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15. September 2005, 18:23 Uhr

Visionen verzweifelt gesucht

Mit einem neuen Milliardenprogramm für den Wiederaufbau der von "Katrina" zerstörten Gebiete will US-Präsident George W. Bush das Ruder herumreißen. Das soll dem Glauben an seine Führungsqualitäten neuen Schwung geben.

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Bitteres Ergebnis: US-Präsident George W. Bush bekommt in Umfragen die niedrigsten Umfragewerte seiner Amtszeit© Jonathan Ernst/Reuters

Die zunehmenden Zweifel an Bushs Führungsqualitäten hatten das Weiße Haus in den vergangenen Tagen verstärkt unter Druck gesetzt. Wenige Stunden vor einer Ansprache Bushs an die Nation von New Orleans aus hieß es dann am Donnerstag in Washington, der Präsident wolle sich nun als starker Führer mit einer Vision für den Wiederaufbau präsentieren.

Symbolträchtiger Neuanfang fehlte

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war Bush dies nach wenigen Tagen gelungen. Als er auf den Trümmern des World Trade Centers stand und an der Seite von Feuerwehrleuten das Megafon in die Hand nahm, hatte er in den Augen der Amerikaner auch die Initiative ergriffen. Nach dem Hurrikan habe es das Weiße Haus aber nicht geschafft, einen ähnlich symbolträchtigen Neuanfang zu finden, urteilte ein Kommentator des Fernsehsenders NBC.

In seiner Rede am Donnerstagabend (Freitag 03.00 MESZ) wollte Bush nicht nur ein Milliardenprogramm für den Wiederaufbau ankündigen, sondern auch sein tiefes Mitgefühl für die Opfer ausdrücken - zu spät, wie viele Kritiker bemängeln. Selbst Mitglieder von Bushs eigener Republikanischer Partei erklärten, Bush hätte seine Betroffenheit schon viel früher zeigen sollen.

Murren über hohe Kosten

Auch murren einige Republikaner bereits über die hohen Kosten. Nach Informationen der "Washington Post" befürchten sie, dass die geschätzten 200 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau zusammen mit den bisher 300 Milliarden Dollar für die Kriege im Irak und in Afghanistan den Bundesetat auf Jahre hinaus belasten könnte. Dies würde die von Republikanern favorisierten weiteren Steuerkürzungen unmöglich machen - und damit auch ihre Wahlchancen mindern.

Viele Republikaner sehen im Gefolge von Bushs Popularitätsschwund ohnehin ihre Aussichten auf einen Wahlsieg schwinden. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage im Auftrag der "New York Times" zeigte erneut, dass Bushs Zustimmungsraten auf dem niedrigsten Stand seit seiner Amtsübernahme sind. Neben dem Sturm tragen die hohen Benzinpreise und Zweifel am Wirtschaftswachstum zu den schlechten Umfragewerten bei.

Immer mehr zweifeln an Bushs Führungsqualität

56 Prozent der Befragten erklärten, der Hurrikan habe ihre Zweifel verstärkt, dass die Bush-Regierung auf eine weitere Naturkatastrophe oder einen Terrorangriff angemessen reagieren könne. Insgesamt, so urteilte die "New York Times", zeige die Umfrage, dass die Bevölkerung zunehmende Zweifel an Bushs Führungsqualitäten habe, die ihm früher auch politische Gegner zugebilligt hatten.

Thomas Müller/DPA
 
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