Westen bekennt sich bei Armutsgipfel zu Entwicklungshilfe

23. September 2010, 15:52 Uhr

Ohne Konflikte, aber auch kaum konkrete Zusagen: So ging der UN- Armutsgipfel zu Ende. Der Westen will weiter helfen - aber auch sicher sein, dass die Hilfe ankommt.

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Zum Abschluss des Armutsgipfels bei den Vereinten Nationen haben sich am Mittwochabend (Ortszeit) alle Staaten zur Entwicklungshilfe bekannt. Die Dritte Welt warnte davor, sie allein zu lassen. Das könne zu weltweiten Problemen führen. Die Geberländer sicherten weitere Hilfe zu. Allerdings fordern sie auch Garantien, dass ihre Hilfe wirklich bei den Ärmsten ankommt. Einen Anspruch auf dauernde Entwicklungshilfe gebe es nicht.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bewertete den Gipfel positiv. "Wir wissen, wo es fehlt. Aber diese Woche haben wir auch einen Katalog des Erfolgs gehört." Mit einem Milliardenprogramm wollen die Vereinten Nationen das Leben von 16 Millionen Müttern und Kindern retten. Regierungen, Hilfsorganisationen und auch private Spender würden für "Every Women, Every Child" (Jede Frau, jedes Kind) 40 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) zur Verfügung stellen, sagte Ban.

Deutschland ist mit einem Konzept zur Familienplanung dabei. Ein bestehendes Programm mit 300 Millionen Euro wird Teil des UN-Plans, hinzu kommen noch einmal 400 Millionen Euro über fünf Jahre. Zu den größten Spendern gehört ein einzelnes Ehepaar: Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda wollen über ihre Stiftung den UN in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen.

Im Jahr 2000 hatten die UN bei ihrem Millenniumsgipfel beschlossen, bis 2015 die Armut und den Hunger auf der Welt zu halbieren, Krankheiten zu bekämpfen sowie Bildung und Umweltschutz zu fördern. Die UN fordern mit ihrem Abschlusspapier jetzt auch gute Regierungsführung in den Nehmerländern, um die internationale Hilfe so effizient wie möglich einsetzen zu können. Zudem wird der Kampf gegen Korruption hervorgehoben.

Die USA wollen in ihrer Entwicklungspolitik deutlich stärker auf Hilfe zur Selbsthilfe und die Eigenverantwortung armer Länder setzen. "Der Zweck von Entwicklung (...) ist die Schaffung von Bedingungen, in denen Hilfe nicht mehr benötigt wird", sagte Präsident Barack Obama. Zugleich mahnte er bei Empfängerländern wirtschaftliche Öffnung und Effizienz an. "An die Entwicklungsländer gerichtet: Das ist Euer Moment der Verantwortung. Wir wollen, dass Ihr blüht und Erfolg habt - das ist Eurer Interesse, und das ist unser Interesse."

Großbritannien und Dänemark betonten vor den Delegierten aus aller Welt, dass sie die angestrebte Mindestquote bei der Entwicklungshilfe am Bruttosozialprodukt erfüllen würden. Vor 40 Jahren hatten die Industrieländer angekündigt, künftig 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe auszugeben. Deutschland ist bei 0,4 Prozent.

China kündigte an, es wolle hunderte Schulen in der Dritten Welt bauen und medizinisches Personal ausbilden. China selbst habe sich stark entwickelt, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao. Dennoch sei es kein reiches Land, habe eine "schwache wirtschaftliche Basis" und sei beim Pro-Kopf-Einkommen nur auf Platz 100. Viele Millionen Chinesen lebten immer noch unterhalb der Armutsgrenze.

DPA
 
 
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