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Jüdischer Friedhof in Philadelphia geschändet - Muslime eilen zu Hilfe

Erneute Attacke auf einen jüdischen Friedhof in den USA: In Philadelphia haben Unbekannte offenbar mehrere hundert Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Amerikanische Muslime baten umgehend ihre Hilfe an.

Die Angriffe auf jüdische Einrichtungen in den USA reißen nicht ab: Unbekannte haben auf einem jüdischen Friedhof in im US-Bundesstaat Pennsylvania hunderte Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Wie örtliche Medien berichteten, wurden manche der zum Teil mehr als hundert Jahre alten Grabsteine auf dem Mount-Carmel-Friedhof in zwei Teile zerschlagen. Laut dem TV-Sender WPVI zählte ein Gemeindemitglied über 500 geschändete Gräber, darunter auch einige Grabstätten von Quäkern und Muslimen. Die Polizei in der US-Ostküstenstadt sprach zunächst von 75 bis 100 umgestoßenen Grabsteinen, dass sei jedoch eine vorsichtige Schätzung und die Zahl könne noch steigen, hieß es.

"Das ist keine zufällige Tat"

Ein Friedhofsbesucher hatte die Polizei am Sonntagmorgen über die Zerstörung vieler Grabsteine am Mount Carmel Friedhof informiert. Über die Hintergründe der Tat liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die Polizei geht davon aus, dass der Friedhof in der Nacht von Samstag auf Sonntag geschändet wurde.

"Das ist keine zufällige Tat", sagte Rabbi Shawn Zevit. Um viele umzuwerfen, brauche es Absicht und ein gemeinsames Vorgehen mehrerer Täter. Mehrere Organisationen, darunter die Anti-Defamation League, die sich gegen Antisemitismus einsetzt, versprachen eine Belohnung von insgesamt 13.000 Dollar für Hinweise auf die Täter.

Ruf nach TV-Ansprache von Donald Trump

Das Anne-Frank-Zentrum appellierte via Twitter an US-Präsident Donald Trump: "Stopp diesen Brutkasten des Antisemitismus und anderen Hasses. Wir flehen dich an ". Das Zentrum forderte den Präsidenten auf, in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache aus dem Oval Office mitzuteilen, wie er Antisemitismus, Islamophobie und andere zunehmende Formen von Hass bekämpfen wolle.

Erst vor knapp einer Woche war ein jüdischer in St. Louis im Bundesstaat Missouri geschändet worden. Dort hatten Unbekannte über 150 Grabsteine beschädigt. Außerdem gab es anonyme Bombendrohungen gegen mehrere Zentren der jüdischen Organisation JCC. Trump hatte die Vorfälle nach Aufforderungen von mehreren Seiten verurteilt. Sein Vizepräsident Mike Pence beteiligte sich an den Aufräumarbeiten in St. Louis.

Muslime helfen jüdischem Friedhof

Zwei muslimische Aktivisten hatten nach den Grabschändungen in St. Louis eine Spendensammelaktion gestartet, um die Schäden zu reparieren, wie die "Washington Post" berichtet. Dabei seien innerhalb von einer Woche mehr als 130.000 US-Dollar zusammengekommen. Nun hätten die Organisatoren der Aktion dem Mount-Carmel-Friedhof Teile der Spenden zu Unterstützung angeboten. Die muslimische Vereinigung Ahmadiyya Muslim Community USA verurteilte den Vandalismus in Philadelphia und sicherte den jüdischen Amerikanern ihre Solidarität zu. Zudem erschien einem Tweet zufolge am Sonntag eine Gruppe von Muslimen auf dem Mount-Carmel-Friedhof und half bei den Aufräumarbeiten.

Gouverneur Tom Wolf nannte die Tat in Philadelphia einen "feigen, beunruhigenden Akt". Die Verantwortlichen müssten gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden, twitterte Wolf. Der Bürgermeister der Stadt, Jim Kenney, versprach, alles in seiner Macht Stehende für die Ergreifung und Bestrafung der Täter zu tun. "Das ist kriminell, das ist schon mehr als Vandalismus", sagte der Polizist Shawn Thrush dem "Inquirer". "Es ist unfassbar." Das israelische Außenministerium verurteilte ebenfalls die Tat.


mad, AFP/DPA

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