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25. August 2008, 18:03 Uhr
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Russen fordern unabhängiges Südossetien

Beide Kammern des russischen Parlaments haben sich dafür ausgesprochen, die abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien als unabhängige Staaten zu akzeptieren. Die Parlamentarier forderten Präsident Dmitri Medwedew einstimmig zur Anerkennung auf. Deutschland kritiserte die Voten scharf.

Noch immer halten sich russische Truppen in georgischem Kerngebiet auf© Maxim Shipenkov/DPA

Nach dem Föderationsrat hat sich auch das Unterhaus des russischen Parlaments dafür ausgesprochen, die von Georgien abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien als unabhängige Staaten anzuerkennen. Präsident Dmitri Medwedew solle den entsprechenden Beschluss umsetzen, forderten die Vertreter in der oberen Parlamentskammer nach der Abstimmung am Montag in Moskau. Der Westen beharrt dagegen auf der territorialen Einheit Georgiens.

Die Kremlpartei Geeintes Russland hatte sich bereits am Morgen für eine Anerkennung Abchasiens und Südossetiens ausgesprochen. Die Partei verfügt in der Duma über eine absolute Mehrheit.

Der Präsident entscheidet

Präsident Medwedew hatte zuletzt starke Sympathien für das Bestreben Abchasiens und Südossetiens nach Unabhängigkeit gezeigt. Unter russischen Experten ist aber umstritten, ob Medwedew auch in nächster Zeit die Unabhängigkeit der Gebiete de-jure anerkennt. Die russische Initiative zur Anerkennung Südossetiens und Abchasiens hatte mit dem jüngsten Krieg im Südkaukasus starke Unterstützung im eigenen Land erfahren. Die Gebiete hatten sich nach dem Zerfall der Sowjetunion in Bürgerkriegen Anfang der 1990er Jahre von Georgien abgespalten.

Die Bundesregierung kritisierte die Unabhängigkeits-Voten scharf. Der Beschluss sei "keinesfalls geeignet, die Lage zu beruhigen und zu entschärfen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Der Beschluss widerspreche der territorialen Integrität Georgiens. Die Bundesregierung erwarte, dass die russische Regierung dem Beschluss nicht folgen werde.

Unterdessen erhöhte die Europäische Union den Druck auf Russland: Die Gemeinschaft wird am 1. September bei einem Sondergipfel in Brüssel über ihre Haltung im Kaukasuskonflikt beraten. Bei dem Treffen werde es "um die Zukunft der Beziehungen" zwischen der EU und Russland gehen, hieß es in einer Mitteilung des französischen Präsidenten und derzeitigen EU-Ratsvorsitzenden Nicolas Sarkozy am Sonntag in Paris. Nach Angaben des Élysée-Palastes kam Sarkozy mit seinem Schritt Forderungen mehrerer EU-Mitgliedstaaten nach. In Brüssel werde es auch um Hilfen für Georgien gehen.

Ein Regierungssprecher in Berlin teilte mit, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde an dem Gipfel teilnehmen. Zuvor hatte die Bundesregierung ihren Tonfall gegenüber Moskau verschärft und auf eine vollständige Umsetzung des Abzugsplans für die russischen Truppen aus Georgien gedrungen.

Merkel sagte am Sonntag im ZDF-Sommerinterview, nach Erkenntnissen der Bundesregierung sei der Sechs-Punkte-Plan zur Entschärfung des Konfliktes noch nicht ganz umgesetzt. Deutschland werde jedenfalls "nicht zur Tagesordnung übergehen". Russland müsse daran gelegen sein, dass es keinen Vertrauensverlust gebe. Die Kanzlerin sagte, im "Kontakt zu Russland sind Einschränkungen möglich". Man wolle Russland weiter durch Gespräche und - wenn möglich - auch durch Beschlüsse zum vereinbarten Abzug bewegen. Der Westen stößt sich unter anderem an den von Russland eingerichteten Pufferzonen und Kontrollpunkten rund um Südossetien und Abchasien.

Russland beharrt auf Truppenaufstockung

Nach dem weitgehenden Rückzug aus dem Kerngebiet Georgiens kontrollierten russische Soldaten auch am Sonntag noch den strategisch wichtigen Schwarzmeerhafen Poti, der 30 Kilometer südlich der Trennlinie zu Abchasien liegt. Die darüber hinaus in acht beziehungsweise 18 Kontrollposten um die abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien stationierten Soldaten sollen nach den Worten des Generalstabs in Moskau Sabotageakte verhindern und die Bevölkerung schützen. Vize-Generalstabschef Anatoli Nogowizyn betonte in Moskau: "Angesichts der angespannten Lage kommen wir nicht ohne eine Verstärkung der Friedenssoldaten aus." Nogowizyn sagte, auch die von Frankreich vorgelegte Friedenslösung sehe "vorübergehende Maßnahmen" bis zu einer internationalen Regelung für das Konfliktgebiet vor.

Präsident Medwedew hat sich zu einer möglichen neuen Eiszeit im Verhältnis zur Nato gelassen geäußert. "Wenn sie (die Nato) die Beziehungen komplett aufkündigen werden, so hätte das für Russland keine schlimmen Auswirkungen", sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax in Sotschi. In seiner Residenz am Schwarzen Meer traf der Kremlchef den russischen Botschafter bei der Nato, Dmitri Rogosin. An einer funktionierenden Zusammenarbeit sei die Nato stärker interessiert als Russland, fügte Medwedew hinzu.

Als Reaktion auf den jüngsten Krieg im Südkaukasus hatten Russland und die Nato ihre militärischen Beziehungen in der Vorwoche bis auf weiteres eingefroren. Der Generalstab in Moskau betonte am Montag, dass die Kooperation zwischen Moskau und Brüssel bei der Versorgung der ISAF-Truppe in Afghanistan unter Nato-Führung davon nicht betroffen sei.

Warnung an Moldawien

Eine Warnung sprach Medwedew in Richtung Moldawien in dessen Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien aus. Am Ende des Streits um das von Georgien wegstrebende Südossetien habe ein Krieg gestanden. "Das ist eine ernste Warnung an alle. Ich glaube, wir sollten alle anderen Konflikte in diesem Zusammenhang sehen", sagte Medwedew bei einem Treffen mit dem moldawischen Staatschef Wladimir Woronin in Sotschi am Schwarzen Meer. Zwischen Woronin und ihm bestehe jedoch Übereinstimmung, den Konflikt um das pro-russische Transnistrien auf dem Verhandlungsweg zu lösen.

Russische Friedenstruppen sind seit den frühen 90er Jahren in Moldawien im Einsatz. Die Regierung in Moskau versucht in dem Konflikt zu vermitteln. Nach einem russischen Vorschlag soll Transnistrien den moldawischen Staat verlassen können, falls der dem EU-Mitglied Rumänien beitritt. Moldawien ist eine frühere Sowjetrepublik.

DPA/AP
KOMMENTARE (10 von 44)
 
rued (26.08.2008, 23:13 Uhr)
@whismer2
Da schau mal einer an, der Gute hat ein Buch gelesen.
Ein Buch hat auch immer einen Autor, der "Fakten" mit seinen eigenen Ansichten kombiniert.
Wenn Sie das immer alles so glauben, hoffe ich ihnen fällt niemals "Mein Kampf" von A.H. in die Hände. Ich behaupte ja nicht die USA hätten den Irak wegen des Völkermordes an den Kurden angegriffen, aber Saddam musste definitiv weg.
Ich bin auch sicherlich nicht pro-Amerika, weil die natürlich auch immer noch eigene Interessen verfolgen.
Wenn allerdings behauptet wird es wäre bei dem Irakkrieg ausschliesslich um Öl gegangen, kann ich das auch nicht so ganz glauben.
utospatz (26.08.2008, 14:56 Uhr)
Da fordert Merkel Russenrückzug,
und hat christlich noch nicht begriffen, wenn Medwedew und Putin mit Gaz-Prom-Gerd nach durchzechter Nacht, den Gashahn endlich zugemacht, kann Sie 30 Natos auf denn rufen, und versinkt dann unter ferner rufen! So hat Gaz-Prom-Gerd dank politischer Wählertrottel, aus ganz Europa ein Scheißhaus gemacht!
Das ist sozial, und auch christlich, doch sein Konto, das ist misslich! Jetzt hächeln Alle politischen Arschlöcher hinterher, ich hab auch ein Konto auf den Cayman-Isles bitte sehr! So hab ich denn, so lang ich auf der Welt, ganz Europa verarscht zu Gunsten von meinem Geld!
whismerh2 (26.08.2008, 08:56 Uhr)
@rued
Schokiert sind Sie also, ich bin
schockiert das es immer noch Menschen gibt, die anscheinend nicht
wissen warum die USA im Irak militätisch präsent sind.
Wegen den Menschen da unten garantiert nicht, das zeigt deren Umgang mit den Zivilisten, oder die Vorgehensweise der hiesigen amerikanischen Sicherheitsbehörden.(Blackwater )
Ich empfehle Ihnen mal das Buch Blut für Öl, dann wissen Sie vieleicht irgendwann einmal den Grund.
Sadam war nur ein willkommener Aufhänger, sonst hätten die Ihn bei schon bei dem ersten Angriff platt gemacht, aber man hat ja die Verbündeten in Basra hängen lassen, bzw, sie ins offene Messer laufen lassen und eigentlich ging es doch um Massenvernichtungsmassen, bei Angriff Nummer 2.
rued (25.08.2008, 20:18 Uhr)
Gas stinkt
Nach Blut, nach Geld und auch nach Unterdrückung.
Ich kann meine Heimatstadt auch für unabhängig erklären und dann alle Beamten vertreiben.
Dann gründe ich hier meine eigene Regierung und bin de facto unabhängig. Mal sehen ob die Bundesregierung dann mit einem Verstoss gegen das Völkerrecht reagiert und einfach eine unabhängige Region attackiert.
Wenn das der Preis ist verzichte ich gerne auf Gas. Wenn es nach mir ginge würden alle Waffen auf der Welt durch Blümchen ersetzt werden aber das geht leider nicht. So bleibt mir nur die Entscheidung lieber mit der Waffe in der Hand zu sterben als wieder mal bedingungslos dem mit dem dicken Gasfass und den meisten Atombomben zu gehorchen.
rued (25.08.2008, 20:09 Uhr)
Schockiert
Also ich bin jedes mal wieder schockiert wenn ich hier manche Beiträge lese.
Wenn die Serben damals keinen Völkermord begangen haben, warum sind dann noch auf Jahre Forensiker damit beschäftigt Massengräber auszuheben und Leichen zu Identifizieren?
Die haben sich vermutlich freiwillig ins Genick geschossen und sich dann selbst verbuddelt um den Serben was anzuhängen.
Ruedes Verhalten also, soviel Menschenverachtung finde ich unglaublich.
Naja Saddam Hussein hat keine hundert tausende Kurden getötet, sondern nur ein paar tausend. Da muss ich mich dann wohl entschuldigen und die USA ob der Ungerechtigkeit den lieben Saddam entthront zu haben anprangern.
Die Russen haben nur einen Kriegsgrund gesucht und da kam der Angriff gerade recht.
Jetzt lügen die schon seit Wochen rum von wegen Truppenabzug und vernichten jegliches militärisches Material.
Ist natürlich ne feine Sache, immerhin haben Abchasien und Ossetien in den Vertrag nicht eingewilligt und wenn die Georgier kein Militär mehr haben sind sie den Osstiern und Abchasen die schon ihre Absicht erklärt haben militärisch gegen Georgien vorzugehen ausgeliefert. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten sein Ziel zu erreichen.
Siamkatze79539 (25.08.2008, 19:48 Uhr)
Merkel fordert Rückzug der Russen
Fr. Merkel sollte mal aufhören, den Russen zu drohen, wir wollen hier keine Amerikaner haben, dieser Ami soll drüben über dem Teich bleiben, sie soll doch zum Hr. Bush ziehen, dann haben wir sie endlich los!
Harzi (25.08.2008, 18:11 Uhr)
@Robbespierre
Bevor sie von anderen fordern, Argumente zu erbringen, sollten diese Handlungsweise erst einmal bei sich selbst einfordern.
Auch wenn sie ihre Bildung nur aus der "Bild" und dem Fernsehsender "Fox" beziehen, ist dies keine Rechtfertigung dafür, das eigene Denken einzustellen.
Und nebenbei bemerkt, die einzige Verschwörungstheorie kam bislang von ihnen. Wie soll man sonst ihre absurde Frage verstehen. Nur weil sie in ihrem Prekariat gefangen sind, sollten sie nicht von sich auf andere schließen.
Robbespierre (25.08.2008, 18:06 Uhr)
@Karl Herman
Es ist löblich, wenn Sie sich mit Geschichte auseinandersetzen. Aber tun sie es bitteschön gründlich. Lesen Sie etwas mehr über die Hintergründe oder fahren Sie mal nach Georgien. Das habe ich mehrmals getan. Einige hunderttausend Flüchtlinge warten seit vielen Jahren auf ihre Rückkehr nach Abchasien und Südossetien. Vertrieben wurden sie jeweils mit russischer Hilfe. Rußland hat das kleine Land seit seiner Unabhängigkeit über ein Dutzend mal mit Krieg bedroht und zwar schon vor 2003, dem Jahr, in dem Schewardnadze sich um eine Natomitgliedschaft bewarb, um Russland endlich auf Distanz zu halten. Die jüngere georgische Geschichte ist tragisch und leider taucht Rußland immer wieder als Aggressor darin auf. Wenn Sie so einen psychopathischen Nachbarn hätten, wollten Sie mit Sicherheit auch in die Nato.
Popobawa (25.08.2008, 17:58 Uhr)
@Karl-Herman
Kann ihnen nur zustimmen unser Gartenhaus in Abchasien wurde von so einen Georgieschen/Abchasischen Haufen niedergebrannt. Aber das ist leider sicher alles nur ne Verschwörungstheorie....
Karl-Herman (25.08.2008, 17:48 Uhr)
@Robbespierre
Zitat von Karl-Herman: "In Georgien haben Georgier (Zentralgeorgien) systematisch Georgier (Südosseten) vernichten wollen".
Zitat von Robbespierre: "... sind die Georgier seit 1992 aus Südossetien vertrieben worden."
Sehr richtig.
1991 Aufhebung der Autonomie und Vorgehen gegen Osseten.
1992 Vertreibung der Georgier aus den ehemaligen Autonomiegebieten.
Wird der Zusammenhang jetzt etwas klarer?
Man sollte eibfach mal darüber nachdenken, warum Administrationen Autonomiegebiete einrichten. Und warum man Soldaten in fremde Gebiete schickt. Nämlich um Verrückte auseinanderzuhalten, sich gegenseitig zu erschießen, damit der Konflikt nicht noch weiter um sich greift. Die meisten Plünderungen sind mit Sicherheit nicht von Soldaten, sondern von vagabundierenden Milizen auf beiden Seiten verübt worden. Ebenso das Niederbrennen von Zivil-Gebäuden.
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