Der britische Außenminister Jack Straw hält einen Irak-Krieg für wahrscheinlicher als je zuvor, sogar Kanzler Schröder hat wenig Hoffnung auf friedliche Lösung.

Für Jack Straw wurde der Krieg "wesentlich wahrscheinlicher"© ddp
Einen Tag vor dem Krisengipfel auf den Azoren sind die Hoffnungen auf eine friedliche Beilegung des Irak-Konflikts weiter geschwunden. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezweifelte, dass sich ein Krieg noch vermeiden lasse. Der britische Außenminister Jack Straw nannte ihn wahrscheinlicher als je zuvor. Die EU-Verteidigungsminister riefen zur Vorbereitung auf humanitäre Hilfe auf. Unterdessen legte Irak den UN einen neuen Bericht über den Verbleib von Beständen des Nervengases VX vor.
Auf den zu Portugal gehörenden Azoren wollen US-Präsident George W. Bush, der britische Premierminister Tony Blair und der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar am (morgigen) Sonntag über ihr weiteres Vorgehen beraten. Die drei Sicherheitsratsmitglieder haben eine neue Irak-Resolution vorbereitet, in der dem irakischen Staatschef Saddam Hussein ein kurzfristiges Ultimatum gesetzt werden soll. Bislang hat sich in dem UN-Gremium jedoch keine Mehrheit für eine kriegslegitimierende Entschließung abgezeichnet.
Bush Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice nannte den Gipfel einen letzten Vorstoß, um die Partner davon zu überzeugen, "dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen sollten". Wie aus Diplomatenkreisen verlautete, will Blair sich dafür einsetzen, die umstrittene Resolution zurückzuziehen, um eine Niederlage im Sicherheitsrat zu vermeiden. Dies allerdings könnte Beobachtern zufolge einen Kriegsbeginn beschleunigen. US-Beamte bereiten nach eigenen Angaben bereits eine entsprechende Rede des Präsidenten an die Nation vor.
Schröder sagte dem Kölner Deutschlandfunk, er gebe die Hoffnung auf eine politische Lösung noch nicht auf. Daran arbeite die Bundesregierung weiter mit Frankreich, Russland, China und anderen Partnern. Ob es gelingen werde, sei eine Frage, die letztlich vor allem in den USA entschieden werde.