Israelische Soldaten und Hamas-Kämpfer liefern sich erstmals seit Beginn der Bodenoffensive schwere Kämpfe in Gaza-Stadt. Augenzeugen berichten von heftigen Explosionen und Feuergefechten. Während Israel eine Waffenruhe weiter strikt ablehnt, droht die Hamas mit Anschlägen weltweit.

Ein Einschlag im nördlichen Gaza-Streifen von der israelischen Grenze aus gesehen© Patrick Baz/AFP
Zum ersten Mal seit Beginn der Bodenoffensive haben sich israelische Soldaten und Kämpfer der Hamas schwere Kämpfe in Gaza-Stadt geliefert. Schwere Explosionen und heftige Feuergefechte hätten den Stadtteil Schedschaija am späten Montagabend erschüttert, gaben palästinensische Augenzeugen und israelische Militärkreise übereinstimmend an. Am Nachthimmel über Gaza waren demnach Kampfhubschrauber zu sehen. Israel hatte die Bodenoffensive am Samstagabend nach einwöchigen Luftangriffen auf Ziele im Gaza-Streifen begonnen.
Bei den Kämpfen im Gaza-Streifen wurden am Montag nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte 50 Palästinenser getötet, darunter zwölf Kinder. Laut dem Chef des ärztlichen Notdienstes, Muawija Hassanein, kamen seit Beginn der israelischen Offensive gegen die radikalislamische Hamas insgesamt 555 Palästinenser ums Leben, 2700 weitere wurden verletzt.
Die Hamas drohte indes mit Anschlägen auf israelische Zivilpersonen und Einrichtungen in der gesamten Welt. Die Tötung von Palästinensern im Gaza-Streifen rechtfertige das Töten von Israelis, sagte Hamas-Führer Mahmud Sahar.
Er forderte, die Kämpfer der Hamas sollten "den Feind vernichten". Angesichts der israelischen Taten sei es legitim, auch israelische Kinder zu töten, sagte Sahar. Das Problem seien nicht die Kassam-Raketen, sondern die israelische Besatzung. Israel habe mit seinen Taten in Gaza "den Niedergang seines schwachen Staates in Palästina begründet".
Es blieb indes unklar, wann die am Montag im Hamas-Fernsehen Al Aksa ausgestrahlte Botschaft aufgenommen wurde. Seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember ist die Hamas-Führung abgetaucht. Sahar gilt als Hintermann der Machtübernahme der Hamas im Gaza-Streifen im Juni 2007.
Israel erteilte den Bemühungen der Europäischen Union um eine rasche Waffenruhe am Montag einen Dämpfer. Außenministerin Zipi Livni sagte nach einem Treffen mit einer hochrangig besetzten EU-Vermittlungsdelegation in Jerusalem, der Kampf gegen die Hamas werde weitergehen. Mit der Militäroffensive wolle Israel die bisherige Gleichung im Verhältnis zu Hamas ändern.
Die radikale Palästinenserorganisation habe vor der Offensive Israel mit Raketen angegriffen, wann immer sie wollte. Dies habe so nicht weitergehen können. "Wenn Israel angegriffen wird, wird Israel zurückschlagen", betonte Livni. Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg sagte, die Delegation habe mit der Ministerin eine "sehr offene und ehrliche Unterhaltung" geführt.
Schwarzenberg war mit Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, EU-Chefdiplomat Javier Solana sowie dem schwedischen Außenminister Carl Bildt nach Israel gekommen, nachdem die sogenannte EU-Troika zuvor in Ägypten Möglichkeiten für eine Friedenslösung ausgelotet hatte. Schwarzenberg forderte eine Öffnung der Grenzen nach Gaza. "Es ist unerträglich, dass alle Grenzübergänge nach Gaza geschlossen sind", sagte er.
Nach der Troika will der ägyptische Präsident Husni Mubarak in dem Sinai-Badeort Sharm el Sheikh auch den von einer Delegation aus Paris begleiteten französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy empfangen. Zuvor rief Sarkozy Israel eindringlich zum Ende der Gewalt auf. "Die Welt würde nicht verstehen, wenn Israel eine Verschlimmerung der humanitären Lage zuließe", sagte Sarkozy nach einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas in Ramallah. Zugleich warf er der Hamas vor, unverantwortlich und unentschuldbar zu handeln. "Wir wollen so schnell wie möglich einen Waffenstillstand", sagte Sarkozy auf einer Pressekonferenz. Die Zeit arbeite gegen den Frieden.