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26. Juli 2006, 09:21 Uhr

Bundeswehr in Krawallen verwickelt

In Kinshasa sind Bundeswehr-Soldaten von Demonstranten angegriffen worden. Der Vorfall ist kein Einzelfall. Denn je näher der Wahl-Sonntag rückt, desto heftiger sind die Proteste.

In Kinshasa machen Demonstranten ihrem Ärger Luft© Marco Longari/AFP

Die Bundeswehr ist in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa in Ausschreitungen am Rande einer Wahlkundgebung verwickelt worden. Die drei deutschen Soldaten in dem Bus befanden auf der Fahrt vom Flughafen N'Djili zum Hauptquartier N'dolo, als Demonstranten die Scheiben ihres VW-Busses zertrümmerten. Oberstleutnant Peter, erklärte, dass es sich nicht um einen gezielten Angriff gegen die Deutschen oder die europäische Kongo-Truppe Eufor gehandelt habe, die übrigen Fahrzeuge am Rande der Kundgebung seien ebenfalls angegriffen worden. Die Angreifer hätten vermutlich einfach ihrem Frust Luft gemacht. Insgesamt sei die Lage ruhig, für die deutschen Soldaten bedeute der Vorfall keine Bedrohung.

Mehrere hundert Anhänger der Oppositionspartei UDPS protestierten gegen die für Sonntag geplanten Wahlen und blockierten die Hauptstraße vom Flughafen in die Innenstadt. Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein, um die Demonstration aufzulösen. Es wurde zunächst nicht bekannt, ob es Verletzte gab. Etwa 280 deutsche Soldaten sind mittlerweile in Kinshasa angekommen. Sie bilden einen Teil der 2000 Mann starken europäischen Truppe, die die ersten Wahlen seit mehr als 40 Jahren im Kongo absichern soll. Die Bundeswehr hat in Kinshasa ein Lazarett aufgebaut und soll in den kommenden Tagen mit drei Hubschraubern vom Typ CH-53 den Transport von Truppen und Material im Großraum Kinshasa übernehmen.

Straßenschlachten und Bedrohung von Ausländern

In Kinshasa hatten sich am Dienstag tausende Anhänger der Opposition fünf Tage vor den Wahlen Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die kongolesische Polizei feuerte Warnschüsse und Tränengas ab, um die Menge zu zerstreuen, die die Straße zum Flughafen blockierte. Die Oppositionsanhänger rissen Wahlplakate ab, warfen Steine und Brandsätze. Sie warfen der internationalen Gemeinschaft vor, die Wahlen nur zu unterstützen, um dem amtierenden Präsidenten Joseph Kabila zum Sieg zu verhelfen. Einige bedrohten Ausländer mit dem Tod. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die Menge vor. Die gewalttätigen Proteste gaben Befürchtungen neue Nahrung, dass es mit den Wahlen am Sonntag erneut zu Gewaltausbrüchen in dem von Bürgerkriegen gezeichneten Land kommen könnte.

In den vergangenen Wochen war es im Zusammenhang mit den für Sonntag angesetzten Wahlen bereits mehrfach zu Zwischenfällen gekommen. Die ersten freien Parlaments- und Präsidentenwahlen im Kongo seit vier Jahrzehnten sollen einen Schlussstrich unter den Bürgerkrieg ziehen, bei dem von 1998 bis 2003 rund vier Millionen Menschen ums Leben kamen. Die Bundeswehr hat zur Absicherung der Wahlen 780 Soldaten in den Kongo und nach Gabun entsandt. Sie sind Teil einer aus 2000 Soldaten bestehenden Truppe der Europäischen Union (EU).

Reuters/DPA
 
 
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