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"Putin schaltet auf Überlebenskampf"

Russland erliegt einer Kriegshysterie, Putin hält sich nicht mehr an Spielregeln. Kreml-Kritikerin Lilija Schewzowa fürchtet, dass der Westen sich auf ein revanchistisches Russland einrichten muss.

Von Katja Gloger

  Wladimir Putin so wie er sich gern sieht: Als starker Mann, der die Regeln bestimmt

Wladimir Putin so wie er sich gern sieht: Als starker Mann, der die Regeln bestimmt

Der Westen muss sich auf ein revanchistisches Russland einrichten: Dort habe der russische Präsident Putin in den Modus des Überlebenskampfes geschaltet. "Im Kreml hat man wohl erkannt, dass man die Macht in Form eines milderen Autoritarismus nicht mehr lange ausüben kann", sagt die prominente russische Politikwissenschaftlerin Lilija Schewzowa in einem Interview mit dem stern. "Zu groß sind die Probleme. Russland steht vor einer wirtschaftlichen Rezession. Man hat jeder Reformpolitik eine Abfuhr erteilt."

Auch im Westen, besonders in Deutschland, müsse man die "Putin-Doktrin" endlich zur Kenntnis nehmen. "Russland ist eine einzigartige Zivilisation", erläutert Schewzowa diese Doktrin. "Seine Führer sind Schutzpatrone der russischen Welt. Russland orientiert sich nicht mehr in Richtung Europa und an dessen Werten. Das ist ein klares Konzept gegen die Integration in die Weltgemeinschaft, die militaristische Doktrin der belagerten Festung."

Putin surft auf einer Siegeswelle

Das russische Vorgehen im Osten der Ukraine zeige, so Schewzowa, dass Russland jetzt zu einer "revanchistischen Macht" werde. "Dieses Russland muss sich nicht mehr an Spielregeln halten, noch nicht einmal mehr an die des Kalten Krieges. Es muss auf Diplomatie oder die Grenzen souveräner Staaten keine Rücksicht mehr nehmen, sich nicht an Verträge halten." Putin wolle die Ukraine in einen "failed state", einen gescheiterten Staat, verwandeln der ihm Einfluss sichere und als Puffer gegen den Westen dienen könne. Zugleich sei der russische Präsident pragmatisch genug, keine militärische Konfrontation mit dem Westen zu suchen. Er kalkuliere damit, dass Europa auf seine Bedingungen eingeht: "Die Ukraine ist auch ein Mittel, den Westen in Angst zu versetzen. Und im Moment siegt Putin über den Westen, über Europa. Er surft auf einer Welle des Sieges, nichts scheint ihn stoppen zu können."

In Russland selbst erlebt Schewzowa eine regelrechte Kriegshysterie. Die faktische Annexion der Krim werde von vielen begeistert begrüßt, auch von russischen Intellektuellen. Daraus spreche das alte imperiale Denken des 19. Jahrhunderts. "Nun sind wir ein Land im Kriegszustand", sagt Schewzowa. Wer es wage, Kritik zu üben, werde als "Verräter" bezeichnet. Die gewaltigen ökonomischen und sozialen Probleme Russlands würden nicht gelöst, Putin habe jeder Reformpolitik eine Absage erteilt. "So führt er Russland in den Abgrund."

Die Elite wird nicht aufbegehren

Russland leidet seit Jahren unter schwindendem Wirtschaftswachstum. Es droht eine Rezession. Auch durch die Ukraine-Krise und erste westliche Sanktionen verlor der Rubel in den vergangenen Wochen dramatisch an Wert. Investitionen westlicher Unternehmen bleiben aus. Japanische Banken haben sich bereits vom russischen Markt zurückgezogen.

Je tiefer die Krise werde, desto autoritärer werde Putin reagieren, so Schewzowa im stern:"Ich fürchte, dass Putin dann noch viel härter gegen die Opposition vorgehen wird. Die politische Elite ist feige, verwöhnt durch das angenehme Leben mit ihren Milliarden im Westen. Sie wird nicht gegen Putin aufbegehren."

Das gesamte Gespräch mit Lilija Schewzowa ...

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