1. August 2012, 19:20 Uhr

Assad ruft zur Schicksalsschlacht auf

Die Situation in Aleppo eskaliert. Laut UN-Beobachtern lässt Assad Bomben auf die Stadt hageln. Doch auch die Rebellen rüsten auf. Für Entsetzen sorgt ein Video, das eine Soldaten-Hinrichtung zeigt.

Syrien, Aleppo, Krieg, Angriff, Regimegegner, Armee

Kämpfer der Freien Syrischen Armee haben eine Polizeistation eigenommen und präsentieren blutbeschmierte Gefangene©

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat den Kampf gegen die Rebellen zur Schicksalsfrage ausgerufen. "Das Schicksal unseres Volkes und unserer Nation - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - hängt von dieser Schlacht ab", erklärte Assad am Mittwoch im Armee-Magazin nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana. Darin pries er die Kampfbereitschaft seiner Soldaten gegen die Aufständischen, die er als "kriminelle Terroristenbanden" bezeichnete.

Wo sich Assad aufhält und wann er sich äußerte, war unklar. Zwei Wochen lang hat sich der Präsident nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt, seit bei einem Anschlag in der Hauptstadt Damaskus vier Mitglieder seines Machtzirkels getötet wurden.

Bomben auf Aleppo

In Aleppo, das zum wichtigsten Schauplatz des Bürgerkriegs geworden ist, haben die Kämpfe derweil an Intensität noch einmal zugenommen. Soldaten und Rebellen kämpfen erbittert um die Kontrolle über die Millionenstadt. Dabei lässt lässt Assad die Metropole von Kampfjets aus der Luft bombardieren. UN-Beobachter hätten das mit eigenen Augen gesehen, sagte eine Sprecherin der Mission am Mittwoch in Damaskus. Auch die Aufständischen rüsteten weiter auf und hätten inzwischen sogar Panzer.

Die Herkunft der schweren Waffen in Rebellenhand war zunächst unklar. Die Freie Syrische Armee (FSA) wird von den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien unterstützt. Es ist aber auch zu vermuten, dass die Aufständischen bei ihren jüngsten Eroberungen selbst Waffen erbeutet haben. Auch das Regime mache "intensiven Gebrauch" von schweren Waffen, darunter Helikopter, Panzer, Artillerie und schwere Maschinengewehre, berichtete die Sprecherin der Beobachtermission.

Video zeigt angeblich Hinrichtungen von Assad-Getreuen

Seit dem Bombenanschlag in Damaskus am 18. Juli, der Assads Führung ins Mark getroffen hat, sind die Kämpfe immer blutiger geworden. Internet-Videos aus Aleppo zeigten, wie Rebellen Gefangene töteten - so wie dies auch Assads Truppen in Damaskus vorgeworfen wird. Ein Film zeigte vier Männer, die offenbar der gefürchteten Assad-treuen Schabbiha-Miliz angehörten. Rebellen führten sie eine Treppe hinunter und stellten sie vor eine Wand. Sie legten an und schossen. Schaulustige riefen: "Gott ist groß."

In der Stadt Asas nördlich von Aleppo berichtete ein Aufständischer namens Ahmed mit einem Lachen, dass seine Kämpfer einen gefangenengenommenen Scharfschützen erschossen hätten. "Wir haben ihn direkt zu seinem Grab geführt, und nachdem wir die Aussagen der Zeugen gehört haben, haben wir ihn erschossen", berichtete er. "Die Zeit für Anwälte ist lange vorbei."

Die Aufständischen kontrollieren nach eigener Darstellung einen weiten Bogen, der Viertel im Osten und Südwesten der Wirtschaftsmetropole umfasst. In den vergangenen Tagen konzentrierten sich die Gefechte auf den südwestlichen Stadtteil Salaheddine.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen kündigte an, angesichts der humanitären Lage in Aleppo Nahrungsmittel in die Stadt zu senden. Viele der Einwohner sitzen in umkämpften Gebieten fest. Es mangelt an Wasser, Essen und Treibstoff.

Rebellen erhalten offenbar Raketen auf dem Weg über die Türkei

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich angesichts der Berichte besorgt. "Die Aufständischen tragen in den Gebieten, die unter ihrer Kontrolle stehen, die Verantwortung dafür, dass Racheakte und Gewalt gegen Wehrlose unterbleiben", erklärte er.

Seit Tagen widerstehen die meist nur mit Sturmgewehren und Panzerfäusten ausgerüsteten Aufständischen in Aleppo dem schweren Beschuss durch Assads Armee. Einem Bericht von NBC News zufolge erhielten sie fast zwei Dutzend Boden-Luft-Raketen auf dem Weg über das Nachbarland Türkei. Von der Grenze hatte sich die syrische Armee zurückgezogen, Rebellen kontrollieren mehrere Übergänge. Die schweren Waffen könnten eine Wendung zugunsten der Aufständischen bringen, wenn es ihnen damit gelingt, Hubschrauber und Kampfflugzeuge der Armee abzuschießen.

Die türkische Führung, die sich zunehmend sorgt, dass die Kämpfe auf ihr Staatsgebiet übergreifen könnte, ließ an der Grenze zu Syrien Panzer-Manöver abhalten. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf die Regierung der Provinz Mardin, daran hätten sich zwei Kilometer von der Grenze entfernt Soldaten mit 25 Panzern beteiligt.

kng/Reuters/DPA
 
 
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