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22. August 2008, 20:43 Uhr
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Russland meldet Abzug aus Georgien

Nach langem Zögern hat Russland seine Truppen aus Georgien abgezogen. Mehrere hundert Soldaten sollen aber die so genannten Pufferzonen um die von Georgien abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien weiter kontrollieren.

Die russischen Truppen ziehen sich zurück© dpa - Bildfunk

Rund zwei Wochen nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen im Kaukasus hat Russland am Freitag nach eigenen Angaben seine Truppen aus dem georgischen Kernland in das abtrünnige Südossetien zurückgezogen. Der Abzug sei um 17.50 Uhr MESZ abgeschlossen worden, teilte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax mit. Zuvor hatte auch die georgische Regierung einen umfassenden Rückzug der russischen Einheiten bestätigt. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hatte ein Ende des Truppenabzugs bis Freitag um Mitternacht angekündigt. Unterdessen gab es Kritik an der Absicht Russlands, auch nach dem Rückzug Schutztruppen in Georgien zu belassen.

Mehrere hundert Soldaten sollen nach Angaben des Generalstabs in Moskau als Schutztruppe die sogenannten Pufferzonen um die von Georgien abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien weiter kontrollieren. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili kritisiert die russische Militäraktion als Besetzung. Die Bundesregierung erwartete von Russland den vollständigen Abzug. Die Russen hätten ihr Wort gegeben und würden deshalb jetzt auch beim Wort genommen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach sich für eine weitere Zusammenarbeit mit Russland erst nach Abzug der Truppen aus.

Georgien bestätigt Abzug

Kurz vor Ablauf der von Kremlchef Medwedew zugesicherten Rückzugsfrist hatten Russen wie Georgier von abziehenden russischen Verbänden berichtet. Die russischen Truppen hätten am Freitag weite Teile des georgischen Kernlandes verlassen, sagte ein Sprecher des Sicherheitsrates in Tiflis laut der Agentur Interfax. Aus mehreren Städten wie Gori und Sugdidi seien die Kampfverbände bereits nahezu restlos abgezogen.

Die Bundesregierung billigt Russland zu, in einer Pufferzone auf georgischem Kerngebiet vorübergehend eine begrenzte Zahl von etwa 500 Friedenssoldaten zu belassen. In Punkt Fünf des mit Hilfe Frankreichs vereinbarten Sechs-Punkte-Plans sei aber von vorübergehenden Sicherheitsmaßnahmen die Rede, die dann von einem internationalen Mechanismus abgelöst werden sollten, sagte Regierungssprecher Steg weiter.

Der amtierende OSZE-Vorsitzende, Finnlands Außenminister Alexander Stubb, sagte in Tiflis, der Friedensplan sei ernsthaft in Gefahr, wie der georgische Fernsehsender Rustawi-2 berichtete. Stubb betonte, er sei im Einklang mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nicht einverstanden damit, wie Russland den Friedensplan "interpretiert".

Der Generalstab in Moskau hatte zuvor mitgeteilt, Russland richte am Freitag die Kontrollposten in den Pufferzonen um die von Georgien abtrünnigen Provinzen ein. Auch die Kontrolle von Verwaltungsgebäuden in den georgischen Städten Sugdidi und Senaki an der Trennlinie zu Abchasien falle darunter, hieß es weiter. Russland behalte sich zudem das Recht vor, die Zahl der Friedenssoldaten, die seit 1994 mit einem Mandat der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in Georgien stationiert sind, eigenhändig zu erhöhen.

Der russische Generalstab bestätigte Berichte, wonach Moskau die militärischen Beziehungen zur NATO vorerst gestoppt hat. Die Militärführung kritisierte am Freitag ein NATO-Manöver mit deutscher Beteiligung im Schwarzen Meer. Drei Schiffe eines NATO- Flottenverbandes aus Deutschland, Polen und Spanien waren am Donnerstag zu einer seit über einem Jahr geplanten Übung im Westen des Schwarzen Meeres eingetroffen, darunter die Fregatte "Lübeck". Mit einer "Hilfsaktion für Georgien", wie von russischen Medien berichtet, habe dies nichts zu tun, betonte das Verteidigungsministerium in Berlin. Unterdessen nahm der US- Zerstörer "USS McFaul" am Freitag mit Hilfsgütern an Bord Kurs auf Georgien.

Die EU-Kommission stockte unterdessen ihre humanitäre Hilfe zugunsten der Bevölkerung in Georgien auf. Für Nahrungsmittel, Notunterkünfte, Minenräumung oder Wasserversorgung stünden fünf Millionen Euro bereit, kündigte die EU-Behörde am Freitag in Brüssel an. Als erster UN-Vertreter reiste Flüchtlingskommissar António Guterres am Freitag in die südossetische Hauptstadt Zchinwali, um sich ein Bild über die dortige humanitäre Lage zu machen.

Der Krieg im Kaukasus schürt bei den Deutschen Angst vor einem neuen Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen. Die Hälfte der Befragten macht sich sehr große oder große Sorgen, ergab eine Infratest dimap-Umfrage für das ARD-"Morgenmagazin" unter 1000 Bundesbürgern. 37 Prozent haben demnach wenig, 11 Prozent gar keine Befürchtungen, dass es zu einem neuen Kalten Krieg kommen könnte.

DPA
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Nostradamus (23.08.2008, 11:35 Uhr)
@Der Will: Schlecht ist immer was man gerade hat
DDR Nostalgiker sehnen die DDR zurück. Richtung Westen schielen die, die jetzt die Macht haben. Aber auf der anderen Seite sitzen in all den neuen EU Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts immer noch die alten Seitlschaften an der Spitze und sie verdrängen uns.
Die pflegen ihren alten Seilschaften aber nun mit Cohiba, Benz, BMW und Urlaub in den Paradiesen dieser Welt.
Dabei stört der alte Isegrimm Rußland, weil der offensichtlich eine Spaßbremse ist und sich nicht darauf versteht das Spiel des Westens zu seinen Gunsten zu wenden.
Putin als alter Kampfsportler weiß aber auch die Energie des Feindes zu nutzen, um daraus einen Sieg zu machen.
Die Bürger der Ostblockstaaten wollen beides und die Hoffnung, die sie durch große Warenhäuser gewonnen haben ist eine Antriebsfeder und endlich mit relativ geringen Konsequenzen auch Subkulturen außerhalbe der sozialistischen Stereotype bilden zu können ist auch reizend.
Das hat Russland mindesten 100 Jahre einen schlechten Ruf beschert aber ist dieses Land und die Mentalität wirklich so?
Die Russen haben allenfalls angst die Kontrolle über das eigene Land zu verlieren und diese an westliche Kapitalisten abzugeben.
Naja, heute sitzen die aber (zumindest direkt) weder in den USA noch in Europa sondern im arabischen Raum und in Asien.
Das Feindbild der Russen ist überholt. Leider haben Sie es versäumt analog zur EU zusammen mit den ehemaligen UDSSR Staaten einen Wirtschaftsraum zu bilden.
Man sieht, dass die Russen von Militärs und nicht von Kaufleuten dominiert werden. Das ist ihre eigentliche Schwäche.
Nostradamus (23.08.2008, 11:24 Uhr)
Der russiche Bär ist ein Wolf
Vorsicht vor Wölfen. Sie meiden den Kampf sind aber immer bereit. Gasputin hat eine Wolfsmentalität. Seine Körperhaltung ist die eines Jägers, der unterwürfig tut und so ist auch die Haltung der meisten Russen.
Wie lange Russland es noch dulden wird, dass die Nato immer näher rückt ist fraglich.
Plötzlich beißt der Wolf und das tut weh.
Auf der anderen Seite wäre Russland gut beraten sich dem Westen zu öffnen, ihn zu infiltrieren. Eben so, wie es die DDR gemacht und erreicht hat, dass nach nur wenigen Jahren eine in kommunistischer Kaderschule in Rußland unterrichtete Genossin Bundeskanzlerin der BRD werden konnte und die CDU in ihr Parteiprogramm schreibt, dass die Marktwirtschaft ein Auslaufmodell ist.
Der Westen ist zu schwach, um einer richtigen Öffnung Rußlands standzuhalten aber zu stark, um einen Krieg zu führen.
US Militärs gehen davon aus, dass die derartige strategische Überlegenheit der Nato nicht, wie zu Zeiten des Kalten Krieges 350 Mio. Menschenleben und mehr im Kriegsfalle kosten würde sondern nur noch 30-60 Mio. und die vor allem in Rußland. Kaum Schäden in den USA und Kolleteralschäden in Europa.
Der Wolf sollte schnell und schlau handeln, wenn er sich nicht von der Schafsherde tot treten lassen will.
DerWilli (22.08.2008, 20:22 Uhr)
STIMMT GENAU
..kann ich nur bezeugen..
warum wohl fühlen sich polen, ukraine, tschechien, estland, lettland, finnland und und und.. ALLE von russland bedroht ??
warum wohl .. weil sie ihren nachbarn nur zu git kennengelernt haen in den letzten 200 jahren
geoger (22.08.2008, 19:59 Uhr)
Russland - Eduard Schewardnadse - Georgien
Eduard Schewardnadse verweist in seiner Autobiografie
„Als der Eiserne Vorhang zerriss – Begegnungen und Erinnerungen“ (2007)
unter anderem auf den seit 1992 unerklärten Krieg Russlands gegen Georgien,
der sich im August 2008 zu einem erklärten Krieg Russlands gegen Georgien entwickelte.
Er geht auf die Konflikte in Abchasien und Südossetien ein.
Er schildert die Bürgerkriege im Südkaukasus, den Krieg um Abchasien,
die Bombardierung Suchumis, die Vertreibung der Georgier aus Suchumi,
Abchasien und Südossetien sowie Russlands Politik in Abchasien und Südossetien.
Zum Beispiel schildert er genau, wie er einem auf ihn verübten Anschlag 1992 in Abchasien entging: Russische Militärs verübten ein Attentat auf Eduard Schewardnadse. Ein Zitat von Eduard Schewardnadse aus diesem Buch: „An der russischen Politik hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert. Der Stil der russischen Politik, die auf Wortbruch, Vertragsmissachtung und Hinterhältigkeit beruht, bleibt derselbe“ (S. 330).
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