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23. März 2010, 20:10 Uhr

Ist es das, was von New Labour bleibt?

Die Korruptionsskandale unter Englands Politikern nehmen kein Ende: Nun wurde bekannt, dass sich Ex-Minister Lobby-Firmen angeboten hatten. Die Empörung bleibt weitgehend aus, denn die Briten sind nur noch resigniert angesichts der Eskapaden ihrer Regierungspartei. Von Cornelia Fuchs, London

 
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"Das ist ziemlich schmierig": Wirtschaftsminister Lord Mandelson hat nicht mehr viel übrig für einen ehemals guten Freund© David Moir/Reuters

Eine neue Woche, ein neuer Skandal: In einem Hotel-Konferenzraum vor einer unscheinbaren Palme und hinter einer tiefblauen Mineralwasserflasche versprachen drei ehemalige Labour-Minister einer Managementberatung Termine mit Ministern und hohen Beamten. Und das alles für den günstigen Preis von 5000 Pfund pro Tag.

Doch die drei Politiker, die bei der baldigen Wahl allesamt nicht mehr antreten werden, sprachen nicht mit der eifrigen Vertreterin einer amerikanischen Beratungsfirma. Sondern mit einer Journalistin, die ihre Versprechen und den Preis dafür mit einer versteckten Kamera aufnahm. Was auf die Ausstrahlung der peinlichen Aufzeichnung folgte, war resignierte Empörung.

Bevölkerung kaum noch schockiert über neue Korruptionsfälle

Wäre es der erste oder gar einzige Skandal im britischen Polit-Betrieb gewesen, dann wären die Wellen wohl hochgeschlagen. So konkret hatte noch niemand zuvor bewiesen, dass der Zugang zu den Fluren in Westminster käuflich ist. Aber nach dem ausufernden Spesen-Skandal im vergangenen Jahr, in dem dutzende Parlamentarier zugeben mussten, dass sie für so seltsame Dinge wie Ententeich-Häuser, Burggraben-Reinigungen und die Hypotheken ihrer Eltern oder Kinder den Steuerzahler zur Kasse gebeten hatten, scheinen die Briten erschöpft zu sein angesichts der nicht enden wollenden Abgründe, die sich da auftun.

Sogar der für seine unerbittlichen Fragen bekannte Moderator Jeremy Paxman, eine Art Claus Kleber der BBC, wirkte seltsam lustlos, als er den Wirtschaftsminister Lord Mandelson mit einem Seufzen in der Stimme fragte, was denn nun dran sei an der ganzen Geschichte. "Null", antwortete dieser. Vor versteckter Kamera hatte Stephen Byers, Mandelsons (wohl ehemaliger) Freund und ehemaliger Transportminister zu Protokoll gegeben, dass er mit Mandelson das Problem der Lebensmittel-Beschriftung im Auftrag einer großen Supermarktkette besprochen habe.

"Das ist ziemlich schwierig"

Außerdem mit von der Partie: die ehemalige Gesundheitsministerin Patricia Hewitt und Blairs ehemaliger Außenminister Geoff Hoon. Byers' Anschuldigungen seien unwahr, sagt Mandelson: "Was so furchtbar ist an der ganzen Sache: Stephen Byers hat mit lügnerischen Prahlereien versucht, sich persönlichen Gewinn zu verschaffen. Das ist ziemlich schmierig."

Byers ließ inzwischen verlauten, dass er wohl etwas übertrieben habe, um an das Honorar zu kommen, dass ihm die fiktive Beratungsfirma in Aussicht gestellt hatte. Und mit dieser Aussage, so stellte es Premierminister Gordon Brown über seine Sprecher fest, sei auch keine Untersuchungskommission mehr nötig, die von der Opposition natürlich sofort gefordert wurde. Es habe sich schließlich tatsächlich nichts Illegales abgespielt.

"Wir haben nichts dagegen, wenn Leute so richtig dreckig reich werden"

Das ist eine ziemlich seltsame Einstellung. Sie könnte auch daher rühren, dass die drei nun aufgeflogenen Labour-Parlamentarier zu der Tony-Blair-Fraktion gehörten, die sich sowieso am Ende dieser Legislaturperiode verabschieden wird. Und der ein wahres Hass-Verhältnis zu Gordon Brown nachgesagt wird. Stephen Byers war einer der Architekten von New Labour, von Tony Blairs Revolution der Arbeiterpartei in der Mitte der 90er Jahre.

Es gibt einen Satz, der seit damals für die neue Labour-Partei steht, und der ausgerechnet von Lord Mandelson stammt, der heute das Gebaren seines damals engen Freundes Byers für ziemlich schmierig befand. "Wir haben nichts dagegen, wenn Leute so richtig dreckig reich werden", sagte er damals. Und fügte an: "Wenn sie ihre Steuern zahlen."

20 Millionen Pfund für Tony Blair

Wer heute zurückblickt, muss sich fragen, ob dieser Satz das ist, was von New Labour übrig bleiben wird. Tony Blair verdient inzwischen angeblich 20 Millionen Pfund im Jahr, für Vorträge, als Verwaltungsrat und Berater für Banken und Versicherungen. Es scheint, als wollten ihn seine politischen Freunde nun nachahmen.

Zurück bleibt Premierminister Gordon Brown. Der verspricht immer wieder, mit all diesen Dingen aufzuräumen. Ein Gesetz gegen den Einfluss von reichen Lobbyisten steht ganz oben auf Labours Liste. Doch das kommt zu spät: Vor der Wahl, die in den nächsten zehn Wochen stattfinden muss, wird es nicht mehr verabschiedet werden können.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
sportartmakler (24.03.2010, 15:11 Uhr)
@tursu - immer wieder liest man von demos und protest
diesen würde ich sehr gern öffentlich zeigen, wie viele ander auch...allein mir fehlt die zeit. wer kann und möchte urlaub für demonstrationen nehmen? und mit einer demo wird unsere regierungstruppe kaum zu beeindrucken sein.

ein traum, wenn zum 1.mai demonstationswellen über das land hereinbrechen würden.
tursu (24.03.2010, 12:56 Uhr)
nur noch kopf schütteln
andere Länder kritisieren, das die Korrupt wären. hmmmm In der europäischen Union sind nach meiner Meinung alle Länder Korrupt. Sie Griechenland an, Bankrott. Danach kommt England Spanien Portugal.. und bald auch Deutschland. Wir die Bürger, wollen es ja so. Wieso gehen wir nicht auf die Strassen und protestieren. Uns ist alles rundrum egal, hauptsache uns geht es gut.
iosono (24.03.2010, 08:56 Uhr)
was hat england noch?
alles geld geht in die london city,da stellt man ein paar riesenpenise hin und man glaubt der welt vorzugaukeln ''man ist noch wer''.
die vorstädte und andere städte verfaulen,dienormalen leute sind kulturell abgestumpft,miese erziehung,wenig bildung........
besoffen sein und denn nackten hintern zeigen ist das höchste glücksgefühl eines engländers.
man glaubt selbst das ein typischer engländer wie james bond aussieht und eine engländerin wie victoria beckham.
früher waren die eliten ''newton,faraday,darwin,shakespeare......''
heute sind die eliten ''kati price,david beckham,sean connery........''
vorsicht deutschland: auch wir gehen teilweise diesen weg weil wir fast alles nachmachen was die angloamerikaner so vormachen.
es gibt absolut gar nichts mehr für was ich england noch bewundere-das war mal anders.wahrscheinlich kommt das davon das man ständig sich selbst als die grössten feierte in den letzten jahren nach dem krieg-da können wir nur froh sein den krieg erloren zu haben.
wobei,eins haben die enländer nicht kapiert:verloren haben sie-nähmlich ein imperium.england ist nur der dackel der amerikaner-so sieht die welt england heute.
zu blöd ägypten zu besiegen in der suez-krise aber sich für die grössten halten-ja,so ist england.wenn der gegner mit mehr als pfeil und bogen ausgerüstet ist da hauen die tommys ab -)
johnniedeamonic (23.03.2010, 23:22 Uhr)
"Die Korruptionsskandale unter Englands Politikern nehmen kein Ende: Nun wurde bekannt, dass sich Ex-Minister Lobby-Firmen angeboten hatten. Die Empörung bleibt weitgehend aus, denn die Briten sind nur noch resigniert angesichts der Eskapaden ihrer Regierungsparte"


genau das schreibt das Ausland übrigens auch über Deutschland
Prologo (23.03.2010, 22:40 Uhr)
@der2gößte, Danke für die Info.
Dann haben wir ja jetzt auch was wir brauchen, und sogar die richtige Kanzlerin dazu.

MfG,
T.
der2groeste (23.03.2010, 22:35 Uhr)
Die Undemokratie Zusatz
Der Unterschied zwischen England und Deutschland ist, korrupte Politiker werden in den Medien angeprangert und von der Polizei verhört. In Deutschland werden korrupte Politiker legalisiert, sind nicht gesetzlich haftbar für Ihr Tun und die Medien schweigen schon seit 10 Jahren aus Angst wegen Klagen. Und aus Angst wegen dem Verfassungsschutz, der so wie der alte Stasi auf Normalbürger losgelassen wird.
Prologo (23.03.2010, 21:41 Uhr)
Dreckige Reiche in England, .......

......bei uns genannt Lumpenelite, wobei ich eher sagen würde, Lumpenliga, das passt besser. Denn unter Elite stell ich mir was anderes vor. Wir sind also in der EU in guter Gesellschaft. Und den Berlusconi, der die Gesetze gleich für sich macht, haben wir auch noch.

Irgendwann muss es doch den Kessel zerreißen!!
Was mich nur wundert, warum kommt das gerade jetzt so zahlreich ans Licht?

MfG,
T.
Zerberus (23.03.2010, 21:24 Uhr)
Die Labour Partei ...
... ist die verkommenste Partei Europas die es je in eine Regierung geschafft hat.
Eine Partei die gezielt massenweise Einwanderer ins Land holt, die dann mit Steuergeldern durchgefüttert werden müssen, nur um günstigere Mehrheitsverhältnisse herzustellen gehört verboten ... das ist Verrat am eigenen Volk und vor allem am Souverän. Und Rot/Grün hat sich von dieser Partei stark beeinflussen lassen auch was die Verteilung neuer Staatsbürgerschaften betrifft zum Zwecke der Wiederwahl was 2002 ja auch geklappt hatte, denn das deutsche Volk hatte Stoiber gewählt, die Neueingebürgerten Türken dagegen Schröder die Mehrheit beschafft. Die kleineren Skandälchen runden nur das Bild einer korrupten Gruppierung ab, die in keinster Weise das Interesse ihres Landes vertreten, sondern nur an sich selbst denken.

Insofern freuen wir uns schonmal auf die Wahlen und was die neue Regierung dann so alles noch ans Tageslicht bringen kann.
Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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