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20. August 2008, 12:25 Uhr

Mehr als 1700 Tote in Georgien

1771 Menschen sind beim Krieg um die abtrünnige Provinz Südossetien in Georgien ums Leben gekommen. Unterdessen haben die Behörden das Rote Kreuz nach langem Warten in die Krisenregion gelassen. Das russische Oberhaus signalisierte, Abchasien und Südossetien als unabhängig anerkennen zu wollen.

Eine Mutter trauert um ihren Sohn: Fotograf Alexander Klimchuk kam in Südossetien ums Leben© Vladimir Valishvili/EPA

Der Krieg um die von Georgien abtrünnige Provinz Südossetien hat nach offiziellen Angaben der beteiligten Seiten 1771 Menschen das Leben gekostet. Die meisten von ihnen, 1492, starben nach südossetischen Angaben beim Angriff der georgischen Truppen. Das teilte die Statistikbehörde des international nicht anerkannten Gebietes nach Angaben der russischen Agentur Ria Nowosti in Zchinwali mit.

Die georgische Regierung bezifferte die Zahl der getöteten Landsleute auf insgesamt 215. Dies seien 146 Soldaten und Polizisten sowie 69 Zivilisten. Insgesamt 1469 Menschen seien bei den Kämpfen verletzt worden, gab der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im georgischen Parlament, Giwi Targamadse, bekannt. Auf Seiten der russischen Armee, die zur Unterstützung der südossetischen Kräfte am 8. August in Georgien einmarschiert war, starben 64 Soldaten. Weitere 323 wurden nach Angaben des stellvertretenden Generalstabschefs Anatoli Nogowizyn bei dem Kampfeinsatz im Südkaukasus verletzt.

Rote-Kreuz-Helfer bekommen Zugang

Nach tagelangem Warten hat das Rote Kreuz Zugang zur Krisenregion Südossetien erhalten. Helfer seien auf dem Weg in die südossetische Hauptstadt Zchinwali, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am selben Tag in Genf mit. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger hatte demnach während einer dreitägigen Reise Gespräche mit georgischen und russischen Behörden geführt und auf freien Zugang zum Krisengebiet gedrungen. Die Zusammenführung von Flüchtlingen wird den Angaben zufolge eine der wichtigsten Aufgaben des Roten Kreuzes im Krisengebiet sein. Viele Familien seien auf der Flucht vor Gefechten auseinandergerissen worden, hieß es.

Auch würden weiterhin dringend medizinische Hilfsmittel und andere Materialien gebraucht, insbesondere auch in den Flüchtlingszentren in Westgeorgien, in der Hauptstadt Tiflis und in Gori. Der russische Außenminister Sergej Lawrow habe dem Roten Kreuz Unterstützung zugesagt. Eine Hilfslieferung des Welternährungsprogramms mit dringend benötigten Nahrungsmitteln hat unterdessen Georgien erreicht. Die neun Lastwagen passierten einen russischen Kontrollpunkt in Igoeti, rund 50 Kilometer westlich von Tiflis.

Entscheidung über Unabhängigkeit

Der Präsident des russischen Oberhauses, Sergej Mironow, hat die Zustimmung des Gremiums zur Anerkennung eines unabhängigen Abchasien und eines unabhängigen Südossetiens signalisiert. "Der Föderationsrat ist bereit, die Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien anzuerkennen, wenn es das ist, was die Menschen dieser Republiken wollen", sagte Mironow laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax im nordossetischen Wladikawkas. Als weitere Vorbedingung für die Anerkennung der beiden abtrünnigen georgischen Regionen als unabhängige Staaten nannte der Oberhaus-Präsident eine entsprechende Entscheidung des russischen Staatschefs Dmitri Medwedew.

Abchasien hatte zuvor angekündigt, es wolle Moskau zur offiziellen Anerkennung seiner Unabhängigkeit auffordern. "Das Volk Abchasiens hat die Absicht, die russische Seite zur Anerkennung Abchasiens aufzufordern", sagte der abchasische Vize-Parlamentspräsident Wjatscheslaw Zugba. Das Parlament werde über einen entsprechenden Vorschlag des selbst ernannten abchasischen Präsidenten Sergej Bagapsch beraten. Sollte es den Vorschlag annehmen, werde am Donnerstag ein Volkskongress in Suchumi mit Vertretern aller politischen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen der Region über das Vorhaben entscheiden, kündigte Zugba an.

DPA/AFP/AP
 
 
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