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12. Oktober 2007, 12:23 Uhr

Eine unbequeme Botschaft für Bush

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Al Gore ist die denkbar eleganteste Art, George W. Bush eine Ohrfeige in Sachen Klimapolitik zu verpassen. Es ist eine kluge und hochpolitische Wahl. Und sie adelt eine Spekulation: Wie sähe die Welt heute aus, wenn Gore Präsident geworden wäre? Von Florian Güßgen

Al Gore und George W. Bush als Konkurenten kurz vor der Präsidentschaftswahl 2000© Reuters/Corbis

Es wird kein schöner Morgen werden für George W. Bush. Lächelnd wird er vor die Kameras treten müssen, um Al Gore zu gratulieren. Zur Verleihung des Friedensnobelpreises. Der US-Präsident wird große Worte gebrauchen, von einer großen Ehre sprechen, von einer verdienten Würde für den Ex-Vizepräsidenten. Innerlich dürfte es in dem gebeutelten Präsidenten rumoren. Denn das Nobelpreiskomitee hat mit seiner Entscheidung für Gore und den Weltklimarat vor allem eines getan: Die Klimapolitik der Regierung Bush gerügt - und dem Präsidenten eine schallende Ohrfeige versetzt. Die Botschaft lautet: Tut was, Ihr da im Weißen Haus! Al Gores Wachrüttel-Film trägt den Titel "Eine unbequeme Wahrheit" - an Bush hat das Komitee nun eine unbequeme Botschaft gesandt: Nehmt den Klimawandel ernst. Macht eine bessere Politik. So eine politische Preisverleihung hat es lange nicht mehr gegeben. Das ist gut - ungeachtet der berechtigten Kritik an Gores Film und Thesen.

Wie würde die Welt mit einem Präsidenten Gore aussehen?

Für Gore ist die Auszeichnung in jeder Hinsicht Genugtuung - auch gegenüber Bush. Gegen den hatte er im Jahr 2000 im Rennen um die Präsidentschaft verloren, Verschwörungstheoretiker sind sich bis heute sicher: Weil Bush bei der Stimmenauszählung geschummelt hat. Das Desaster im Irak. Das Desaster um den Wirbelsturm Katrina. An vielen Stellen wird heute in den USA gemutmaßt, wie die Welt heute aussehen würde, hätte Gore, Clintons Vize, damals die Nase vorne gehabt. Das Komitee des Friedensnobelpreises hat diese Spekulation nun geadelt und signalisiert: Zumindest um das Weltklima, welch' Doppeldeutigkeit, wäre es besser bestellt.

Nicht gegen die USA, wohl aber gegen Bush

Dabei ist es eine schlaue Entscheidung, den Preis an Gore zu verleihen. Denn so wird nicht Amerika als Klimasünder an den Pranger gestellt, dem Antiamerikanismus Tür und Tor geöffnet, sondern lediglich eine politische Fraktion in den USA gerügt: Jene Fraktion nämlich, die sich gegenüber den Bemühungen und den Einsichten der Vereinten Nationen aus Prinzip verschließt, weil sie Multilateralismus per se verteufelt, die vorgibt, die USA könnten die Probleme dieser Welt im Alleingang lösen. Mit der Entscheidung für Gore und den Klimarat signalisiert das Preiskomitee: Wir sind nicht gegen die USA. Wir sind nur gegen unverantwortliches Handeln einer bestimmten Clique. In den USA gibt es aber eine wachsende Anzahl von Politikern, die die Probleme dieser Welt anders lösen wollen - vom Demokraten Gore bis hin zu Arnold Schwarzenegger in Kalifornien. Und das Komitee bricht eine Lanze für das sieche Prinzip des Multilateralismus.

Ein erweiterter Sicherheitsbegriff

Die Entscheidung ist auch aus sicherheitspolitischer Sicht klug, denn das Komitee stellt unmissverständlich fest: Wer heute an Sicherheit, an Frieden denkt, muss unweigerlich auch an die Ökologie denken. Es geht hier nicht um grünen Firlefanz irgendwelcher Körnchenfresser, die sich irgendwelchen alternativen Preise an obskuren Orten dieser Welt verleihen. Sondern es geht darum, dass Krieg heute nicht nur in geostrategischen, sozialen und ökonomischen Wirkungszusammenhängen zu begreifen ist, sondern auch ökologische Ursachen hat. Der Frieden kann auch durch Fluten, durch Stürme, durch schmelzende Pole, durch die Erderwärmung bedroht sein. Und deshalb muss sich eine verantwortliche Politik darum kümmern. Das Komitee hat hinter diesen - erweiterten - Sicherheitsbegriff, der das 21. Jahrhundert noch maßgeblich prägen wird, nun ein lautes Ausrufezeichen gesetzt.

Aus all diesen Gründen ist die Auszeichnung Al Gores und des Weltklimarates eine sensationelle, eine bemerkenswerte Wahl. Glückwunsch.

Von Florian Güßgen
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
slowmovement (14.10.2007, 15:50 Uhr)
Millionen Köpfe stecken trotzig im Sand
... und kommen mal kurz raus, um sich über den Nobelpreis für Gore zu ärgern. In den letzten Wochen habe ich recht ausgiebig Internet-Kommentare zum Thema "Klimawandel" verfolgt: Angesichts der ungeheuer engstirnigen wissenschaftlicher Ignoranz, mit der die "Klimaskepsis" vertreten wird (mit skeptischem Denken hat diese wenig zu tun), muss man sich über den Nobelpreis für Gore und den IPCC unbedingt freuen. Hoffentlich hat dies Signalwirkung! Ich fürchte aber, dass ein Umdenken auf Entscheidungsebenen so spät in Gang kommt, und selbst die zu erwartenden vermehrten Katastrophenmeldungen (Fluten, Hunger, Durst, Unwetter) in den nächsten Jahren wird man ebenso wegdrücken, wie man das Leid Anderer schon immer wegdrückt - besonders wenn es um unsere Schuld und Verantwortung als Industrienationen geht (Wirtschaftsimperialismus).
Roy05441 (12.10.2007, 23:18 Uhr)
Oh Herr,da..
bekommt ein alkoholischer Vollidiot so ohne Not, vielleicht zum Ende zu fressen doch den eigenen Kot!
cousteau (12.10.2007, 21:29 Uhr)
@MoodyMare
Ich verstehe in diesem Zusammenhang nicht ganz, worauf Sie hinaus wollen und was die Kritik an den Medien, die in letzter Zeit grundsätzlich an allem schuld sein sollen, genau soll. Natürlich ist Gore kein Heiliger. Er ist zum Beispiel im Aufsichtsrat von Apple - und dass die es mit dem Umweltschutz nun gar nicht so genau nehmen, wissen wir ja nun alle.
Trotzdem: Es kann doch nicht der normale Reflex sein, sofort an jemandem den schwarzen Fleck an der Weste herauszustellen, Denunzierung wird doch schon genug betrieben. Ohne Zweifel scheint für mich zu sein, dass Gore wie kaum ein Anderer zur Allgemeinbildung in Sachen Klimaschutz beiträgt. Ich kenne Leute, die sich nie und nimmer mit dem Thema auseinandergesetzt hätten, aber "eine unbequeme Wahrheit" hat sie dann doch erreicht. Und das zählt doch etwas.
MoodyMare (12.10.2007, 17:49 Uhr)
interessant...
.. dass die dt medien nie ueber seine millionen investitionen im Oelkonzern in den 90gern und seine ploetzliche millionen investitionen in firmen die reichlich im Krieg mitmischen.
So unschuldig und heilig wie man ihn in Dland hinstellt ist er bei weitem nicht. Schade dass in Dland gerne halbe sachen berichtet werden.
bundesboy (12.10.2007, 17:03 Uhr)
Ohrfeige nicht nur für Bush
Diese Ohrfeige trifft auch viele dumme Leute, die sich einfach nicht von den Tatsachen überzeugen lassen und uns dazu sogar noch mit der falschen Arbeit ruhig stellen wollen.
Der Weg zum Gleichgewicht führt nur über die Rückschlagung des Generalangriffs auf unsere Vernunft und da haben wir hier in Deutschland auch noch sehr grosse Defizite.
H.P. (12.10.2007, 15:59 Uhr)
Es gibt so viele Theorien und Meinungen
Schön für Herrn Gore und die Klimapolitik nur es wird nicht viel bewirken. Es müsste heute unbedingt ein Gesamtbild der Welt erarbeitet werden. Es gibt so viele Theorien und Meinungen wo am Ende keiner mehr weiß was nun wirklich ist und so ist es heute überall, in allen Systemen. Alle wichtigen Themen werden oberflächlich angegangen und bearbeitet.
http://www.lebedeinbestes.de/index.html
Benny1893 (12.10.2007, 15:58 Uhr)
Man kann einfach nicht beurteilen, was wäre wenn Gore gewählt worden wäre.
Zuerstmal muss ich sagen, dass ich es ein gelungenes Zeichen finde, dass man mit der Klimapolitik der USA und der weiteren Verweigerung gegenüber dem Kyoto-Protokoll nicht einverstanden ist.
Ob die Welt allerdings eine bessere wäre, wenn ein Al Gore an die Macht gekommen wäre ist einfach nicht zu beantworten. Keiner kann wissen wie Gore auf die Anschläge am 11. Sept. reagiert hätte. Keiner kann wissen, ob Gore sich der vielen Wirtschafts- und Interessenverbände in den USA hätte entziehen können und nicht irgendwann auch eingeknickt wäre.
Im Nachhinein ist es natürlich leicht zu sagen, dass Gore mehr für den Umweltschutz getan hätte.
Maku (12.10.2007, 15:35 Uhr)
Naja
zum Einen finde ich es echt gut, wenn Herr Bush eine Ohrfeige für seine Politik bekommt und dieser Weg ist vielleicht nicht verkehrt. Grade die Klimapolitik der USA ist aus meiner Sicht ein Witz, überheblich und sturr, wie die USA nunmal sind.
Allerdings kann ich in dem Fall nicht verstehen, wie Al Gore den Fiedensnobelpreis für seine Klimapolitik bekommt, nur weil er viel darüber redet? Ich fand das/die LiveEarth Konzerte mehr als peinlich, auf diese Art den Klimawandel den Menschen näher zu bringen. Ein Autohersteller sponsort das Ganze, Millionen von Menschen reisen mit dem Auto an, ganz zu schweigen von dem Stromverbrauch in den Stadien und dann werden haufenweise Einweg-Plastikbecher etc. verwendet. Herr Gore selbst hat auch nicht den Ruf, in seiner riesigen Villa besonders Eneriesparend zu leben, aber das ist wohl irgendwie typisch für die Amerikaner.
Man sollte besser die Menschen hervorbringen, die sich wirklich Gedanken machen, Fahrgemeinschaften gründen, zu Ökostromanbietern wechseln und Energiesparen wo es geht...
Vincent_Vega (12.10.2007, 15:17 Uhr)
Der Irak-Krieg wäre nicht geschehen
denn den hat George W. Bush ja allein vom Zaun gebrochen. Das TZerrorismus-Argument hätte bei Al Gore vermutlich nicht gezogen.
Sukram71 (12.10.2007, 14:40 Uhr)
@tripex
"Was hat eigentlich Frieden mit Klima zu tun? Verstehe ich irgendwie nicht."
--
- Wenn man weiterhin auf Öl, Gas und Kohle als Energieträger setzt, dann schädigt man nicht nur das Klima, sondern Öl, Gas und Kohle werden auch immer knapper und es kann Krieg darum geben.
- Wenn Teile der Welt wegen dem Klimawandel schlecht bewohnbar werden und die Menschen massenhaft woanders hinwollen, dann könnte es Krieg geben.
Nur Zum Beispiel.
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