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22. August 2008, 13:44 Uhr

Russen verzögern Abzug aus Georgien

Vom fest versprochenen Rückzug ist wenig zu merken: Russische Truppen befestigen Stellungen in Georgien, kontrollieren den Verkehr auf den wichtigsten Fernstraßen des Landes, fliegen Patrouillen. Ein ranghoher russischer General sagte, mindestens zehn Tage werde der Abzug noch dauern.

Russische Truppen vor dem südossetischen Ort Dzahava© Denis Sinyakov/Reuters

Russische Soldaten haben am Freitag Stellungen in Georgien befestigt, den Verkehr auf den wichtigsten Fernstraßen des Landes kontrolliert und mit Hubschraubern Patrouillen geflogen: Von dem von Präsident Dmitri Medwedew bis zum Abend zugesagten Rückzug der wegen der Südossetien-Krise entsandten Interventionsstreitmacht war bis zum Nachmittag wenig zu sehen.

"Falls sie gehen sollten, dann im Schneckentempo", sagte der US-Befehlshaber in Europa, General John Craddock, zum Abschluss einer zweitägigen Inspektionsreise in Georgien. "Es ist viel zu wenig und viel zu langsam." Der Befehlshaber der russischen Landstreitkräfte, General Wladimir Boldyrew, relativierte unterdessen Medwedews Zusage: Es könnte bis zu zehn Tage dauern, jene Truppen abzuziehen, die nicht für die Kontrolle der sogenannten Sicherheitszonen benötigt würden.

US-Präsident George W. Bush äußerte die Erwartung, dass Russland den Truppenrückzug wie in dem von Medwedew unterzeichneten Sechspunkteplan der EU vorgesehen vollständig zurückzieht. Er habe dies gegenüber dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili bekräftigt, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe. Saakaschwili habe Bush am Donnerstag angerufen.

Stellungen ausgebaut

Russische Truppen bauten am Freitag weiterhin Stellungen vor der Hafenstadt Poti aus, die außerhalb sämtlicher Sicherheitszonen um die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien liegt. Städtische Beamte Potis sagten, russische Soldaten hätten in Poti vergangene Woche geplündert. Journalisten der Presseagentur Associated Press (AP) beobachteten, wie mit Tischen und Stühlen beladene russische Schützenpanzer unter dem Protest von Einwohnern aus der Stadt fuhren. Der georgische Sicherheitschef Alexander Lomaja warf Moskau vor, mit seinen Truppen Georgien "wirtschaftlich zu ersticken". Mit der Besetzung solle Zorn in der Zivilbevölkerung gegen die Regierung in Tiflis gesät werden.

Während viele Flüchtlinge notdürftig in öffentlichen Gebäuden und Schulen in und um Tiflis untergebracht wurden, verwaisten auf dem Land die Dörfer. "Es gibt kein Brot, keine Lebensmittel, keine Medizin", sagte eine Bewohnerin des Dorfes Nadarbasewi, die 45-jährige Nina Meladse. Das Dorf an einer Kreuzung vor Gori sei seit dem Kriegsbeginn am 7. August praktisch aufgegeben worden. "Ich kann nicht mehr so weitermachen, ich weine jeden Tag", sagte sie.

Bela Szandelszky, AP
 
 
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