Das Märchen vom erfolgreichen Waterboarding

24. Januar 2013, 16:04 Uhr

Der Film "Zero Dark Thirty" suggeriert, Folter habe zur Ergreifung Osama bin Ladens geführt. Der stern hat die Jagd auf den Terrorfürsten rekonstruiert und ist zu anderen Ergebnissen gekommen. Von Martin Knobbe

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Szene aus dem Film "Zero Dark Thirty": Die USA diskutieren darüber, was dran ist an der Rede von "erfolgreicher" Folter.©

Die Szenen kommen der Wirklichkeit sehr nahe, darum sind sie so grausam. Eine dreckige Zelle, der Häftling wird geschlagen, steht nackt im kalten Raum, wird wie ein Hund an der Kette geführt, muss ewiges Dröhnen von Christina Aguilera ertragen, dann wird ein Tuch über sein Gesicht gedeckt, ein Trichter darüber gehalten, seine Peiniger schütten Wasser hinein, es läuft über sein Gesicht. Waterboarding heißt die Methode, der Gefangene glaubt wahrhaftig, gleich zu ertrinken. Schnitt.

Später sieht man den gleichen Gefangene im entspannten Gespräch mit seinen Vernehmern von der CIA, sie lachen, er bekommt zu essen, er plaudert. Den Namen eines Kuriers nennt er und sagt, dieser sei ein enger Vertrauter von Osama bin Laden gewesen. Es ist ein Name für die CIA, bald eine Spur, die hinführt zu einem großen Gelände in Abbottabad, Pakistan. In der Nacht zum 2. Mai 2011 stürmen Navy Seals das Gelände und töten dort, im dritten Stock, Amerikas Staatsfeind Nummer eins. Es ist ein großer Tag für die USA.

Heftige Debatte über Sinn und Erfolg von Folter

Der Film "Zero Dark Thirty" der amerikanischen Regisseurin Kathryn Bigelow, der am 31. Januar in die deutschen Kinos kommt, ist ein spannendes Dokudrama, das den Anspruch erhebt, die Jagd auf Osama bin Laden relativ nah an der Wahrheit zu erzählen. Gerade deshalb ist in den USA eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob der Film suggeriere, die grausamen Foltermethoden unter Präsident George W. Bush hätten zum Auffinden von Osama bin Laden geführt, und ob diese Suggestion der Wahrheit entspreche.

Der stern hat die Jagd auf bin Laden rekonstruiert und anhand von öffentlich zugänglichen Augenzeugenberichten, in zahlreichen Hintergrundgesprächen mit führenden Mitarbeitern von CIA und Militär und anhand von Recherchen anderer Journalisten und Buchautoren herauszufinden versucht, was Fakten sind und was Fiktionen. So schließt der ehemalige FBI-Agent Ali Soufan, der die im Film genannten Gefangenen zum Teil selbst vernommen hat, kategorisch aus, dass die Foltermethoden wertvolle Erkenntnisse gebracht hätten: "Ich wiederhole es gern für alle: Die Hinweise, die zu bin Laden führten, waren kein Ergebnis von Waterboarding oder anderer Foltermethoden."

Keine Erkenntnisse durch Folterandrohung

Auch der ehemalige CNN-Journalist und Autor des Buches "Die Jagd auf Osama bin Laden", Peter L. Bergen, sagte im Interview mit dem stern, dass Verhöre unter Gewaltandrohung keine neuen Erkenntnisse für die Suche nach bin Laden erbracht hätten. Bergen verweist auf die dreijährige Untersuchung des Komitees für Nachrichtendienste im US-Senat, deren Ergebnis eindeutig gewesen sei: Es gebe keinen Zusammenhang zwischen Folter und dem Auffinden bin Ladens

Lesen Sie ganze Rekonstruktion ...

Lesen Sie ganze Rekonstruktion ... ... der Jagd auf bin Laden im neuen stern.


Ausschnitte des Videointerviews mit Peter L. Bergen sind im stern-eMagazine sehen – kostenpflichtig, beziehungsweise für nur für eMag-Abonnenten.

 
 
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