-Iraki, der bereits in früheren Mitteilungen als Sprecher der al-Kaida im Irak in Erscheinung trat, war bereits am Dienstag eine Erklärung im Internet aufgetaucht, wonach al-Sarkawi verwundet sei.

Al-Sarkawi hat sich zu zahlreichen Angriffen auf irakische Zivilpersonen und Sicherheitskräfte, zu Entführungen und Enthauptungen von Ausländern bekannt. Für seine Ergreifung ist eine Belohnung von 25 Millionen Dollar (20 Millionen Euro) ausgesetzt. Die irakische Regierung teilte mit, Soldaten hätten an einem Kontrollposten in der Provinz Niniveh einen Berater Sarkawis getötet. Sabhan Ahmad Ramadan, auch unter dem Namen Agha Abu Saad bekannt, sei ein enger Mitarbeiter von Abu Talha gewesen, dem Regionalleiter der al-Kaida in Mossul.

Widersprüchliche Mitteilungen über den jordanischen Extremistenführer sorgten am Donnerstag für Verwirrung. Am Morgen wurde im Namen der Gruppe al-Kaida im Irak eine Erklärung im Internet veröffentlicht, derzufolge die Gruppe einen Stellvertreter für Sarkawi berufen habe.

"Wir dementieren alles"

Wenig später erschien auf einer anderen Website ein Dementi unter dem Namen von al-Iraki. "Wir dementieren alles, was über die Ernennung des so genannten Abu Hafs oder irgend jemandem mit einem anderen Namen gesagt worden ist", hieß es in der zweiten Erklärung. In der morgendlichen Mitteilung war der neue Stellvertreter als Abu Hafs al-Gerni identifiziert worden. In dem Dementi hieß es, alle Muslime wüssten, dass nur Abu Majsara al-Iraki Informationen im Namen der al-Kaida verbreiten dürften.

Wütet im Irak als Schlächter im Namen Allahs: der Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi©

Zu der Natur seiner Verletzung äußerte sich am Mittwoch der Autor einer dritten Mitteilung, der sich al-Chalidi nannte. Er erklärte unter Berufung auf "Brüder, die den Heiligen Kriegern im Irak nahestehen", dass al-Sarkawi Schussverletzungen an der Lunge erlitten habe. Er sei in ein Nachbarland des Iraks geflohen und werde von zwei arabischen Ärzten begleitet. Diese Erklärung war am Mittwoch von mehreren Lesern als nicht von al-Kaida autorisiert angegriffen worden.

Die arabische überregionale Tageszeitung "al-Hayat" aus London berichtete am Donnerstag unter Berufung auf einen Informanten namens Abu Othman in al-Sarkawis Heimatstadt Sarka, der Extremist sei vor zwei Wochen an der rechten Niere verwundet worden und habe wegen der Lage in der westirakischen Anbar-Provinz nicht richtig behandelt werden können. Laut "al-Hayat" waren noch fünf mögliche Nachfolger im Gespräch, ein Syrer und vier Iraker. Zwei der Iraker sollen unter dem Saddam-Regime als Ausbilder bei Armee und Geheimdienst gearbeitet haben. Einige Terrorexperten haben davor gewarnt, dass die Berichte ein Versuch sein könnten, die Fahnder in die Irre zu führen.

40.000 Soldaten und Polizisten sollen Bagdad sichern

Durch den Einsatz von 40.000 Soldaten und Polizisten will die irakische Regierung nun den blutigen Terror in Bagdad stoppen und die Rebellen und deren Waffenlager aufspüren. Verteidigungs- und Innenministerium kündigten für die kommende Woche die Großoffensive "Donnerschlag" an. Die Aktion werde erst enden, wenn "der Terror besiegt" sei, erklärte al-Duleimi. "Wir werden Bagdad in sieben Gebiete unterteilen", kündigte er weiter an.

Im Westirak eröffneten die US-Streitkräfte unterdessen ihre zweite Offensive binnen eines Monats gegen die Aufständischen. Rund 1000 Soldaten drangen am Mittwoch in die Stadt Haditha am Euphrat ein. Der Sturm auf Haditha, von den US-Militärs "New Market" (Neuer Markt) genannt, ist Teil der amerikanischen Bemühungen, landesweit gegen Rebellen in den von Sunniten dominierten Gebieten vorzugehen. Nach amerikanischen Angaben wurden bei Schießereien ein US-Soldat und zehn Rebellen getötet. In diesem Monat hatten die Amerikaner bereits eine große Militäraktion gegen Aufständische in Kaim und anderen Städten nahe der syrischen Grenze geführt.

Der irakische Außenminister Sebari rief bei einem Treffen mit seinem italienischen Kollegen Gianfranco Fini die Regierung in Damaskus auf, das Eindringen von Terroristen nach Irak zu verhindern. Syrien nahm nach eigenen Angaben in den letzten Wochen über 1200 Personen fest, die illegal die Grenze zum Irak überschreiten wollten. Bei den Festgenommenen habe es sich vor allem um Ausländer gehandelt, die illegale Aktionen geplant hätten, sagte der syrische UN-Botschafter Faissal Mekdad in New York.

Der Irak bat den UN-Sicherheitsrat um eine Verlängerung des Mandats für die US-geführte multinationale Truppe. Das Land könne sich selbst nicht ausreichend gegen den bewaffneten Aufstand wehren, hieß es in einem Brief der Regierung in Bagdad. Der Sicherheitsrat hatte das Mandat am 8. Juni 2003 einstimmig erteilt. Die britische Regierung teilte mit, im Zuge der routinemäßigen Truppenrotation würden zusätzlich 400 Soldaten in den Irak geschickt. Sie sollten die dortigen Sicherheitskräfte ausbilden.

Mehr als 600 Tote innerhalb weniger Wochen

Seit der Nominierung einer von Schiiten geführten Regierung Ende April haben Aufständische ihre Anschläge und Angriffe deutlich verstärkt. Innerhalb von wenigen Wochen wurden dabei mehr als 600 Iraker getötet. Die Angriffe richten sich vor allem gegen Polizei und Vertreter der neuen Regierung und sollen die politische Neuordnung des Landes stören. Experten befürchten, dass die mehrheitlich sunnitischen Rebellen einen Bürgerkrieg auslösen wollen.

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