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28. Dezember 2009, 15:34 Uhr

Die neue Front im Anti-Terror-Krieg

Spätestens seit dem vereitelten Flugzeuganschlag von Detroit ist die Terrorangst zurück in der westlichen Welt. Geplant wurde die Tat offenbar von der al Kaida im Jemen, die seit ihrer Zerschlagung im Jahr 2003 längst wieder erstarkt ist.

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Brennpunkt Jemen: In dem ostafrikanischem Land ist der al-Kaida-Ableger zu neuer Stärke gereift© Khaled Fazaa/AFP

Die Spuren des vereitelten Anschlags auf einen voll besetzten US-Passagierjet scheinen in den Jemen zu führen. Zumindest behauptete der verhinderte Attentäter, der 23-jährige Umar Faruk Abdulmutallab, in ersten Vernehmungen, dass ihn die al Kaida im Jemen ausgebildet und mit dem Sprengsatz für die spektakuläre Tat am ersten Weihnachtstag ausgerüstet habe. Das Armenhaus der arabischen Welt gerät plötzlich in den Brennpunkt der internationalen medialen Aufmerksamkeit. Hier reift möglicherweise eine neue Front im "Krieg gegen den Terror" heran.

Tatsächlich bietet der Jemen mit seinen unzugänglichen Gebirgen und Steinwüsten, mit seinen Stämmen und Clans, die archaischen Ehrengesetzen gehorchen, ein ideales Terrain für Terrorcamps weit ab vom Schuss. Korrupte und von Islamisten unterwanderte Behörden kontrollieren kaum mehr als die Hauptstadt Sanaa. Sie sind mit der bewaffneten Revolte der schiitischen Houthi-Rebellen im Nordwesten des Landes und mit einer anschwellenden Sezessionsbewegung im vormals sozialistischen Süden ohnehin überfordert. Hinzu kommen die zur Neige gehenden Öl- und Wasservorräte, die eklatante Armut und das weitgehende Fehlen jeglicher moderner Infrastruktur.

Nasser al-Wahaischi neuer Terrorführer

Der Vater von Osama bin Laden war aus dem jemenitischen Hadramaut ausgezogen und hatte es im benachbarten ölreichen Saudi-Arabien als Bauunternehmer zum Milliardär gebracht. Der Gründer des Terrornetzwerkes al Kaida nutzte den Jemen schon in den 90er-Jahren als Rückzugsgebiet, viele seiner Kämpfer stammten von dort. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begann der jemenitische Langzeit-Präsident Ali Abdullah Salih, mit den Amerikanern im Anti-Terror-Kampf zu kooperieren. Um 2003 war der jemenitische al-Kaida-Ableger so gut wie zerschlagen.

Doch dieser Organisation wachsen die abgeschlagenen Köpfe offensichtlich nach wie der antiken Hydra, wenn die Grundprobleme ungelöst bleiben: Armut, Ungerechtigkeit, Korruption. Im Februar 2006 gelang 23 Häftlingen im Hochsicherheitsgefängnis von Sanaa die aufsehenerregende Flucht. Unter den Top-Terroristen, die damals entkamen, war jener Nasser al-Wahaischi, der heute die al Kaida auf der Arabischen Halbinsel anführt. Diese entstand im Januar aus der Vereinigung der jemenitischen mit der saudischen al Kaida.

Al-Wahaischi soll nach Ansicht von Experten auch heute noch mit Osama bin Laden in Kontakt stehen. Früher war er dessen Sekretär in Afghanistan und kämpfte in jener denkwürdigen Schlacht um die Bergfestung Tora Bora in Afghanistan an seiner Seite, bei der Bin Laden den US-Truppen entwischte. Im Jemen fand auch der fanatische US-stämmige Prediger Anwar al-Awlaki eine Zuflucht. Er soll mit dem US-Major Nidal Malik Hasan einen regen E-Mail-Verkehr gehabt haben, der im November in der texanischen Militärbasis Fort Hood 13 Soldaten erschoss. Auch mit Abdulmutallab soll al-Awlaki kommuniziert haben.

"Zweite Inkarnation der al Kaida im Jemen"

Von einer "zweiten Inkarnation der al Kaida im Jemen" spricht der amerikanische Landeskenner Gregory Johnsen. Al-Wahaischi habe nach seiner Gefängnisflucht eine "ziemlich kräftige Organisation" aufgebaut, meint er. Anderen Experten zufolge hat diese neue al Kaida rund 100 innere Kader, die meisten zwischen 20 und 40 Jahre alt. Sie kann sich auf zahllose Sympathisanten und die im abgelegenen Hinterland der Südprovinzen üblichen Stammesloyalitäten stützen.

Am 17. und 24. Dezember bombardierte das jemenitische Militär vermutete al-Kaida-Stellungen und will dabei über 60 Terroristen getötet haben. Das Regime wagt es nicht zuzugeben, doch das US-Militär könnte dabei mehr als bloß eine helfende Hand gereicht haben. Oder wie es der US-Senator Joseph Lieberman am Sonntag im TV-Sender Fox ausdrückte: "Wir haben eine wachsende Präsenz da, und müssen sie haben: Sonderoperationen, Grüne Barette, Geheimdienste."

Die "New York Times" berichtete am Montag, die USA hätten bereits in aller Stille eine verdeckte Operation gegen al Kaida im Jemen eröffnet. Unter anderem seien schon seit etwa einem Jahr einige der besten im Anti-Terror-Kampf geschulten CIA-Agenten in dem Land, zum anderen hätten Spezialkommandos mit der Schulung jemenitischer Sicherheitskräfte begonnen. Zudem habe das Pentagon seine Militärhilfe massiv aufgestockt.

Gregor Mayer, DPA
 
 
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