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22. Juli 2008, 10:59 Uhr

"Endlich, endlich!"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic begrüßt und sie als "historischen Augenblick" bezeichnet. Auch weltweit war Erleichterung zu spüren. Besonders laut jubelte der französische Außenminister Bernard Kouchner: "Endlich, endlich"!

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist froh über die Verhaftung von Karadzic© Johannes Simon/Getty Images

Kanzlerin Angela Merkel hat die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic "außerordentlich" begrüßt. "Dies ist ein historischer Augenblick. Die Opfer dürfen wissen: Massive Menschenrechtsverletzungen bleiben nicht ungestraft", ließ Merkel in Berlin über Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilen. Die Bundesregierung hatte die Festnahme Karadzics und seine Überführung nach Den Haag immer wieder angemahnt. "Die Festnahme Karadzics ist eine gute Nachricht für den gesamten Balkan. Es ist ein wesentlicher Schritt zu Gerechtigkeit, Frieden und Aussöhnung in der Region. Präsident Tadic hat mit diesem mutigen Schritt die europäische Berufung Serbiens unterstrichen", erklärte Merkel.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Verhaftung begrüßt. "Ich glaube, das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Beziehungen zwischen Serbien und der Europäischen Union", sagte er am Dienstag am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel. "Ich bin wirklich froh", sagte der Minister. "Ich kann für die ganze Bundesregierung sagen, dass wir erleichtert sind, dass endlich nach vielen Jahren die Verhaftung von Radovan Karadzic aus Serbien gemeldet werden konnte."

Die Verhaftung zeige, dass Serbiens Präsident Boris Tadic und dessen neue Regierung "es ernst meinen mit Stabilität für Serbien, mit innerer Aussöhnung für Serbien". Der Schritt unterstreiche ebenso wie die Parlaments- und Präsidentenwahlen in Serbien, "dass die Mehrheit der Serben den Weg nach Europa wünscht". Steinmeier sagte, er hoffe auf eine rasche Überstellung an das UN-Tribunal. "Und wir hoffen natürlich, dass auf diesem Wege Serbien weiter nach Kriegsverbrechern sucht, die bisher noch in Freiheit sind."

Auch international hat die Verhaftung für Erleichterung gesorgt.

Frankreich: Serbien hat nach Ansicht von Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner mit der Verhaftung des bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic eine neue Seite in den Beziehungen zwischen Belgrad und der EU aufgeschlagen. "Wir sind alle in die Luft gesprungen: Endlich, endlich! 13 Jahre!" sagte Kouchner in Brüssel unter Bezug auf die Dauer der internationalen Fahndung nach Karadzic.

Die neue Regierung Serbiens sei "endlich eine proeuropäische Regierung, keine nationalistische Regierung", sagte Kouchner, der derzeit den Vorsitz des EU-Außenministerrates führt. "Und die Ergebnisse haben nicht auf sich warten lassen." Die Verhaftung Karadzics sei "eine klare Botschaft an alle anderen Diktatoren": "Das Recht, sich einzumischen und die Verantwortung zum Schutz bekommen ein bisschen mehr Gewicht."

USA: Die US-Regierung erklärte, den Opfern der Kriegsgräuel in Bosnien während der 90er Jahre könne am Besten gehuldigt werden, indem die Schuldigen zur Verantwortung gezogen würden. Der Zeitpunkt der Verhaftung nur wenige Tage nach der Gedenkfeier für die mehr als 7000 Opfer des Massakers in Srebrenica sei "besonders passend". Ein "großer Verbrecher" sei "von der öffentlichen Bühne entfernt" worden, sagte der frühere US-Balkanbeauftragte Richard Holbrooke.

EU: Nach den Worten von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso beweist die Festnahme die Entschlossenheit der Regierung zur umfassenden Zusammenarbeit mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal. Diese sei "äußerst wichtig" für Serbiens EU-Beitrittsbestrebungen. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sprach von einem Schritt in die "richtige Richtung".

UNO: Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien begrüßte die Festnahme als "Meilenstein" in der Zusammenarbeit zwischen Serbien und dem UN-Tribunal. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte die Festnahme als "historischen Augenblick". Die Opfer des Bosnien-Kriegs hätten 13 Jahre lang auf Gerechtigkeit gewartet.

Bosnien: Nach Ansicht des muslimischen Vertreters im bosnischen Staatspräsidium, Haris Silajdzic, stärkt Karadzics Verhaftung das "Vertrauen in die Justiz. Auch die Organisation "Mütter von Srebrenica" begrüßte die Festnahme. Damit werde den Opfern des Massakers von Srebrenica "endlich Gerechtigkeit getan", sagte Kada Hotic, eine der Sprecherin der Organisation. In Srebrenica feierten dutzende Muslime die Nachricht auf den Straßen. Auch in der Hauptstadt Sarajevo gab es zahlreiche Freudenkundgebungen.

AP/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Gisella (22.07.2008, 12:06 Uhr)
Einer von VIELEN
- und was ist mit den vielen anderen"Menschenrechtsverletzern"?Da sind noch einige "Größen "frei- aber die leben ein bißchen weiter weg von uns- der gerade gefasste nur um die "Ecke"
 
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