Startseite

Moskauer Polizei nimmt Demonstrantinnen fest

Vor einem Jahr forderten drei Frauen in bunten Skimasken den russischen Staatsapparat heraus. Zwei der Sängerinnen sind noch inhaftiert. Um daran zu erinnern riskierten zwei Frauen in Moskau viel.

  Bunte Skimaske und erhobene Faust: Der Prozess um die Punkband Pussy Riot wurde international zu einem politischen Debakel für Russland

Bunte Skimaske und erhobene Faust: Der Prozess um die Punkband Pussy Riot wurde international zu einem politischen Debakel für Russland

Weil sie den Jahrestag des "Punkgebets" der Band Pussy Riot begehen wollten, sind zwei Frauen am Donnerstag in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale festgenommen worden. Sie hätten Strumpfmasken getragen und Blumen niederlegen wollen, sagte eine der Frauen dem Online-Portal Gazeta.ru. Bandmitglied Jekaterina Samuzewitsch äußerte sich derweil besorgt, dass es einen neuen Prozess gegen die Aktivistinnen geben könne.

Bei den beiden Festgenommen handelt es sich um zwei Dozentinnen der Universität Moskau, Irina Kazuba und Jelena Wolkowa. Kazuba schilderte auf Gazeta.ru den Moment der Festnahme: Die Polizei habe zunächst nach den Gründen für ihre Aktion gefragt. Sie habe erklärt: "Wir feiern den Jahrestag eines Ereignisses, das unser Land verändert hat." Die Polizisten hätten geantwortet, dass sich das Land nur in ihrer Vorstellung verändert habe, was in der Psychiatrie "geheilt" werden könne.

Die beiden Frauen wurden anschließend auf ein Polizeirevier gebracht, das sie am Nachmittag jedoch bereits wieder verlassen konnten, wie Wolkowa, die selbst Anwältin ist, über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

Nicht nur in Russland wurde an den Jahrestag erinnert. Vor der russischen Botschaft in Washington, DC. forderten mehrere Frauen in den typischen bunten Skimasken die Freilassung der inhaftierten Musikerinnen.

Putins Schachzug und das politische Interesse der Orthodoxen Kirche

Die Pussy-Riot-Sängerinnen waren am 21. Februar 2012 in der Moskauer Kathedrale zum Altar gestürmt und hatten vor entgeisterten Gläubigen ein "Punkgebet" vorgetragen. Mit ihrem Auftritt protestierten sie kurz vor der Präsidentenwahl gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin und kritisierten dessen Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche.

Monate zuvor wurden in Russland Gesetze geändert, welche die Regierungszeit des Präsidenten von vier auf sechs Jahre ausweiteten und es zudem möglich machten, dass mehr als zwei Reigerungszeiten möglich sind. Putin war von 2000 bis 2008 erstmals Präsident. Nach der alten Gesetzgebung hätte er danach eine maximale Regierungzeit erreicht und hätte nie wieder antreten dürfen.

  Vor einem Jahr gehörte Jekaterina Samuzewitsch zu den drei Frauen, die in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gegen die Verquickung von der russisch-orthodoxen Kirche und dem Staatsapparat demonstrierten

Vor einem Jahr gehörte Jekaterina Samuzewitsch zu den drei Frauen, die in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gegen die Verquickung von der russisch-orthodoxen Kirche und dem Staatsapparat demonstrierten

Der Fall Samuzewitsch

Drei der regierungskritischen Aktivistinnen wurden im August zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Ein Berufungsgericht wandelte die Haft gegen eine von ihnen, die 30-jährige Samuzewitsch, später in eine Bewährungsstrafe um.

Samuzewitsch wies auf heute.de Vorwürfe zurück, mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet zu haben. "Das ist vollkommener Blödsinn und eine Lüge", sagte sie in dem Interview. "Es ist absurd zu behaupten, dass ich irgendwelche Abmachungen getroffen habe oder im Auftrag von oben Pussy Riot schaden will." Drei ehemalige Anwälte der Band werfen Samuzewitsch vor, mit der Justiz und dem Kreml eine Absprache getroffen zu haben, um eine Bewährungsstrafe zu bekommen.

Den Ex-Anwälten hielt Samuzewitsch vor, dass sie "mit dem Ziel handeln, Pussy Riot kaputt zu machen". Zuvor hatte sie eine neue Anwältin eingesetzt, Irina Chrunowa. Nach dem Verbot mehrerer Internet-Videos fürchtet die Aktivistin nach eigenen Angaben eine neue Anklage. Es könne sein, "dass langfristig ein neuer Prozess wegen Extremismus gegen uns vorbereitet wird - und die als extremistisch eingestuften Videos als Grundlage der Anklage dienen sollen", sagte sie heute.de.

ono/AFP/AFP

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools