Pakistanische Terroristen bekennen sich zu Attentat

6. Dezember 2011, 16:55 Uhr

Pakistanische Extremisten haben sich zu dem Selbstmordanschlag im Zentrum Kabuls bekannt. Rund 60 Menschen kamen bei dem Attentat ums Leben. Eine weitere Explosion ereignete sich in Masar-i-Scharif, dort starben mindestens vier Menschen.

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Eine pakistanische Terrororganisation hat sich zu dem Bombenanschlag auf schiitische Gläubige in der afghanischen Hauptstadt Kabul bekannt. Das teilte ein Sprecher der Organisation Lashkar e-Jhangvi al-Alami am Dienstag mit. Die Terrorgruppe wurde in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge auf Schiiten in Pakistan verantwortlich gemacht. Übergriffe auf das Nachbarland Afghanistan waren bislang nicht bekannt.

Bei zwei Anschlägen auf Schiiten in Afghanistan sind am Dienstag mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. In Kabul sprengte sich nach Polizeiangaben ein Selbstmordattentäter vor einem wichtigen schiitischen Heiligtum in die Luft. Mindestens 60 Menschen kamen um, mehr als 150 wurden verletzt. Es war einer der verheerendsten Anschläge auf Zivilisten in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban vor zehn Jahren. Bei einem weiteren Anschlag in Masar-i-Scharif im Norden des Landes wurden nach Polizeiangaben mindestens vier Menschen getötet und 17 weitere verletzt.

In der afghanischen Hauptstadt zündete ein Selbstmordattentäter seinen Sprengsatz nach Polizeianhaben am Eingang des Abu-ul-Fasil-Schreins, wo sich zahlreiche Gläubige anlässlich des schiitischen Aschura-Festes versammelt hatten. Unter den Opfern befanden sich Kinder und Frauen, teilte die Polizei mit. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, soll der Attentäter zusammen mit einer Gruppe von schiitischen Pilgern aus der Provinz Logar südlich von Kabul in die Hauptstadt gekommen sein.

Karsai und Merkel verurteilen die Attentate

Kurz nach dem Anschlag in Kabul explodierte in der Nähe der wichtigsten Moschee im nordafghanischen Masar-i-Scharif eine auf einem Fahrrad befestigte Bombe. In Masar-i-Scharif befindet sich auch ein Feldlager der Bundeswehr. Auch in Kandahar im Süden gab es einen Bombenanschlag. Offiziellen Angaben zufolge wurden drei Zivilisten verletzt.

Bei einem Besuch in Berlin verurteilte der afghanische Präsident Hamid Karsai den Anschlag als "Terrorismus in abscheulicher Gestalt". Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, die Tat zeige, dass weiter harte Arbeit nötig sei, um die Sicherheit in Afghanistan zu gewährleisten. Deshalb unterstütze Deutschland das Land nicht nur wirtschaftlich, sondern auch bei dem innerstaatlichen Versöhnungsprozess. Die Gewalt eskalierte einen Tag nach der internationalen Konferenz in Bonn, auf der die internationale Gemeinschaft dem Land auch nach dem Abzug der ausländischen Kampftruppen Ende 2014 Unterstützung zusicherte.

Taliban bestreiten Verantwortung für Anschläge

Die radikal-islamischen Taliban stritten jede Verantwortung für beide Terroranschläge ab. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid verurteilte die Angriffe in einer Erklärung als "unmenschlich und unislamisch". Die Aufständischen würden es nicht zulassen, dass die Sicherheit der Afghanen im Namen von Religion oder Stammeszugehörigkeit gefährdet werde. In Afghanistan sind die Schiiten mit etwa 20 Prozent in der Minderheit. Während der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 durften sie das Aschura-Fest nicht feiern.

Mit den Aschura-Prozessionen, bei denen sich die Gläubigen als Zeichen der Trauer öffentlich geißeln, erinnern die schiitischen Muslime an den Tod des Enkels des Propheten Mohammed, Imam Hussein. Das zehn Tage dauernde Aschura-Fest ist eines der wichtigsten Feste der schiitischen Muslime, sein Höhepunkt an diesem Dienstag ist in Afghanistan ein Feiertag.

mlr/Reuters/DPA/AFP
 
 
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