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23. März 2008, 19:40 Uhr

China will Aufstand "zerschmettern"

Exiltibeter haben angekündigt, die Feier zur Entzündung der olympischen Fackel in Griechenland stören zu wollen. Angeblich sind mehrere große Klöster in Tibet von jeder Versorgung abgeschnitten - und China bleibt bei seiner harten Linie, die Autonomiebestrebungen in Tibet um jeden Preis zu stoppen.

Chinesische Sturmtuppen maschieren über den Hauptplatz von Kangding, etwa around 400 km westlich von Chengdu in der Sichuan Provinz© David Gray/Reuters

China hat zur Niederschlagung der "Verschwörung und Sabotage" durch die Unabhängigkeitskräfte in Tibet aufgerufen. Als vorläufiger Höhepunkt der angelaufenen Propagandakampagne wurde dieser Aufruf des kommunistischen Parteiorgans "Renmin Ribao" (Volkszeitung) am Sonntag über größere Zeitungen verbreitet. Einigen internationalen Medien wurde Verdrehung von Tatsachen vorgeworfen. Ausländische Kritiker wurden beschuldigt, die Gewaltakte der Randalierer bei den Ausschreitungen in Lhasa und das Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte mit zweierlei Maß zu messen. Die Proteste begannen am 10. März in Tibet. China gibt die Zahl der Toten bei den Unruhen offiziell mit 22 an. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung in Indien wurden 99 Menschen getötet, 80 in Lhasa und 19 in Gansu.

Auch deutsche Medien beschuldigt

Außer dem US-Nachrichtensender CNN und anderen wurden in einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Sonntag auch deutsche Medien genannt. Der deutschen Zeitung "Berliner Morgenpost" wurde eine falsche Bildunterschrift vorgeworfen. Unter einem Bild, auf dem die Polizei einen Chinesen vor einem Angriff von Randalierern rette, stehe, dass ein "Aufständischer" von der Polizei mitgenommen werde, schrieb Xinhua.

Die "Berliner Morgenpost" hatte Fotos von der Szene in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sowohl in ihrer Online-Ausgabe als auch in der Zeitung vom 17. März veröffentlicht. Im Internet lautete die Bildunterschrift: "Ein Aufständischer wird während der Proteste in Tibets Hauptstadt Lhasa von Sicherheitsbehörden abgeführt." In der Zeitungsausgabe hieß es: "Aufnahmen des chinesischen Fernsehens zeigen einen Jungen, der von bewaffneten Streitkräften in Kampfanzügen durch die Straßen von Lhasa gejagt und verhaftet wird." Was das Foto wirklich zeigt, war zunächst nicht aufzuklären.

Offener Brief chinesischer Intellektueller

Erstmals meldeten sich auch in China kritische Stimmen, die ihrerseits der Regierung "einseitige Propaganda" vorwarfen. Eine Gruppe chinesischer Autoren und Intellektueller bemängelte, dass in Chinas Staatsfernsehen vor allem tibetische Demonstranten in Lhasa gezeigt würden, wie sie chinesische Läden und Behörden angriffen. Die Berichterstattung heize die Feindseligkeiten zwischen den Volksgruppen zusätzlich an und verschärfe eine ohnehin gespannte Situation, hieß es in einem offenen Brief von 29 Unterzeichnern, der im Internet veröffentlich wurde. Sie riefen die Regierung zum Dialog mit dem Dalai Lama auf, forderten ein Ende der "gewalttätigen Unterdrückung" und ermahnten die Tibeter zur Gewaltlosigkeit.

"Ein Land, das die Spaltung seines Gebiets verhindern will, muss zu allererst die Teilung zwischen seinen Volksgruppen verhindern", hieß es in dem Brief. "Deshalb appellieren wir an die Führung unseres Landes, einen direkten Dialog mit dem Dalai Lama zu führen." Peking solle angebliche Beweise veröffentlichen, wonach die blutigen Unruhen in Tibet von langer Hand vom Dalai Lama und Exiltibetern vorbereitet worden seien. Diese Vorwürfe sowie die Situation in Tibet sollten von unabhängiger Seite untersucht werden. Zu den 29 unterzeichnenden Autoren, Journalisten, Juristen und Akademikern gehören auch der Vorsitzende des chinesischen Pen-Clubs, Liu Xiaobo, und der praktisch unter Hausarrest gestellte Schriftsteller Wang Lixiong. Sie forderten auch die Öffnung Tibets für die in- und ausländische Presse.

China bleibt bei Anschuldigungen gegen den Dalai Lama

Die kommunistische Führung demonstrierte aber eine harte Linie. Die größeren staatlichen Zeitungen gaben den Aufruf des Parteiorgans weiter, die Unabhängigkeitskräfte zu "zerschmettern". Der Dalai Lama und die Exiltibeter hätten die Unruhen geplant und organisiert haben - "mit der bösartigen Absicht, die Olympischen Spiele untergraben und Tibet vom Vaterland abspalten zu wollen". Ein Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua übte scharfe Kritik an der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die sich am Freitag bei einem Besuch beim Dalai Lama im indischen Dharamsala gegen Chinas "Unterdrücung" in Tibet ausgesprochen hatte. "Als Verteidigerin von Brandstiftern, Plünderern und Mördern" habe Pelosi ihre eigene "moralische Autorität verloren, über Menschenrechte zu sprechen".

Nachdem die Proteste von Lhasa auf andere Gebiete des alten Tibets in den Nachbarprovinzen Gansu, Qinghai und Sichuan übergegriffen hatten, sind große Truppenkontingente entsandt worden. Nach amtlichen Angaben sind bei Unruhen in dem Gebiet Gannan in Gansu insgesamt 94 Menschen verletzt worden. Auch in den Orten Xiahe, Machu, Luchu, Jone und Hezuo habe es Ausschreitungen gegeben, berichtete Xinhua. In Gannan sowie in der Region Aba in Sichuan herrsche jetzt Ruhe. Exiltibeter hatten von Dutzenden von Toten in den Gebieten berichtet.

Klöster von Versorgung abgeschnitten

Mehrere große Klöster in Tibet sind nach Informationen der deutschen Tibet Initiative von der Wasser- und Lebensmittelversorgung abgeschnitten. "Hier droht eine humanitäre Katastrophe, da den Mönchen auch ein Verlassen der Klöster verweigert wird", erklärte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Grader am Sonntag in einer Mitteilung. Über einen Vertrauensmann, der telefonischen Kontakt in die Region habe, habe die in Berlin ansässige Initiative erfahren, dass die großen Klöster Zentraltibets - Drepung, Ganden und Sera - von der Versorgung abgeschnitten worden seien.

Zudem werde verletzten Tibetern die medizinische Versorgung vorenthalten, sagte Grader. Krankenhäusern und Ärzten sei es nach Informationen der tibetischen Exilregierung verboten, Tibeter medizinisch zu versorgen. Vor allem im Osten Tibets hielten die Proteste an, hieß es. In Lhasa dagegen gebe es massenhafte Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Tausende Menschen würden in chinesische Gefängnisse auch außerhalb Tibets gebracht. Nach der Ausweisung der ausländischen Journalisten aus Tibet dringen kaum noch unabhängig überprüfbare Informationen nach außen.

Exil-Tibeter ausspioniert

Bei ihren Protesten in Deutschland werden Exil-Tibeter nach eigener Darstellung von chinesischer Seite ausspioniert. "Chinesische Spitzel aus Botschaft und Konsulaten mischen sich in Deutschland unter unsere Demonstranten. Sie versuchen uns auszuspionieren oder die Veranstaltungen zu stören", sagte der Mitbegründer des Vereins der Tibeter in Deutschland, Tsewang Norbu, der "Bild am Sonntag". Nach einer Emnid-Umfrage für das Blatt befürworten 36 Prozent der Deutschen einen Olympia-Boykott. 58 Prozent wollten hingegen, dass Deutschland an den Olympischen Spielen in China teilnimmt.

AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
mupfeline (24.03.2008, 12:10 Uhr)
@Nuvla
Die "chinesischen Betonköpfe" sind deshalb näher an der Realität weil bei ihnen Menschenleben nicht viel zählen. DAS ist nun wieder SEHR menschlich. Ehrlich gesagt jedoch ist mir ein Dalai Lama am kleinen Finger lieber als diese mörderische Realisten-Bande in Peking mit der ganzen Hand.
Was aber hier für ein Hickhack um diese "olympischen Spiele des "Friedens und der Völkerverständigung" gemacht hat, das ist mir ein Rätsel. Natürlich sind die Spiele in Peking und auch für das IOC ein Wirtschaftsfaktor deshalb wird man sich vor einem Boykott hüten. Ich weiss nicht ob ein Boykott sinnvoll ist - für mich haben solche bombastischen großen Sportereignisse schon lange ihren Sinn verloren. Da wird gedopt, gelogen, die Situation schön geredet und beschissen noch dazu. Solche Großereignisse dienen nur noch dazu die Kassen der Beteiligten zu füllen - ihren Sinn verloren haben sie schon lange. Deshalb findet dieser Kram ohne mich statt - will heißen mein TV hat da Sendepause.
Nursery (24.03.2008, 09:59 Uhr)
Korrektur

Der oberste Chef ist der "IOC Präsident" J. Rogge des nicht Blatter,Präsident der FIFA (hat mindestens so viel Dreck am Stecken).
Nursery (24.03.2008, 09:51 Uhr)
Falsche Entscheidung
Es war eine Falsche Entscheidung die O.Spiele nach China zu holen.Alleine schon die Größe des Landes und die Anzahl der Potenziellen Verbraucher hat den Verstand der Olymp.Funktionäre aussetzen lassen.
Diese Funktionäre wie Blatter sind widerlich in ihrer Einstellung zu den Spielen.Hier wird Klar der Olympische Geist für den Kommerz geopfert.Diese Funktionäre die weder demokratisch gewählt noch mit sauberen Methoden arbeiten, sind das eigentliche Problem an diesen Spielen.Das diese Herren jetzt Angst haben um Ihre Investitionen liegt klar auf der Hand.Wie verabschuungswürdig muß man sein, nach diesen Vorgängen in China keine moralische Unterstützung für die Tibeter und ihr Volk zu bringen.Das Rote Regime haßt nicht mehr, als den Spiegel vorgehalten zu bekommen wie niederträchtig und verachtenswert sie die Menschen behandeln.Den nötigen Gegendruck in der Meinungsbildung muß wieder von den Zuschauern, in den demokratischen Ländern selbst wieder selbst kommen.
Daß wir die Spiele mit Blut in Verbindung bringen und massive Menschenrechtsverletzungen des Regime an den Minderheiten beklagen, ist ein deutlicher Beweiß.
Nuvla (24.03.2008, 07:37 Uhr)
Die "chinesischen Betonköpfe" ...
... scheinen doch näher bei der Realität zu stehen, als der Dalai Lama.
Zumindest bilden sie sich nicht ein, als wiedergeborener Gott auf dieser Erde zu wandeln. Das ist doch immerhin schon etwas.
sjm2000 (24.03.2008, 01:09 Uhr)
Geschichte wiederholt sich
Frueher oder spaeter wird es China genauso wie der UDSSR oder Jugoslavien ergehen. Ein Voelkergemisch dieses Ausmasses kann man einfach nicht mit Gewalt zusammenhalten. Die Geschichte wird sich auch hier zum zig-ten Mal wiederholen. Da passt es gerade gut Olympia das zu zeigen was es verdient, Nichtbeachtung. In vielen Bereichen ist es nur noch ein Wettstreit der Doping-Aerzte. Wer hin will soll gehen, wem daran gelegen ist, dass es endlich aufhoert junge Sportler vor die Frage zu stellen, keine Chanse auf den Sieg zu haben oder zu Dopen, sollte nicht einmal die Glotze einschalten.
Georges13437 (23.03.2008, 23:17 Uhr)
Ein Jugoslawien wird es in China nicht geben.
China hat die Augen aufgemacht und wird verhindern, das eine Situation entsteht wie in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und dem Ex- Jugoslawien. Einer chinesischen Regierung war doch bisher immer egal, was aus den westlichen Ländern an Getöse über den Himalaja oder dem Kaukasus kam. Es soll ja Politiker geben in westlichen Ländern , die immer am Grad zur Lächerlichkeit balancieren. Ich will damit nur andeuten, selbst wenn ein Herr Steinmeier oder ein Herr Pöttering mal was richtiges sagen, wird es Peking einen feuchten Dreck interessieren. China selbst ist im Sicherheitsrat, Deutschland nicht. In ein paar Wochen ist das Gras so hoch gewachsen, dass die Toten und Verletzten nicht mehr zu sehen sind.
Mfg Georges P.
042020 (23.03.2008, 23:10 Uhr)
@JEDIFREUND
Recht hast, bei unserem freund
dem Eingebuergert darf eines nie fehlen -immer sind die bosen amis an allem schuld.
da er keine umlaute auf seinen tasten hat, glaube ich er lebt sogar
in der US.
ganzbaf (23.03.2008, 21:06 Uhr)
Erst die freie Weltpresse rausschmeissen..

und dann am liebsten noch die kritischen Zeitungsartikel im Ausland verbieten wollen!...
)-:
.
Genauso anmaßend und hirnverbrannt, wie muslimischen Hetzattacken auf westliche Karikaturisten.
jedifreund82 (23.03.2008, 21:02 Uhr)
Wieso kann man ...
... hier niemanden auf eine Art Ignore-Liste setzen? Solchen geistigen Dünnschiss wie Eingebürgert tagtäglich hier von sich gibt muß ich mir nicht geben. Als die Gehirne verteilt wurden war er wohl gerade nicht anwesend, meine Fresse ...
Eingebuergert29 (23.03.2008, 20:17 Uhr)
Klarstellung
Zitat: "China will Aufstand zerschmettern".
Das haben die bereits!
Aufstand!? Welcher Aufstand!?
Meinen Sie etwa den von CIA und der Dalai Lama Bande inszenierten Aufstand!
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