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Warum Jerusalem kurz vor der dritten Intifada steht

Der letzte Krieg schwelt noch nach, da droht schon der nächste. Nach Gaza steht die Situation in der Westbank kurz vor der Explosion. Die Lunte glimmt wieder am Tempelberg.

Von Sophie Albers Ben Chamo

  Die israelische Polizei geht gegen jüdische Fanatiker vor, die auf den Tempelberg wollen.

Die israelische Polizei geht gegen jüdische Fanatiker vor, die auf den Tempelberg wollen.

Die Waffenruhe nach dem letzten Gazakrieg ist gerade mal zwei Monate alt, da droht im Westjordanland die nächste Intifada. Das Pulverfass steht - wie schon beim zweiten Palästinenser-Aufstand im Jahr 2000 - in Ost-Jerusalem auf dem Tempelberg, dem Heiligtum der Juden und der Muslime.

Nach einem Mordanschlag auf den jüdischen Extremisten Jehuda Glick (der den Tempelberg für die Juden "zurückerobern" will) am Mittwoch in Jerusalem und der anschließenden Tötung des mutmaßlichen Attentäters Muataz Hijazi durch die israelische Polizei am frühen Donnerstag, wurde der Tempelberg, wo täglich Tausende Muslime in Felsendom und Al-Aksa-Moschee beten, für alle Muslime gesperrt. Für Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas eine "Kriegserklärung" an das palästinensische Volk. Am Freitagmorgen wurde der Zugang zum heiligen Hügel wieder geöffnet, allerdings nicht für männliche Muslime unter 50 Jahren. Die israelische Polizei und Grenzpolizei stehen mit großem Aufgebot bereit, weil es Aufrufe zu Massenprotesten gegeben haben soll.

Netanjahus Ziel

Jerusalem ist seit Monaten in Aufruhr und scheint in einer Abfolge von Racheakten gefangen, nachdem jüdische Extremisten Anfang Juli einen palästinensischen Jungen getötet haben - angeblich als Rache für den Mord an drei israelischen Studenten in der Westbank. In der vergangenen Woche tötete ein Palästinenser eine Frau und ein Baby, als er in Jerusalem mit dem Auto in eine Tramhaltestelle fuhr. Die israelischen Ordnungskräfte haben wiederholt heftige Razzien durchgeführt und Hunderte Palästinenser verhaftet. In Jerusalem kam es immer wieder zu kleineren und größeren Unruhen.

Währenddessen baut die Regierung Netanjahu weiter illegale Siedlungen in der Westbank, um politische Fakten zu schaffen. Im Hebräischen gibt es für seine Vorgehensweise sogar ein Wort: uvdot bashetach, Faktenschaffen. Sind Familien, Häuser und Schulen erst da, ist die Verhandlungsgrundlage eine ganze andere.

Denn auch wenn Premier Netanjahu sagt, dass er die Flammen in Jerusalem "eindämmen" wolle, schiebt er die Schuld an den Unruhen allein den Palästinensern und "radikalen islamischen Elemementen" in die Schuhe. Die Erklärung dafür ist sein politisches Ziel: Abbas' Palästienser-Behörde handlungsunfähig zu machen. Nur so kann er verhindern, dass es zu einer Zwei-Staaten-Lösung kommt. Dass Schweden soeben Palästina als eigenständigen Staat anerkannt hat, dürfte seinen Ehrgeiz nur befeuern.

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