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USA prüfen militärische Rettung der Jesiden im Irak

Neben Luftangriffen erwägen die USA laut dem Sicherheitsberater von Präsident Obama nun einen Einsatz mit Bodentruppen im Nordirak. Der britische Premier Cameron will eine internationale Mission.

  US-Sicherheitsberater Ben Rhodes (hier mit Susan Rice, ebenfalls Sicherheitsberaterin von Obama) hat bestätigt, dass die USA einen Bodentruppeneinsatz im Irak erwägen

US-Sicherheitsberater Ben Rhodes (hier mit Susan Rice, ebenfalls Sicherheitsberaterin von Obama) hat bestätigt, dass die USA einen Bodentruppeneinsatz im Irak erwägen

Die USA arbeiten Pläne für einen umfangreichen Militäreinsatz im Irak aus, um Tausende jesidische Flüchtlinge vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu retten. Im Gespräch seien ein Lufteinsatz und eine Rettungsaktion mit Bodentruppen, sagte Ben Rhodes, Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, dem Sender Fox News. Letzteres würde bedeuten, dass US-Soldaten in direkte Kampfhandlungen mit Extremisten verwickelt werden könnten. "Wir müssen herausfinden, wie wir diese Bevölkerung an einen sicheren Ort bewegen und ihnen humanitäre Hilfe bringen können", sagte Rhodes.

Der riskante Vorschlag werde aber noch entwickelt und sei noch nicht von Obama genehmigt worden, berichtete das "Wall Street Journal". Das Blatt beruft sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung.

Pentagonsprecher John Kirby bestätigte die Pläne bislang nicht. "Es ist kein Rettungseinsatz in Arbeit", sagte Kirby gegenüber CNN. Die Lage im Sindschar-Gebirge, wohin sich Zehntausende Jesiden und Christen vor IS-Extremisten geflüchtet haben, sei aber sehr komplex. Nach Informationen des "Wall Street Journal" suche man in Washington nach anderen Möglichkeiten, um den Menschen zu helfen. Die vor knapp einer Woche begonnenen Hilfslieferungen von Wasser und Lebensmitteln seien auf Dauer keine Lösung, hieß es.

Keine Luftangriffe der Bundeswehr im Irak

Auch der britische Premierminister David Cameron spricht von einem Einsatz im Nordirak. "Wir brauchen einen Plan, wie wir diese Menschen von dem Berg wegkriegen, an einen sicheren Ort", sagte Cameron nach einer Sitzung seines Sicherheitskabinetts in London. Es werde eine "internationale Mission" zur Rettung der Jesiden vorbereitet, sagte er. Großbritannien werde seinen Teil dazu beitragen, dass diese Mission ausgeführt werden kann, kündigte der Regierungschef an.

Eine Unterstützung der US-Luftangriffe im Irak durch die Bundeswehr ist für die Bundesregierung derzeit kein Thema. Das sei "im Moment nicht Gegenstand von irgendwelchen Prüfungen", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, in Berlin. Die Bundesregierung hatte zuvor angekündigt, bis an die Grenze des politisch und rechtlich Machbaren zu gehen, um den #link;http://www.stern.de/politik/ausland/is-terror-berlin-liefert-ausruestung-in-irak-8211-aber-keine-waffen-2130486.html;Kampf gegen die IS zu unterstützen.# Bisher ist neben humanitärer Hilfe die Lieferung von militärischer Ausrüstung mit Ausnahme von Waffen geplant.

Mehr als 1000 US-Soldaten vor Ort

Am Dienstag waren 130 weitere US-Soldaten in Erbil im Norden des Landes eingetroffen. Sie sollen feststellen, welche weiteren Schritte beim humanitären Einsatz zum Schutz der Jesiden unternommen werden können. Mit der Entsendung stieg die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten auf fast 1000.

Zehntausende Mitglieder der Volksgruppe der Jesiden sind vor der IS in das Sindschar-Gebirge geflohen. Dort harren sie bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius und ohne ausreichende Versorgung aus.

nck/DPA/DPA
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