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3. Dezember 2008, 10:57 Uhr

"Rettet mein Kind"

Im Kongo jagen bewaffnete Gruppen die Zivilbevölkerung vor sich her, fliehen die Menschen vor dem Krieg. Sie laufen in den Busch, in die Wälder, überqueren Grenzen. Ohne Schutz, ohne Nahrung. Und die Kleinen trifft es am härtesten: Die Zahl der schwer unterernährten Kinder hat sich binnen kürzester Zeit verzehnfacht. Von Andrea Jeska

Kongo, Krieg, Hungersnot, Nord-Kivu, World Vision, UNHCR

Eine Viertel Million ist auf der Flucht vor den Rebellen. Am stärksten sind Kinder betroffen© Kevin Cook/World Vision

Es war einer dieser kongolesischen Regentage, als Vianney das Zentrum erreichte und sein tropfendes, zitterndes Bündel ablegte. Es schüttete wie aus Eimern, die Wege schwammen mit jenen, die auf ihnen flohen, davon und dichter Nebel verschlang die Provinz. Mit nassen Sachen hatten die beiden sich nachts unter einen Baum gekauert, Vianney, der Vater, hatte versucht sein frierendes Kind zu wärmen. Vier Tage, 30 Kilometer und das Kind auf dem Rücken. Nun ist Vianney am Ende seiner Kräfte. Dabei ist die Kleine leichter als ein Sack voller Cassava (Anm. d. Red.: Cassava ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Afrika und ähnelt der Kartoffel) .

Doch auch Vianneys Beine sind nicht dicker als ein Stock, und wenn der Mann sich nur ein wenig anstrengt, dann rast sein Herz und ihm schwindelt. Viele Tage schon hat er nichts gegessen. Als er in das Ernährungszentrum der Hilfsorganisation World Vision tritt, legt er erschöpft das nasse Mädchen auf den Boden. "Bitte", sagt er matt. "Rettet mein Kind. Es ist das letzte von sieben."

Traumatische Orte des puren Elends

Vianneys Tochter heißt Kakaru Dusanbe. Sie ist neun Jahre alt und wiegt 16 Kilo. Soviel, wie normalerweise vierjährige Mädchen wiegen. Als ihr Vater sie in das Ernährungszentrum trägt, kann sie nicht stehen, nicht sitzen, kaum liegen und das Gefühl des Hungers hat sie lange überwunden. Nur mit Mühe kann das Kind noch kauen und schlucken. Kakaru ist die Überlebende eines Zwillingpaares, die Überlebende einer seit einem Jahrzehnt existierenden und im August erneut über die ostkongolesische Provinz Nord-Kivu hereingebrochenen Katastrophe. Mal wieder jagen bewaffnete Gruppen die Zivilbevölkerung vor sich her, fliehen die Menschen mit dem Notwendigsten. Sie laufen in den Busch, in die Wälder, überqueren Grenzen. Ohne Schutz, ohne Nahrung. Eine Viertel Million sind es, sagt die Schätzung des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, doch auch diese Statistik ist schon wieder einige Wochen alt und seither hat es neue Kämpfe gegeben, sind neue Menschen in Panik um ihr Leben gelaufen.

Kongo, Krieg, Hungersnot, Nord-Kivu, World Vision, UNHCR

Die ostkongolesische Provinz Kivu gilt als Lebensmittelkammer des Landes© stern.de

Auch Kakaru wäre gestorben, hätte sie das Zentrum nicht zu einem Zeitpunkt erreicht, als die Gefechte leiser wurden und es den Mitarbeitern der Hilfsorganisation erstmals seit zwei Wochen gelang, das Dorf Rwanguba anzufahren und therapeutische Milch zu bringen sowie Plumpy‘nut, eine kalorienreiche Paste aus Erdnussbutter, Milchpulver, Öl, Zucker und zugesetzten Vitaminen zur Aufpäppelung unterernährter Kinder.

Denn östlich von Rwanguba liegt Ruthshuru, eines der von der Rebellenarmee CNDP eroberten Gebiete, und über Wochen war die gesamte Gegend von Hilfe abgeschnitten. Schon die Lager um die Provinzhauptstadt Goma sind überfüllt, schon dort reichen die Kapazitäten der Hilfsorganisationen nicht aus, um alle Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Doch außerhalb Gomas, im Rebellengebiet, sind die provisorischen Unterstände der Flüchtlinge keine Lager mehr, sondern traumatische Orte des puren Elends, an denen hungernde und durchnässte Menschen unter Bananenblättern kauern und der Hilfe harren. Oder des Todes.

Bodenschätze, Armut und Bürgerkriege Die Demokratische Republik Kongo ist eines der rohstoffreichsten Länder Afrikas. Wegen Misswirtschaft, Korruption und Bürgerkriegen gehört das zentralafrikanische Land jedoch zu den ärmsten Staaten der Welt. Der Osten des Landes, in dem sich die wichtigsten Bodenschatz-Vorkommen befinden, wird nicht von der Regierung in Kinshasa, sondern weitgehend von verfeindeten Milizen und den Nachbarstaaten der ostkongolesischen Region kontrolliert. Bei den wieder aufgeflammten Unruhen geht es in erster Linie um die Kontrolle der Vorkommen an Gold, Diamanten, Kupfer und Kobalt. Seit Jahrzehnten beuten kriminelle Gruppen den Kongo aus. Ihre Milliarden-Gewinne landen meist im Ausland oder in den Taschen der Mächtigen. Viele Menschen arbeiten in Bergwerken als Tagelöhner für weniger als einen Dollar pro Tag. Auch weil fast niemand einen festen Job hat, geht es den rund 63 Millionen Kongolesen schlecht. Etwa ein Viertel der Bevölkerung leidet Hunger.

So können Sie helfen World Vision bringt zur Zeit weitere Hilfspakete für Flüchtlinge über Uganda in den Ostkongo und wird diese nach Absprachen mit anderen Hilfswerken dort verteilen, wo es am nötigsten ist. Spenden können sie auf folgendes Konto einzahlen:

Frankfurter Volksbank
Bankleitzahl 501 900 00
Kontonummer: 20 20
Stichwort: Nothilfe im Kongo

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
Vincent_Vega (05.12.2008, 10:35 Uhr)
"too many young men"
also "zu viele junge Mäner" ("men" kann auch Menschen bedeuten, der Sinn lag aber auf "Männer") so o.s.ä. lautete die These eines Forschers, der Gründe für Krisen udn Kriege untersucht hat.
Nicht, das diese jungen Leute sleber den Krieg anfangen, aber: in vielen von Kriegen heimgesuchten Ländern gibt es überprortional viele junge Männer, die keine Perspektive für die Zukunft sehen, heißt: keine Antwort auf die Frage: "wie gestalte ich mein Leben?" Daher sind sie leicht verfänglich für extremes Gedankengut wie Extremismus, (islam. aber auch christl.)Fundamentalismus oder den auf dem afrikanischen Kontinent häufigen Tribalismus, da diese "Ismen" zum Einen sehr leicht ein Feindbild für sich ausmachen und durch Gewalt sehr schnell eine Lösung versprechen.
Datenaktuell (04.12.2008, 11:57 Uhr)
Re. "Arm trotz Arbeit" - Fairtrade
Gerade die Entwicklungsländer leiden unter tiefen Weltmarktpreisen für Agrarprodukte und subventionierter Überschußnahrung zu Dumpingpreisen.
Ob Fairtrade oder Minilöhne, die Hartz -Zuschüsse benötigen, die Welt ist voller Menschen die hart arbeiten aber niht fair bezahlt werden.
Der Kongo hat Geburtenrate je Frau = 6,3 - damit ist das Land nicht rettbar.
Die dortigen Verteilungskriege sind Resultat ungehemmten Bevölkerungswachstums bei begrenten Resourcen. Nur Familienplanung kann das Land noch retten, alles andere ist nur kitten für kurze Zeit.
mr_s (04.12.2008, 11:27 Uhr)
Zynismus pur!!!
Es ist erschütternd wenn man solche Berichte liest. Doch was einen wirklich ankotzt: Auf der selben Internetseite findet man einen Artikel mit der Headline: "Arm trotz Arbeit"
.
Die Leute in unserem Land bekommen staatliche Hilfe, sind nicht auf der Flucht vor irgendwelchen druchgenkallten Rebellen, werden nicht bestialisch vergewaltigt, leiden keinen Hunger, aber pissen sich ins Hemd, dass man sich nun nicht das leisten kann was man meint für seinen "Lebensstandard" benötigen zu müssen.
.
EURE ARMUT KOTZT MICH AN!!!
Datenaktuell (04.12.2008, 11:20 Uhr)
Kein Biosprit ? Deutschen Milch könnte helfen
Die Kinder sind erbärmlich dran und Opfer politischer Umstände in jahrzehntelang durch Armut geprägte Regionen.
Kinder wie diese dineten aber die letzen Monate auch als Alibi gegen Biosprit. Gleichzeitig kümmert sich keiner darum, dass wir unsere Überschussmilch in den Kongo bringen und den Eltern Starthilfe im Landbau gewähren.
Aber dazu müssen die rapide fallenden Weltmarktpreise für Nahrung gestoppt werden, die als Super-GAU die Bauern der Welt wöchentlich massiver trifft.
Kinder brauchen Milch - und die Eltern einen Markt für Feldfrüchte zu fairen & höheren Preisen.
endbenutzer (04.12.2008, 09:22 Uhr)
Und sicher werden auch hier...
...die entsprechenden Despoten mit Geldern aus aller Welt unterstützt. Hauptsache man kommt billig an Rohstoffe und kann jede Menge Waffen verkaufen. Man könnte kotzen...
H.P. (04.12.2008, 08:40 Uhr)
Hungersnot
Je mehr Menschen vom Wohlstand ausgeschlossen werden, je mehr Kinder sterben, weil keine Nahrung da ist, während andere Nationen im Überfluss leben, desto instabiler werden politische und wirtschaftliche Systeme.
Fakt ist: Die Großen fressen die Kleinen und wer hat, der holt sich immer leichter noch mehr. Unsere ökologischen Lebensgrundlagen werden skrupellos vernichtet; viele unter den Verlierern verhungern einfach. Das gilt besonders heute in der globalisierten neoliberalen Wirtschaft: Ein paar hunderttausend Milliardäre und Millionäre aus Europa, Amerika, Japan, Südostasien und den OPEC-Staaten lassen den Rest der Welt in Krieg und Frieden nach ihrer Pfeife tanzen. Bekommen wir diese Art, Macht auszuüben und zu wirtschaften, nicht bald in den Griff, führt sie sich ökonomisch selbst ad absurdum und in den Untergang!
http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
H.P. (04.12.2008, 08:23 Uhr)
Elite-Netzwerke
( Die Vereinten Nationen haben in einem Bericht zur Ausbeutung des Kongo festgestellt, dass kriminelle „Elite-Netzwerke“, die sich aus Soldaten, Politikern und Geschäftsleuten zusammensetzen, das Land systematisch ausschlachten. Die UN fanden zudem heraus, dass Dutzende westlicher Firmen von der Plünderung profitieren, 21 Unternehmen kommen aus Belgien, zwölf aus Großbritannien, acht aus den USA und fünf aus Deutschland.)
habibati (04.12.2008, 07:55 Uhr)
@gmathol
Als ob es Politiker und Firmenbosse intetressieren würde ob sie exkommuniziert werden oder nicht.
Selbst Papst und Vatikan sind seit jeher nur so christlich wie es notwendig ist, um Geld und Macht zu haben. Hier eine Lüge, da ein Betrug...Das ist doch kalter Kaffee.
Salzsteuer (04.12.2008, 07:53 Uhr)
@gmathol
Diese frommen Waffenhändler zahlen aber Spenden an die CSU und bei Gefahr setzen sie sich nach Canada ab.
Die Welt ist schlecht und Deutschland ist korrupt von Kopf bis Fuß.
gmathol (04.12.2008, 06:51 Uhr)
Hier eine Liste der Waffenhaendler.
1. USA/Grossbritannien
2. Israel
3. Frankreich
4. Deutschland
Schaemt euch! Verhaften wir zumindestens die Politiker oder die Firmen die Waffen an den Kongo oder Dafur geliefert haben.
Der Papst koennte diese Bande zumindestens exkommunizieren, sollten diese Verbrecher Mitglieder der katholischen Kirche sein. Wir wissen ja das viele christliche Waffenhaendler in Bayern sitzen.
Komisch das Russland und China fehlen - China ist nur an Rohstoffen interessiert und hat 9 Milliarden Dollar im Kongo investiert.
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