. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
3. Juli 2008, 16:18 Uhr

Betancourt hat ihre Kinder wieder

Rührende Wiedersehens-Szenen am Militärflughafen von Bogotá: Nach sechs Jahren in Geiselhaft konnte die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ihre mittlerweile erwachsenen Kinder Mélanie und Lorenzo in die Arme nehmen. Mit ihrem Mann Juan Carlos Lecompte hatte sie die erste Nacht in Freiheit mit stundenlangen Gesprächen verbracht.

Rührende Wiedersehens-Szenen: Ingrid Betancourt 8l.) schließt ihre erwachsene Tochter Melanie in die Arme, während Sohn Lorenzo eine Rede hält© AFP

Nach mehr als sechs Jahren in Geiselhaft hat die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ihre beiden Kinder in die Arme schließen können. Sie nahm ihre 22-jährige Tochter Mélanie und ihren 19-jährigen Sohn Lorenzo am Militärflughafen von Bogotá in Empfang, wo die beiden aus Paris kommend gelandet waren. "Sie sind so anders und gleichzeitig doch dieselben", sagte sie. Die in einen schwarzen Hosenanzug gekleidete Betancourt wurde von ihrem Mann und ihrer Mutter begleitet und brach in Tränen aus, als sie ihre Kinder umarmte. "Nirwana, Paradies - das muss dem ganz ähnlich sein, was ich jetzt fühle", sagte sie.

Als Betancourt 2002 von Rebellen der FARC verschleppt wurde, waren ihre Kinder 16 und 13 Jahre alt. Jetzt umarmte die 46-Jährige zwei junge Erwachsene, die sich intensiv für ihre Freiheit eingesetzt hatten. Die Kinder Betancourts aus erster Ehe waren mit dem französischen Außenminister Bernard Kouchner von Frankreich nach Kolumbien geflogen.

Mit an Bord waren auch Betancourts erster Mann und Vater der Kinder, Fabrice Delloye, und ihre Schwester Astrid. Zuvor hatte die 46-Jährige, die auch einen französischen Pass besitzt, angekündigt, dass sie noch an diesem Donnerstag nach Paris fliegen wolle, um Staatspräsident Nicolas Sarkozy und dem französischen Volk für die jahrelangen Bemühungen um ihre Freilassung zu danken.

Sie ist sehr klar und in einer schönen Stimmung

Ihre erste Nacht in Freiheit verbrachte die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Betancourt mit stundenlangen Gesprächen mit ihrem Mann Juan Carlos Lecompte. "Sie ist sehr klar und in einer sehr schönen Stimmung. Wir konnten einfach nicht schlafen", sagte Lecompte. "Sie bat mich um eine Uhr, die ich seit ihrer Entführung (2002) aufbewahrt hatte. Und um Apfelsinen zum Frühstück", fügte er hinzu. Die beiden besitzen in Bogotà eine große Wohnung mit einem malerischen Blick über die Millionenmetropole.

Betancourt war am Mittwoch von einer Spezialeinheit der kolumbianischen Armee in einem ausgeklügelten Sondereinsatz befreit worden. Bei der Befreiungsaktion fiel kein einziger Schuss. Die Guerilleros der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) wurden nach Angaben der Regierung von Agenten des Militärgeheimdienstes getäuscht, die eingeschleust worden waren. FARC-Kämpfer führten die Geiseln zu einem vermeintlichen Flug zu ihrem Kommandeur Alfonso Cano. Am Abflugsort aber warteten zwei getarnte Hubschrauber der kolumbianischen Streitkräfte, wie Verteidigungsminister Juan Manuel Santos mitteilte.

Für den Notfall waren in der Region 39 weitere Hubschrauber in Alarmbereitschaft, die das Camp umzingelt und die Geiseln befreit hätten, wie Santos erklärte. Dieser Einsatz werde für seine Kühnheit und seine Effektivität in die Geschichte eingehen. Die Befreiung ist die größte Niederlage in der 44-jährigen Geschichte der staatsfeindlichen Guerillatruppe. Betancourt sagte, sie und die anderen Geiseln hätten nichts geahnt, bis die getarnten Militärhubschrauber gestartet seien. Dann habe sich der Chef der Kommandoaktion zu erkennen gegeben und gesagt: "Sie sind frei." Alle seien außer sich vor Freude gewesen. "Der Hubschrauber fiel fast vom Himmel, weil wir auf- und abgesprungen sind, schreiend, weinend, einander umarmend", sagte Betancourt.

Als sie nach der von ihr selbst als "Wunder" bezeichneten spektakulären Befreiungsaktion durch das Militär in Bogotà aus dem Flugzeug stieg, wirkte sie überraschend ruhig und fast etwas verklärt.

Manchmal wurde sie von ihren Gefühlen überwältigt

Den abrupten Szenenwechsel von der scheinbar endlosen Geiselhaft im Dschungel zurück in die Zivilisation verkraftete sie erstaunlich gut. Nur manchmal wurde sie von ihren Gefühlen überwältigt, als sie etwa den Tod ihres Vaters während ihres Geiselmartyriums erwähnte. In zu groß wirkender Militärkleidung sprach sie ansonsten aber schon wieder so versiert und druckreif, als sei sie wieder in die politische Arena zurückgekehrt.

Sie rief die FARC auf, jetzt auch die noch verbliebenen 700 Geiseln freizulassen. Sie vergebe ihren Peinigern. Sie wolle künftig einen Beitrag zur Versöhnung in Kolumbien leisten. "Ich hoffe immer noch, Kolumbien als Präsident zu dienen." Zunächst wolle sie aber mit ihrer Familie sprechen. Unter den befreiten Geiseln sind auch drei US-Bürger. Die Mitarbeiter des Rüstungskonzerns Northrop Grumman kehrten noch in der Nacht zum Donnerstag in ihre Heimat zurück. Vom texanischen Luftwaffenstützpunkt Lackland aus wurden sie in ein Militärkrankenhaus gebracht.

Weltweit wurde die Befreiung mit Erleichterung und Freude aufgenommen. US-Präsident George W. Bush, Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel beglückwünschten den kolumbianischen Staatspräsidenten Alvaro Uribe zu dem Erfolg. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dankte allen, die sich um die Befreiung der Geiseln bemüht hätten. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, sprach von einem Riesenerfolg für Uribe. Ein Sprecher des Vatikans äußerte die Hoffnung, dass auch die anderen Geiseln bald freikommen und nun ein Friedensprozess in Kolumbien beginnen könne. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Rebellen dazu auf, unverzüglich alle verbliebenen Geiseln freizulassen.

DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Progreso (04.07.2008, 01:52 Uhr)
@pastrana - Bitte vorher informieren!
@pastrana
Bevor Sie sich so abfällig über anderer Leute Meinung äußern, sollten Sie sich vielleicht zunächst erkundigen wo und wie diese ihre Meinung erwerben.
Ich lebe nicht in D, sondern in Südamerika, wenn auch am südlichen Zipfel und bin sehr interessiert am Geschehen hier und habe dafür verschiedenste Infoquellen wie z.B. die Lateinamerika-Nachrichten oder den Nachrichtenpool Lateinamerika u.a. sowie vor allem die Bevölkerung hier vor Ort.
Sie mögen Recht haben, dass der desinteressierte (deutsche) Leser die Zusammenhänge nicht versteht, aber dieser Typus Leser wird wahrscheinlich auch die Nachricht an sich nicht lesen, eben weil in Südamerika nicht interessiert.
Danke im Übrigen für Ihre weiterführenden Infos in Ihrer Stellungnahme!
pastrana (03.07.2008, 23:17 Uhr)
Uribe/Farc und die restlichen Geiseln
Besserwisser wie Progreso aeussern sich in einer Form, die der dt. Lesr nicht verstehen kann, da ihm die Kenntnis der Zusammenhange fehlt. Das alte Lied
der "Alternativen" die mit Rucksack in der Business Class nach BOG reisen, um den Bauern die "Erleuchtung" zu bringen
und klar zu machen, dass Uribe ebenso
korrupt sei wie seine Vorgaenger. Es
ist so leicht wie ueberfluessig schlaue Sprueche ueber die Situation
in Kolumbien zu machen, wenn man in der BRD sitzt und keinerlei Bezug zu diesem demokratischen Land hat.Wer die Zahl von 700
Geiseln, die sich in der Gewalt der Farc befinden erfunden hat, weiss nur
der Verfasser. Tatsache ist dass
weit mehr als 3000 Menschen entfuehrt wurden, wieviele davon noch leben, weiss nur die FARC. Ich weise noch darauf hin, dass anlaesslich eines EU
Gipfels in Madrid Frankreich verhindert hat, das die FARC als terroristische Organisation von den
Europaeern geaechtet wird. Dies in der Hoffnung, dass damit die FARC bewegt wuerde Indrid Betoncourt freizulassen.
DerDa (03.07.2008, 21:02 Uhr)
Mal ne Verständnis frage an den autor
Also laut ihrer Überschrift und schreibstil, verstehe ich daß die Kinder weg waren und die mutter sie wider hat. Sollte es nicht heißen "knider haben Ihre Mutter wieder"???
jorgdavid (03.07.2008, 20:24 Uhr)
Erkaufte Präsidentschaft
Bis heute ist es nicht sicher ob sich Uribe die Gesetzesaenderung, die eine Wiederwahl ermoeglicht hat, erkauft hat. In Kolumbien konnten Präsidenten nicht wiedergewaehlt werden. Mit der eingebrachten Gesetzesaenderung wurde dies moeglich. Selbst falls die Gesetzesaenderung in irgendeiner Form erkauft wurde, so hat aber am Ende die Bevoelkerung Uribe wiedergewaehlt. In einer Demokratie sollte das Volk entscheiden, wer ihr Präsident sein soll.
Die Bevoelkerung steht mit ueber 70% hinter der Politik Uribes, was in Europa niemand von sich sagen kann. Ich wuerde eine weitere 4-jaehrige Präsidentschaft Uribes befuerworten. Dannach wuerde es wahrscheinliche keine FARC mehr geben, die seit 50 Jahren ihr Unwesen in Kolumbien betreibt. Falls in 2 Jahren ein schwacher Präsident gewaehlt werden wuerde, konnte alle Vorschritte, die in letzten Jahren gemacht wurden, zu nichte gemacht werden.
Rainhelt (03.07.2008, 18:06 Uhr)
Privat?
"Mit ihrem Mann Juan Carlos Lecompte hatte sie die erste Nacht in Freiheit mit stundenlangen Gesprächen verbracht." Na diese Info hat die Welt gebraucht. Frei nach dem Motto: Zieh dich aus, ich will mit dir reden...
Die arme Frau. Kaum ist sie aus den Händen der Linksradikalen befreit kommt die Informationsmeute und geht ihr 24/7 auf den Kecks und wird noch nicht mal im Privatleben angekommen nach genau diesem gefragt... Tolle Freiheit.
Progreso (03.07.2008, 17:59 Uhr)
@Known
Genial, dass Betancourt (ohne Tote!) endlich frei ist und hoffentlich wird die Kritik am paramilitärisch verbandelten Uribe jetzt noch stärker!
Vielleicht geht Betancourt zurück in die Politik und Uribe hat mit der Befreiung seine eigene politische Karriere "beendet".
Allerdings ist es leider so, dass sich diese Gegner (Uribe&Co versus Farc&Co) zur eigenen Daseinsberechtigung und Existenzsicherung gegenseitig brauchen und es bedarf schon einer konzertierten Aktion der Masse des Volkes um diese Klientelpolitik zu überwinden.
Known (03.07.2008, 16:54 Uhr)
Uribe
Volltreffer auch für Präsident Uribe. Trotz seiner gekauften weiteren Amtszeit wird die Kritik gegen ihn wohl abflauen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Ex-Geisel Rojas Wiedersehen mit Betancourt

Sie ist die beste Freundin von Ingrid Betancourt, wurde mit ihr zusammen von der Farc entführt. Während der Geiselhaft hatte Clara Rojas ihren Sohn im Dschungel geboren und wurde nach neun Monaten von ihm getrennt. Nun kann sie, inzwischen freigelassen, nach ihrem Sohn auch ihre Freundin wieder in die Arme schließen. mehr...

Kolumbien Betancourts Flug in die Freiheit

Mit der gewaltlosen Befreiung der französisch-kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt ist der Regierung in Bogotá ein politischer Husarenstreich gelungen. Die prominenteste Ex-Geisel der Farc kann ihr Glück kaum fassen, die Kolumbianer jubeln. Für die älteste Guerilla-Organisation Lateinamerikas ist es eine katastrophale Niederlage. mehr...

Kolumbianische Farc Die Kämpfer in eigener Sache

Sie begannen als marxistische Freiheitskämpfer, mittlerweile schmuggeln sie Drogen und entführen Menschen reihenweise. Wer ist die kolumbianische Farc, die Politikerin Ingrid Betancourt sechs Jahre gefangen gehalten haben? Die sich Aufständische nennen, aber sich vor allem selbst die Taschen füllen? mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe