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26. März 2009, 16:32 Uhr

Geithner greift bei Hedgefonds durch

Nun also doch: US-Finanzminister Timothy Geithner will schärfere Regeln für das Finanzsystem durchsetzen. Demnach sollen Derivate erstmals einer Regulierung unterworfen werden. Außerdem müssen größere Hedgefonds künftig ihre Bücher offenlegen.

Hedgefonds, US-Regierung, Kontrolle, Derivate

Finanzminister Timothy Geithner will die Vorschläge der US-Regierung zur besseren Kontrolle der Finanzfirmen vorstellen© Shannon Stapleton/Reuters

Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise will die US-Regierung den Finanzsektor künftig an die Leine legen. Finanzminister Timothy Geithner stellte am Donnerstag vor dem Kongress in Washington Details seiner Pläne für eine massiv verschärfte staatliche Kontrolle vor, die den Sektor komplett neu ordnen soll. Die Pläne sehen unter anderem mehr Transparenz und eine Beschränkung riskanter Geschäfte vor.

Im Zuge der Reform will Geithner erstmals großen Finanzunternehmen wie Hedgefonds und hochspekulativen Anlageformen wie Derivaten ein staatliches Kontrollkorsett anlegen. So sollen Hedgefonds und andere private Investmentfonds ab einer bestimmten Größe bei der Börsenaufsicht registriert werden und eine Überprüfung ihrer Bücher zulassen müssen. Bislang konnten solche Fonds, deren weltweites Kapital auf mehr als eine Billion Dollar geschätzt wird, weitgehend frei von staatlicher Kontrolle arbeiten.

Auch der bislang nicht regulierte Markt für Derivatanlagen soll kontrolliert werden, um "Investoren und die Integrität des Marktes zu schützen", sagte Geithner. Mit solchen schwer zu durchschauenden Investment-Wetten hatten arglose Anleger zuletzt viel Geld verloren. Geithners Maßnahmen sollen eine Wiederholung der gegenwärtigen Krise verhindern, die durch den Kollaps kaum regulierter hypothekenbesicherter Wertpapiere ausgelöst worden war.

Geithner strebt an, die Aufsicht über den Finanzsektor künftig bei einer einzigen Kontrollbehörde zu bündeln. Bislang verteilen sich die Zuständigkeiten auf mehrere staatliche Stellen. Die Kontrollbehörde solle für große Akteure auf dem Finanzmarkt allgemein gültige strengere Regeln durchsetzen. Diese systemrelevanten Unternehmen, deren Kollaps die gesamt Wirtschaft bedrohen würde, sollten künftig zu mehr Eigenkapital verpflichtet werden und Beschränkungen bei riskanten Investitionen unterliegen.

"Auf fundamentale Art und Weise versagt"

US-Präsident Barack Obama werde die Vorschläge für ein schärferes System der Finanzmarktregulierung in der kommenden Woche auf dem G-20-Gipfel in London unterbreiten, kündigte Geithner an. Mit seinen Vorschlägen kommt der Minister den Vorstellungen der Europäer deutlich entgegen. Die deutsche Bundesregierung und andere hatten seit Jahren in den USA für eine stärkere Kontrolle unregulierter Finanzakteure geworben, sich dabei aber regelmäßig Absagen in Washington eingehandelt.

Geithner warb vor den Abgeordneten um Zustimmung für seine Pläne. Das Finanzsystem der USA habe in der Krise "auf fundamentale Art und Weise versagt", sagte Geithner. Es sei eine "umfassende Reform" nötig. "Es geht nicht um einige Reparaturen am Rande, sondern um neue Spielregeln", betonte der Minister. Eine umfassende Neuordnung der Finanzaufsicht sei entscheidend für alle anderen Bemühungen, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Der Umbau des Finanzsektor müsse mit entsprechenden Regelungen in anderen Ländern einhergehen, forderte Geithner. "Wir müssen sicherstellen, dass die weltweiten Standards für die Finanzmarktregulierung mit jenen hohen Bestimmungen in Einklang stehen, welche die USA umsetzen wollen", sagte er. Obama werde auf dem G-20-Gipfel "die Wichtigkeit weltweit verbesserter Standards unterstreichen". Es dürfe "kein Wettrennen" mehr um die lockersten, sondern nur noch um die besten Regulierungen geben.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
mike24121953 (27.03.2009, 09:15 Uhr)
sehr guter Ansatz
Die USA befinden sich auf einem sehr guten Weg!
Aber, nicht nur das Finanzsystem der USA hat auf fundamentale Art und Weise versagt, das Weltweite Finanzsystem schlechthin MUSS rein mathematisch immer wieder versagen, solange das System nicht wie folgt funktioniert:
Es darf das nur soviel Geld in Umlauf gebracht werden, wie auch Gegenwerte vorhanden sind, und auch dabei nur mit Zinsen gearbeitet werden, die aufgrund der vorhandenen Geldmenge real zurückgezahlt werden können!... heißt anders formuliert, wenn sich jeder sein Geld auszahlen lässt und seine Kredite zurückfordert, muss eben genau soviel Geld auch zur Auszahlung da sein, und somit auch der entsprechende Gegenwert.
Eigentlich ganz einfach! Die Wahrheit ist immer klar und durchsichtig. Kompliziert ist immer nur der Irrtum.
Der dritte Präsident der USA hat den Irrtum schon erkannt, indem er sagte:
„Falls das amerikanische Volk die Kontrolle und die Herausgabe seiner Währung jemals Banken übertragen sollte, werden diese ( und die Firmen, die sich herum bilden werden ) dem Volk zuerst mittels Inflation und dann über Deflation solange dessen Eigentum wegnehmen, bis die Kinder auf dem Kontinent, den ihre Väter in Besitz genommen haben, obdachlos aufwachen.
Die Berechtigung zur Herausgabe von Geld soll den Banken weggenommen und auf den Kongreß und das Volk übertragen werden.
Ich glaube ernsthaft, dass Banken mit dem Recht, Geld herauszugeben, gefährlicher für die Freiheit sind als stehende Armeen.“ Thomas Jefferson (1743-1826)
Der folgende Link macht sehr einfach und deutlich klar, warum unser weltweites Finanzsystem immer wieder zum Crash führen muss. Dieses Video sollte zum Pflichtprogramm an allen Schulen gehören und eigentlich müsste jeder Finanzminister dieser Welt wissen, warum dieses heutige System nicht beliebig lange funktionieren kann.
http://video.google.com/videoplay?docid=-2537804408218048195
„Die Schwierigkeiten liegen nicht so sehr in den neuen Gedanken, als vielmehr in der Befreiung von den alten.“
bundesboy (27.03.2009, 01:09 Uhr)
Noch ist nix entschieden, aber die Richtung stimmt
Wenn die Amerikaner das wirklich durchziehen, dann geraten die Leichtmatrosen bei uns aber ganz schön in Bedrängnis und auch in manchen Chefredaktionen wird so mancher Wortmüll eher bereits auf der Zunge verbrennen, als dass er noch für die Verbreitung per Druckerschwärze freigegeben würde. Noch ist zwar nix entschieden, aber die Richtung stimmt langsam. Weil sich Obama offenbar auch endlich von der Vorstellung verabschiedet hat, den Wandel unter Mithilfe der Republikaner herbeizuführen. Er sollte es doch eigentlich auch allein schaffen, statt mit Stolperfallenstellern gemeinsame Sache zu machen.
hannes_schinder (27.03.2009, 00:16 Uhr)
Die Hedgefonts sind nur die Spitze des Eisbergs!
Korruption an der Börse ist nochmal ein ganz anderes Thema!!!
STR_EDDS (26.03.2009, 20:05 Uhr)
...
Während wir Europäer die Ungerechtigkeit der Weltordnung und die Geldgier der Banker (es könnten auch die Bewohner von Tukka-Tuka-Land sein, es ist so arbiträr!) bejammern, während die Oberaufseher der Wüstenbewohner die Steueroasen bekämpfen, während unsere Politiker sich im Dauerwahlkampf verlustigen, während unsere Regierungen intern und im Schaukampf vor dem Stimmtrottel Rechtfertigungen für Subventionen an sterbende Industrien suchen, während unsere Europäischen Oberjehus sich gegenseitig beste Ratschläge erteilen, noch während Spiegel das Geithner-Bashing der US-Presse zusammenfasst, kurz gesagt, whährend wir uns in unserer selbst angerichteten Sosse suhlen handeln die Amerikaner!
Aquarius2 (26.03.2009, 19:54 Uhr)
Unfassbar!
da wird die große Koalition in GER wohl bald einen politischen und Wirtschaftsboykott gegen die USA und ihre Regierungsvertreter veranlassen müssen.
Unsere Spitzenpolitiker von CDU/SPD/CSU gemeinsam mit der FDP haben mit viel Mühe und Sorgfalt allen Heuschrecken die deutsche Wirtschaft zum Fraß vorgeworfen - und nun dieser hinterhältige Rückschlag der neuen USA-Administration.
Die Amis sind eben unberechenbar!
Aber vielleicht kommen sie doch noch zur Vernunft und verharren mit uns im bestehenden System.
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