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7. Dezember 2008, 17:51 Uhr

"Das sieht aus wie ein Schlachtfeld"

Seit Samstag liefen sich tausende Demonstranten und Polizisten in mehreren griechischen Städten Straßenschlachten. Auslöser für die Krawalle ist der Tod eines 15-Jährigen, der von einem Polizisten erschossen wurde. Allein in Athen wurden elf Menschen verletzt.

Griechenland, Athen

In Griechenland kam es zu den schlimmsten Ausschreitungen seit mehr als zwei Jahrzehnten© Simela Pantzartzi/EPA/DPA

Der Jugendliche war am Samstagabend bei Zusammenstößen zwischen Autonomen und Sicherheitskräften in der griechischen Hauptstadt Athen ums Leben gekommen.

Randalierer warfen Brandflaschen auf die Eingänge von Supermärkten, Banken und Geschäften im Athener Stadtzentrum. Rauchschwaden stiegen in den Himmel. Nach Schätzungen der Feuerwehr wurden allein in Athen 100 Geschäfte, 20 Banken und mindestens 100 Autos demoliert. "Nichts rechtfertigt eine solche Katastrophe, das sieht aus wie ein Schlachtfeld", empört sich Giorgios Sakalis, Eigentümer einer Boutique in Athen. Hunderte Menschen litten unter Atemwegebeschwerden durch Tränengas, das die Polizei massiv einsetzte, um die Randalierer auseinander zu treiben.

Die Lage hatte sich am Sonntagabend zwar leicht entspannt. "Von Entwarnung kann jedoch nicht die Rede sein", sagte ein Polizeioffizier im Rundfunk. Rund 1000 Jugendliche hätten sich in den Gebäuden des Polytechnikums im Zentrum Athens verbarrikadiert und warfen immer wieder Brandflaschen auf die Polizei. Die Behörden befürchteten Unruhen auch in der Nacht.

Mehrere tausend Autonome und andere Linksgerichtete sowie Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen protestierten am Sonntag gegen den tragischen Zwischenfall. "Mörder, Mörder" skandierten die Demonstranten, als sie sich der Polizeidirektion von Athen an der Alexandras Chaussee näherten, wie das Fernsehen berichtete. Griechische Autonome greifen seit Jahren immer wieder Polizisten an und verüben Brandanschläge auf Banken und Autos im Zentrum Athens.

Zu Zusammenstößen nach dem tödlichen Schuss kam es auch in der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki. Auch in Komotini und Ioannina im Norden des Landes gab es wie auf der Mittelmeerinsel Kreta und in der Hafenstadt Patras Ausschreitungen.

Staatsanwaltschaft wirft dem einen Polizisten Totschlag vpr

Ein 37 Jahre alter Polizist, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen. Zuvor habe eine Gruppe Autonomer seinen Streifenwagen, in dem er zusammen mit einem Kollegen gesessen habe, mit Steinen angegriffen.

Nach Darstellung von Augenzeugen soll es jedoch nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Polizeiwagens gekommen sein. Anschließend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen. "Es war kaltblütiger Mord", meinte ein Augenzeuge im Radio. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem einen Polizisten Totschlag und dem anderen Beihilfe zum Totschlag vor. Die beiden Beamten wurden in Untersuchungshaft genommen, berichtete der griechische Rundfunk weiter. Innenminister Prokopis Pavlopoulos wies vorschnelle Schuldzuweisungen zurück und erklärte: "Wir warten auf die gerichtsmedizinischen Ergebnisse." Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Ein Rücktrittsangebot des Innenministers lehnte er ab.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
phpeter (09.12.2008, 19:23 Uhr)
@Mia: Falsch
Das ist in Somalia und im Irak so und in jedem beliebigen "failed state" der 3. Welt. In der Zivilisation hat der Staat das Gewaltmonopol und er tut gut daran, es durchzusetzen, sonst tanzen ihm in kürzester Zeit völlig verzogene Mittelstandgören auf der Nase rum, die von ihren unfähigen Eltern vielleicht einfach schon mal in der Kindheit vorsichtig an die Realität hätten herangeführt werden sollen.
Damit das später keinen so harten Aufschlag auf dem Boden der Tatsachen gibt und damit man sich nicht noch mit 20 Jahren als der Mittelpunkt des Universums fühlt, der seine Mitmenschen in grenzenloser Selbstgerechtigkeit dransalieren kann wie man will.

Es gab mal so etwas wie zivilisierte Umgangsformen und die Gewissheit, dass jeder, der Ärger macht, ganz schnell auch welchen kriegt.
Heute "verhandelt" man lieber über eigentlich selbstverständliche Regeln und kapituliert vor dem Terror einer Minderheit, anstatt dieses Pack in seine Schranken zu weisen und die friedliche Mehrheit vor dem Mob zu schützen.
Aber der Wind dreht sich auch mal wieder und dann gibts Wechselgeld.
MiaWallace (08.12.2008, 11:59 Uhr)
Das alte Lied,
Gewalt erzeugt Gewalt! Offensichtlich dauert es noch Lichtjahre bis das bei dem Letzten angekommen ist.
Im Übrigen hinkt hier jeder Vergleich mit anderen Taten in diese Richtung, denn hier war das Opfer ein Kind!
vegefranz (08.12.2008, 09:05 Uhr)
wo waren die sog. "Menschenrechtler als der französische Polizist david Nivel von Chaoten in den Rollstuhl geprügelt wurde??
Klar, jetzt melden sich die Gutmenschen und sog. "Menschenrechtlerwo waren die sog. "Menschenrechtler als der französische Polizist David Nivel von Chaoten in den Rollstuhl geprügelt wurde?? die waren nirgendwo. War ja auch nur ein Polizist. Ich persönlich habe Verständnis für jeden Polizisten, der sich verteidigt, um einem Leben im Rollstuhl zu entgehen.
whismerh2 (08.12.2008, 07:51 Uhr)
So
weit ich das von hier beurteilen kann
war das eiskalter Mord, um ein Exempel zu statuieren, Getreu dem Motto wir können noch mehere umbringen, desweiteren glaube ich das es in Griechenland seitens der Polizei eine härtere Gangart eingelegt wird wie hier in D..
Das jetzt schon brutal und willkürlich Jugendliche erschossen werden, sollte jedem zu Denken geben in wie weit wir schon in einem Polizeistaat gefangen sind, auch wenn so Oberleuchten wie vege&co.das nicht erkennen wollen.
Mein Beileid dem Jungen und seiner Angehörigen.
flyingfree (08.12.2008, 07:24 Uhr)
Achtung
Die Bundesregierung sollte genau beobachten wo das hinführen kann wenn man es zu weit treibt.
Und sie bemüht sich derzeit sehr, es zu übertreiben.
gmathol (08.12.2008, 06:38 Uhr)
Die Griechen sind ein stolze Volk das Mord durch die Polizei nicht akzeptiert.
Gut so! Auf diese Weise wird es zur Verurteilung der Taeter in Uniform kommen.
Anders in den USA oder anderen freien Demokratien dort wird geschossen und gemordet auf Teufel komm raus - es hat ja keine Konsequenzen.
Im Iraq kann man als Blackwater Beschaeftigter oder US Soldat wahllos Zivilisten erschiessen.
Vom griechischen Beispiel koennen die Deutschen lernen und am 17. Juni die Bundesregierung endlich aus dem Land treiben. Glaubt irgendwer das die Bundesbuerger wirklich fuer Schroeder oder Merkel stimmten?
type (07.12.2008, 23:13 Uhr)
sinnlose Kommentare...
@Pengolodh...so ein Polizeifahrzeug muss nicht unbedingt ein Maximum an Sicherheit bieten(ich denke hier an normale Streifenwagen) und zudem sitzen nur wenige Menschen mit einem Schutzhelm im Kfz...
@all
Und wo zum Teufel steht eigentlich, dass Polizisten keine Menschen sind und keine Familie haben???
Das war kein Angriff auf den Staat, sondern in erster Linie ein Angriff auf einen Menschen!!!
SethusCalvisius (07.12.2008, 22:48 Uhr)
Erschreckend,
wie hier mancher den tragischen Tod eines 15jährigen abtut. Wie kann man in so einer Situation einen Satz loswerden wie: "Dieses Pack hat die Quittung bekommen" (gabeltier) Diese Gefühllosigkeit ist für unsere Gesellschaft weitaus gefährlicher als ein paar randalierende Jugendliche.
Ich will hier die Steinewerfer überhaupt nicht rechtfertigen, aber wir Etablierten sollten uns vielleicht einmal Gedanken machen, was Jugendliche dermaßen in Wut bringt. Wenn wir uns dieser Frage nicht stellen, wird die Situation eskalieren. Ich bin sicher, dass es ohne den Mord an Benno Ohnesorg und vor allem die fehlende strafrechtliche Verfolgung dieses Mordes nicht zu der Eskalation der Gewalt in den 70ern gekommen wäre. Damit rechtfertige ich in keiner Weise die Terroristen, aber wenn wir nicht nach den Ursachen fragen, wird der Kampf gegen die Gewalt immer verloren werden.
balldurian (07.12.2008, 21:59 Uhr)
(Video) Denn das weihnachtsgeschäft steht bevor .......
... und jeder weiss doch mittlerweile, dass Benno Ohnesorg auch nur in notwehr erschossen wurde. Sogar aus eineinhalb meter von hinten in den kopf, was den besonderen mut des polizisten besonders unterstrich ...
tripex (07.12.2008, 21:42 Uhr)
EU - die neue Diktatur
>Dieses Land ist auf dem direkten Weg in einen Polizeistaat, in eine neue Diktatur - nur diesmal unter den Augen der EU, die nichts unternimmt, obwohl Griechenland Mitglied ist.
Verstehe ich das richtig? Du erwartest von der EU Rückendeckung GEGEN die Etablierung eines Polizeistaates??? Da wäre ich ja noch sprachloser als bei Berufslügnern wie vegefranz.
>Spätestens, wenn einer von Ihnen als unschuldiger Tourist einmal in einem griechischen Polizeikeller grün und blau geprügelt worden ist, reden Sie anders...
Die kritische Masse, denen die Polizei stinkt ist eben noch nicht erreicht.
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