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"Israel hat 150 Atomwaffen"

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter schätzt, dass Israel über 150 Atomwaffen verfügt. Die öffentlich geäußerte Vermutung gilt als überraschend. Bislang hatten sowohl die USA als auch Israel höchstens angedeutet, dass das Land über nukleare Sprengköpfe verfügt.

Israel besitzt nach Einschätzung des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter 150 Atomwaffen. Carter habe dies jetzt in einer Rede auf einer Messe für politische Bücher in der walisischen Ortschaft Hay-on-Wye erklärt, berichtet die Londoner "Times". Die Äußerung verblüfft, da US-Politiker normalerweise in der Öffentlichkeit ebensowenig wie Israel selbst zugeben würden, dass der US-Partner im Nahen Osten über Atomwaffen verfügt.

In der Vergangenheit wurde der Besitz von Nuklearwaffen aber immer wieder angedeutet, Ende 2006 sogar von Israel selbst. Damals hatte Regierungschef Ehud Olmert angesichts des iranischen Atomprogramms gesagt: "Israel ist eine Demokratie. Israel bedroht in keiner Weise ein anderes Land. Iran hat offen, öffentlich und ausdrücklich damit gedroht, Israel von der Landkarte ausradieren zu wollen. Kann man sagen, dies ist das gleiche Niveau, wenn sie (die Iraner) nach Atomwaffen streben, wie Amerika, Frankreich, Israel, Russland?" Diese Äußerung wurde als Eingeständnis verstanden, dass der Judenstaat über atomare Sprengköpfe verfügt.

Nur wenige Wochen später veröffentlichte die britische Sonntagszeitung "Sunday Times" einen angeblichen Geheimplan, nach dem die israelische Luftwaffe sich auf einen Nuklearangriff auf iranische Atomanlagen vorbereite. Nach Informationen des Blattes sei das Vorhaben von der israelischen Luftwaffe geübt worden. Damals brachte Ehud Olmert - wohl mit Absicht - das Thema der nuklearen Bewaffnung auf. "Vieles deutet darauf hin, dass wir vor einem Konflikt stehen, in dem die Anwendung von Gewalt nicht auszuschließen ist, und auch nicht der Einsatz von Atomwaffen", so Olmert Anfang 2007.

Carter habe sich in der Rede auch dafür ausgesprochen, dass die USA direkte Verhandlungen mit der Regierung des Iran aufnehmen, um sie vom Streben nach Nuklearwaffen abzubringen. Man könne von Teheran allerdings nicht erwarten, dass es die Existenz eines Programms zur Erlangung von Atomwaffen öffentlich zugibt.

EU hat im Nahen Osten versagt

Auf der gleichen Veranstaltung äußerte sich Carter auch zum Konflikt im Nahen Osten. Er bezeichnete die Blockade des Gaza-Streifens als "eines der größten derzeit auf der Erde existierenden Menschenrechtsverbrechen. Es gibt keinen Grund, dieses Volk so zu behandeln", sagte der 83-jährige Friedensnobelpreisträger. Gleichzeitig warf Carter der Europäischen Union vor, im Nahen Osten versagt zu haben. Die EU solle die Bildung einer Einheitsregierung mit der Hamas und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas unterstützen und die radikalislamische Organisation zu einem Waffenstillstand ermutigen.

Carter, der von 1977 bis 1981 als US-Präsident amtierte, war einer der Architekten des historischen Friedensabkommens zwischen Israel und Ägypten 1979. Es war der erste derartige Vertrag zwischen dem jüdischen Staat und einem arabischen Land. Anfang Mai traf sich Carter im syrischen Damaskus mit dem im Exil lebenden Hamas-Chef Chaled Meschaal. Die USA und die EU betrachten die Hamas als terroristische Organisation und weigern sich bislang, mit ihr zu sprechen.

DPA/AFP/DPA
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