Fast fünf Jahre hat "Titanic"-Regisseur James Cameron am teuersten Film aller Zeiten gearbeitet. Nun ist "Avatar" fertig und soll das Kino revolutionieren. Gelingt ihm das? Von Sophie Albers

Mit den Augen von James Cameron: "Avatar - Aufbruch nach Pandora"© Jas Lehal/Reuters
Nach zwölf Jahren ist Kino-Megalomane James Cameron zurück. "Avatar - Der Aufbruch nach Pandora" ist sein erster Kinofilm seit "Titanic". Noch größer, noch aufwändiger und so teuer wie kein Film zuvor ist die Geschichte über das Leben auf einem fremden Planeten. Und sie wird es schwer haben, den Erwartungen, die der seit Monaten anhaltende Hype hat wachsen lassen, gerecht zu werden.
Erfolg und Misserfolg dieses Films liegen vor allem in den Augen. Während Regisseur James Cameron mit braunem Blick lacht, weil der teuerste Film der Welt endlich fertig ist, und die grauen Augen von Hauptdarsteller Sam Worthington blitzen, weil er gerne Helden spielt, sind es die gelben Katzenaugen der Na'vi, die das Kinovolk Staunen machen. "Es ging nicht um die andere Welt, sondern um die Nahaufnahmen", sagt Produzent Jon Landau. "Darum, dass das Publikum den Charakteren in die Augen sieht und die Seele erkennt." Dieser Blick in die Seele soll den Machern von "Avatar" bis zu 500 Millionen Dollar wert gewesen sein. Aber hat sich das auch gelohnt?
Fragt man James Cameron oder Landau, seinen Mann fürs Geld, bekommt man von beiden nur ein Lächeln als Antwort. Von Cameron, weil es ihm egal zu sein scheint, wie seine Visionen verwirklicht werden, Hauptsache es passiert. Und von Landau, weil er ein passionierter Pokerspieler ist. Er hat schon vor zwölf Jahren das Finanzchaos von "Titanic" überlebt, Camerons Film vor "Avatar", der mit 200 Millionen Dollar als in Geld ersäufter Großenwahn belächelt wurde, bis er an der Kinokasse einschlug und mit fast zwei Milliarden Einspielergebnis zum erfolgreichsten Film aller Zeiten wurde. Dazu gab es elf Oscars und einen James Cameron, der "Ich bin der König der Welt" ins Mikrofon brüllte.
Immerhin, der Technik-Oscar scheint "Avatar" im kommenden März sicher. Nachdem Cameron ein erstes Drehbuch schon 1995, vor den "Titanic"-Dreharbeiten, geschrieben hatte, wartete er bis 2005 mit der Umsetzung, weil ihm die Technik nicht weit genug war. Zwar wurden die Kameras seinen Anforderungen immer noch nicht gerecht, aber dann setzte er sich eben mit Sony zusammen, um eine Kamera nach seinen Wünschen zu entwickeln. Herausgekommen ist Camerons "Methode zum Gefühle-Einfangen", besagte Nahaufnahmen der digital erzeugten Augen in 3D. Dazu kamen Computer-Programme, die künstliche Welten so real aussehen lassen wie nie zuvor.
Und wirklich: "Avatar" ist eine visuelle Reise, die das Publikum zu Kindern mit aufgerissenen Augen und Mündern macht. Das ist übrigens auch der Augenblick, in dem einem dank der neuen 3D-Technik überhaupt erst auffällt, dass man eine Brille trägt: fluoreszierende Waldböden, Luftgefechte zwischen fliegenden Bergen, Muskelspiel unter glitzernder Haut und Blicke so intensiv, dass man vergisst, dass der blaue Riese nach einer Szene nicht einfach vom Set geht. "Die absolute Wahrheit in einer imaginären Welt", nennt Cameron diese Erfüllung des ersten Kinogebots, zu zeigen, was noch niemand gesehen hat. Wie bei "Titanic" sind die Bilder schlicht überwältigend, nur dass sie diesmal sogar noch aus einer Welt stammen, die erst erschaffen werden musste. "Ein ganzer verdammter Planet aus dem Nichts", sagt Hauptdarsteller Worthington mit kernigem Blick.