22. Februar 2008, 13:03 Uhr

Russland gibt Westen Mitschuld

Bei den gewalttätigen Ausschreitungen gegen Botschaften in Belgrad ist ein Deutscher leicht verletzt worden. Die russische Regierung gibt den westlichen Ländern eine Mitschuld an den Krawallen, weil sie den Kosovo anerkannt hätten. Die EU hat ihre Gespräche mit Serbien auf Eis gelegt.

Kroatische Botschaft in Belgrad in Brand: "Die serbische Polizei muss für die Sicherheit geradestehen"©

Eine deutscher Sicherheitsbeamter ist bei den schweren Ausschreitungen in Belgrad leicht verletzt worden. An der deutschen Botschaft sei erheblicher Sachschaden entstanden, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Die Bundesregierung verurteile die gewaltsamen Ausschreitungen gegen eine Vielzahl von Botschaften aufs Schärfste. Das Auswärtige Amt bestellte die serbische Geschäftsträgerin ein, um gegen die Vorfälle zu protestieren. Der serbische Botschafter war aus Protest gegen die Anerkennung des Kosovos durch Deutschland zurückgerufen worden.

Nach Angaben von Außenamtssprecher Martin Jäger hatten Demonstranten versucht, gewaltsam die Tür zum deutschen Botschaftsgebäude aufzubrechen. Dies sei aber nicht gelungen. Vor der Botschaft sei ein Unterstand für das Wachpersonal der serbischen Polizei in Brand gesetzt worden. "Diese Dinge kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte Jäger. "Wir gehen davon aus, dass die serbische Polizei jetzt für die Sicherheit der Botschaft geradesteht."

Russland hat dem Westen eine Mitschuld an den Brandanschlägen auf die Botschaften in Belgrad zugewiesen. Moskau bedaure die Ausschreitungen, sagte der russische Außenamtssprecher Michail Kaminin. Allerdings hätten die Länder, die die Unabhängigkeitbestrebungen des Kosovo unterstützten und die frühere serbische Provinz als eigenständigen Staat anerkannten, "mit den Konsequenzen eines solchen Schrittes" rechnen können.

Moskau, das als UN-Vetomacht Belgrad unterstützt und vehement gegen die Unabhängigkeit des Kosovo protestiert hatte, warnte die Europäische Union und die Nato vor einem Einschreiten im Kosovo. Sollten die EU-Mitgliedstaaten eine "gemeinsame Position" ausarbeiten oder die Nato ihr Kosovo-Mandat überschreiten, setzten sich diese Bündnisse über die Vereinten Nationen hinweg, so der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin. "Um respektiert zu werden, müssten wir dann grobe Gewalt, also militärische Kraft anwenden", fügte er hinzu.

Die jüngste Welle der Gewalt in Belgrad erinnert nach Worten des kosovarischen Ministerpräsidenten Hashim Thaci an die Ära des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic. In seinem ersten Interview seit Ausrufung der Unabhängigkeit bezeichnete der Regierungschef die Bilder von dem Überfall auf die US-Botschaft in Belgrad als schrecklich. Er sei aber zuversichtlich, dass die Nato-Soldaten und die diplomatische Anerkennung des Kosovos durch die USA und mehrere europäische Staaten die Sicherheit des jungen Staates garantierten.

Die Europäische Union hat derweil die Annäherung zu Serbien vorerst auf Eis gelegt. "Wir brauchen jetzt eine Rückkehr zur Ruhe", sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Rande eines Treffens der EU-Verteidigungsminister im slowenischen Brdo nördlich der Hauptstadt Ljubljana. Dies sei Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über das geplante Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA). Das Abkommen gilt als erster Schritt zu einem EU-Beitritt.

"Serbien hat die Pflicht, die Botschaften zu schützen", sagte Solana. Bereits in der Nacht hatte er die Anschläge als "völlig inakzeptabel" verurteilt. Nach einer Massenkundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovo setzten serbische Nationalisten mehrere westliche Botschaften in Flammen. Ein Mensch kam ums Leben.

Die Kosovo-Frage wird damit endgültig zur Belastungsprobe für die Beziehungen zwischen Serbien und der EU. Erst Ende Januar scheiterte die Unterzeichnung des bereits paraphierten Stabilisierungsabkommens am Veto der Niederlande. Den Haag macht die Auslieferung des früheren bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic durch Belgrad zur Bedingung. Mladic ist wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ein Übergangsabkommen mit der EU scheiterte Anfang Februar am Widerstand Serbiens. Regierungschef Vojislav Kostunica protestierte damit gegen die bevorstehende Anerkennung des Kosovo durch die meisten EU-Staaten.

Ausschreitungen an Botschaften Die Krawalle in Belgrad erinnern an frühere Attacken aufgebrachter Demonstranten auf Botschaften:
- Wegen der Mohammed-Karikaturen kam es im Februar 2006 zu Massenprotesten in islamischen Ländern. In der syrischen Hauptstadt Damaskus setzten aufgebrachte Muslime ungehindert die norwegische und dänische Botschaft in Brand. In Teheran verwüsteten militante Jugendliche die dänische Vertretung und bewarfen die deutsche Botschaft mit Steinen und Brandsätzen.
- Im Februar 1999 stürmten und verwüsteten Anhänger des Kurden-Führers Abdullah Öcalan griechische und andere Botschaften in mehreren europäischen Ländern. Im israelischen Konsulat in Berlin wurden drei Kurden von israelischen Sicherheitskräften erschossen.
- Fanatische Anhänger des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini stürmten im November 1979 die US-Botschaft in Teheran. Bis zur Freilassung der letzten 52 Geiseln vergingen 444 Tage. Das Regime duldete und rechtfertigte den Verstoß gegen das Wiener Abkommen.

AFP/DPA/Reuters/AP/nik
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
beki-123 (23.02.2008, 01:02 Uhr)
an domibesa
serben unzivilisiert?aber kosovo-siptari die ,bevor milosevic,leute abgeschlachtet haben die sind zivilisiert oder was?schäm dich
h-p-t (22.02.2008, 17:51 Uhr)
@zaxxon & @r.k.
ich glaube das sich viele kommentare hier decken,sinngemaess.
mit euren beiden kommentaren ist eigentlich fast schon alles gesagt.
die politik wird natürlich nicht einen schritt zurückgehen und nachgeben, egal von welcher seite.
bleibt zu hoffen das die bevölkerung beider staaten so weitsichtig ist und nicht weiter brandschatzend durch die gegend läuft.
ich selber sehe jedoch schwarz, sobald die "besatzung" beendet wird und die truppen wieder abgezogen werden gibt es wieder "ethnische säuberungen" und "terrorakte".
na ja, friedliches wochenende auch von hier und ja zax, dem magen geht es wieder besser ;)
r.k. (22.02.2008, 16:57 Uhr)
Welche Moral ?
Kann mich nicht daran erinnern, daß die Russen oder Chinesen in den letzten Jahren einen Souveränen Staat angegriffen und zerbombt haben.
Fakt ist aber, das die Amerikaner während des Bombardements Jugoslawiens auch 'versehentlich' die chinesische Botschaft getroffen haben. Natürlich waren veraltete Karten die Ursache dafür, genau wie die Fehlanschätzung der vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak ein 'kleines Missgeschick' war.
Man versäumt es nicht die Menschenrechtsverletzungen in China oder Russland anzuprangern, aber was ist mit Guantanamo, Abu Ghuraib, El-Masri, Kurnaz und den vielen anderen, die noch irgendwo in Folterkellern der NATO hocken? Klar sind weder Russen noch Chinesen diesbezüglich Engel, aber jeder sollte erst den eigenen Hof sauber machen, bevor er den des Nachbars bespuckt.Man kann es drehen und wenden wie man will, die (jede)Politik bleibt schmutzig und geht zu Lasten des Volkes, vorzugsweise involviert man nicht das eigene. Der Kosovo dient einzig und allein einer Besatzung und wird nicht selbstständig geschweige denn demokratisch sein.Das was jetzt Tatsache ist, wird sich diplomatisch nicht mehr retten lassen, da jede Seite Ihre Position verteidigt. Ich hoffe nur, daß sich alle besinnen und die Waffen endlich beiseite legen. Der Balkan hat schon genug Blut gesehen. Über die politischen Folgen oder Ziele der Befürworter eines unabhängigen Kosovo ist es müßig zu streiten. Diese kennt Otto-Normalverbraucher doch eh nicht. In diesem Sinne, schönes und friedliches Wochenende allen.
zaxxon (22.02.2008, 15:57 Uhr)
@h-p-t
Nein, ich glaube nicht das die USA ein Garant für Frieden ist. Aber troz aller schlechten Eigenschaften und Taten ist der " Westen " mir 1000mal lieber als die Russen, China oder die Arabische Welt die meilenweit von "unseren" moralvostellungen und demokratieverständnis entfernt sind.
Ich hoffe ihr Magen beruhigt sich wieder ;-)
zaxxon (22.02.2008, 15:48 Uhr)
@totalewahrheit
Offensichtlich haben Sie meinen Kommentar nicht verstanden! Ich habe nirgendwo geschrieben das die Albaner / UCK sich besser verhalten als die Serben. Sie sind sehr Blauäugig, wenn Sie meine das die vertreibung der Serben keine Vorgeschichte hat. Ich bin auch kein Freund der Kosovo Unabhängigkeit doch ihren Kommentar finde ich veralgemeinert und tendenziell rassistisch!
h-p-t (22.02.2008, 15:45 Uhr)
@mupfeline
du hast noch was vergessen, abgesehen vom stoff werden sicher auch die nutten billiger.....
arme deutsche polizei, ich bedaure euch jetzt schon....
h-p-t (22.02.2008, 15:43 Uhr)
.@zaxxon
meinst du die albaner haben ( prozentual ) gesehen weniger verbrechen begangen ?
die albaner haben genauso wie die serben auch, geplündert, gebrandschatzt und vergewaltigt und gemordet.
und was glaubst du, die usa oder eu als garant für frieden ?
da muss ich kotzen, sorry.
aber du hast in der hinsicht recht das die russen auch net normal sind, von dem her, sch... auf die eu und die großmächte, jeder sollte sich um seinen sch... kümmern.
wie schön war das noch vor 30 jahren....( trotz kaltem krieg...)
mupfeline (22.02.2008, 15:11 Uhr)
Na zumindest besteht begründete Hoffnung
... dass 1. endlich der Stoff billiger wird und das 2. die albanische Mafia nun endlich ein ordentlich geschütztes Rückszugsgebiet hat. Immer diese Störungen in D ... da braucht man schon ein ordentliches Rückzugsgebiet. Afghanistan ist ein bisschen weit - aber nun haben sie es ja ein bisschen näher ins Zentrum Europas :)
Justizius (22.02.2008, 15:05 Uhr)
Es ist falsch..
..wegen der zutiefst verfehlten Politik eines Slobodan Milosevic gleich alle Serben zu strafen. Es ist ganz gleich, wie viele Albaner im Kosovo leben. Das Kosovo war schon immer ein Teil Serbiens und sollte es auch bleiben. Das, woran es fehlt, ist nicht die Unabhängigkeit des Kosovos, sondern der gegenseitige Respekt zwischen Serben und Albanern, sowie die Anerkennung von gemeinsamen Regeln und Rechten für das Zusammenleben beider Minderheiten.
DomiBesa (22.02.2008, 15:03 Uhr)
:)
lustig...Was sich Serben selber antun is doch nur zum LACHEN...hallo Leute, die Ganze Welt schaut euch zu ! I wuerde mich schaemen! so UNZIVILISIERT ! und uebrigens nirgendwo im Artikel steht dass so viele demonstranten gar nicht gegen Kosovos unabhaengigkeit protestiert haben, sie waren mehr daran interessiert in Laeden einzubrechen und Kleider, Schuhe und was auch immer vorhanden war, zu klaunen....(schaut doch mal im YouTube nach-"Kosovo za patike" )SEHR LUSTIG, denken sie nicht? man sieht ja wieviel die Serben ihr Land lieben und respektieren, so viel haben sie auch alle andere Staaten von ex-Yugoslavien geliebt, und deshalb auch alle verloren - endlich auch Kosova !
Viele Gruesse aus Kosovo :)
MEHR ZUM ARTIKEL
Brennende Botschaften UN verurteilt Übergriffe in Belgrad

Im serbischen Belgrad sind die Proteste gegen die Unabhängigkeit des Kosovo eskaliert: Demonstranten haben die dortige US-Botschaft angezündet. Auch die Vertretungen von Deutschland, Großbritannien und Kroatien wurden angegriffen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Übergriffe.

Serben im Kosovo Rübermachen oder bleiben?

700 Serben leben in Velika Hodscha, einem Dorf im neuen Mini-Staat Kosovo. Umgeben von albanischen Dörfern, mit denen sie nichts verbindet, außer eine blutige Geschichte. Nun stehen sie vor der Wahl zu bleiben oder nach Serbien zu gehen. Dort aber gelten sie als Verräter.

Kosovo Serbien ruft Botschafter zurück

Nachdem die USA, Frankreich und die Türkei die Selbstständigkeit des Kosovo anerkannt haben, ruft Serbien seine Botschafter aus diesen Staaten zurück. Ministerpräsident Vojislav Kostunica warf den USA vor, mit der Anerkennung ihr "Gewaltgesicht" gezeigt zu haben

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (26/2013)
Die Zuckermafia