Sechs weitere Tibeter zünden sich selbst an

8. November 2012, 12:23 Uhr

Der Parteikongress der chinesischen Kommunisten wird überschattet von weiteren Selbstverbrennungen in tibetischen Gebieten. Nie zuvor haben sich in so kurzer Zeit so viele Tibeter selbst angezündet.

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Vielfache Selbstverbrennungen überschatten den Parteikongress der chinesischen Kommunisten©

Sechs weitere Tibeter haben sich aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über das tibetische Volk selbst verbrannt. Mindestens zwei von ihnen kamen ums Leben, darunter eine Mutter und ein Jugendlicher, wie exiltibetische Kreise und Aktionsgruppen am Donnerstag berichteten. Die Protestaktionen passierten am Mittwoch und Donnerstag, während sich in Peking die chinesischen Kommunisten zu ihrem einwöchigen Parteitag versammelten. Nie zuvor hat es in zwei Tagen so viele Selbstverbrennungen gegeben.

Drei Mönche im Alter von 15 und 16 Jahren überschütteten sich am Mittwoch vor einer Polizeistation in Gomang im Kreis Aba (Provinz Sichuan) mit Benzin und zündeten sich an. Zuvor hätten sie nach Freiheit für Tibet und der Rückkehr des religiösen Oberhauptes der Tibeter, Dalai Lama, gerufen, berichtete Free Tibet aus London. Der jüngste von ihnen sei ums Leben gekommen. Mehr als zwei Drittel der mehr als 60 Tibeter, die sich bislang selbst verbrannt hätten, seien jünger als 25 Jahre gewesen.

Chinas Tibet-Politik gescheitert

"Wir rechnen damit, dass die tibetischen Proteste während des Parteitages weiter eskalieren werden", sagte die Direktorin der Aktionsgruppe, Stephanie Brigden. Eine weitere Selbstverbrennung gab es am Mittwoch im Kreis Tongren in der Provinz Qinghai, wo sich eine 23-jährige Tibeterin nahe des Rongwo Klosters selbst anzündete und starb. Mehrere tausend Tibeter hätten daraufhin gegen die tibetische Herrschaft protestiert, berichtete der US-Sender Radio Free Asia (RFA) unter Berufung auf exiltibetische Quellen.

Im Kreis Tongren gab es am Donnerstag eine weitere Selbstverbrennung, wie die exiltibetische Regierung aus Indien berichtete. Details waren wie am Vortag bei einer ähnlichen Aktion in der Präfektur Nagqu in Autonomen Region Tibet zunächst nicht bekannt.

"Chinas neue Führung muss ihre Tibet- und Nationalitäten-Politik grundlegend überdenken", forderte der Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Ulrich Delius, in Göttingen in einer Mitteilung. "Chinas Tibet-Politik ist gescheitert", sagte Delius. "Ohne ein deutliches Zeichen echter Dialogbereitschaft der chinesischen Machthaber wird die Welle der entsetzlichen Selbstverbrennungen nicht abebben."

ivi/AFP
 
 
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