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28. Dezember 2005, 14:10 Uhr

Ex-Staatssekretär Chrobog und Familie entführt

Im Jemen wurde der ehemalige deutsche Staatssekretär Jürgen Chrobog, seine Familie und deren Fahrer entführt. Die Geiselnehmer wollen einen Angehörigen ihres Stammes freipressen. Der Tourmanager von Chrobogs Reisegruppe sagte, die Entführung sei "friedlich" verlaufen.

Im Jemen stehen Entführungen auf der Tagesordnung.© Khaled Fazaa/AFP

Im Jemen wurde der ehemalige deutsche Staatssekretär Jürgen Chrobog, seine Frau, die gemeinsamen drei Söhne und ihr einheimischer Fahrer entführt. Die Geiselnehmer gehören zu einem jemenitischen Stamm. Sie hätten die Familie aus einem Restaurant zwischen der Hafenstadt Aden und der Provinzhauptstadt Schabwa verschleppt, berichteten die Behörden. Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin bildete einen Krisenstab. AA-Sprecher Martin Jäger sagte: "Wir werden alle Anstrengungen daran setzen, die Familie so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen."

Die Familie bereiste das Land seit dem 24. Dezember mit einer größeren Gruppe von Touristen. Bei der fraglichen Tour waren die Reisenden jedoch auf verschiedene einzelne Fahrzeuge aufgeteilt. Mohammed Abdulkarim, der Tourmanager des Reiseveranstalters ATG, mit dem Chrobog unterwegs war, sagte gegenüber tagesschau.de, bei der Entführung sei keine Gewalt angewendet geworden. Die Sache sei "friedlich" verlaufen. Der Familie gehe es gut. Chrobog, 65, war von 1995 bis 2001 deutscher Botschafter in den USA und arbeitet derzeit als Vorsitzender der BMW-Stiftung "Herbert Quandt". Vor zweieinhalb Jahren hatte er selbst dafür gesorgt, dass die in der Sahara verschleppten Deutschen freikamen.

Aufenthaltsort bekannt

Wie das jemenitische Innenministerium mitteilte, kennt die Polizei inzwischen den Aufenthaltsort der gekidnappten Touristen. Sicherheitskräfte hätten das Gebiet abgeriegelt. Die Entführer wollten einen Angehörigen ihres Stammes freipressen, der in der Hafenstadt Aden im Gefängnis sitzt.

Das Auswärtige Amt - für das Chrobog seit 1972 gearbeitet hat - rät Reisenden schon seit langem, im Jemen besonders vorsichtig zu sein. In diesem Jahr wurden bereits vier Mal Touristen entführt. Vergangene Woche wurden zwei Österreicher verschleppt und wieder freigelassen. Die meisten Entführungen im Jemen enden unblutig.

© stern.de

Nur wenige bereisen den Jemen

Die Familie Chrobog war offenbar auf Einladung des jemenitischen Außenministeriums im Land. Nach Angaben der Reiseveranstalter Studiosus und Dr. Tigges Gebeco fahren pro Jahr nur einige hundert Deutsche in den Jemen. Wegen der Sicherheitslage hatte Studiosus entsprechende Reisen lange Zeit nicht angeboten und erst im Oktober dieses Jahres erneut ins Programm genommen. Beide Veranstalter wollen nun prüfen, ob sie Konsequenzen aus den neuen Fällen ziehen werden.

Reuters/DPA/AP
 
 
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