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19. November 2008, 14:48 Uhr

Wenn Vergewaltigung zum Alltag wird

Im Kongo-Krieg gibt es brutalste Gewalt auf allen Seiten. Es wird geschossen, geplündert und vergewaltigt. Michelle Rice, die für die Hilfsorganisation World Vision im Land war, hat für stern.de aufgeschrieben, was sie gesehen hat: den grausamen Alltag von Frauen ohne Schutz und ohne Rechte.

Kongo, Köhler, Krieg Krisenregion

Martha, selber Opfer eine Vergewaltigung, hilft jetzt Kindern im Kriegsgebiet© Tim Freccia/World Vision

Das erste Mal, als ich Martha traf, strahlte sie übers ganze Gesicht inmitten ihrer Kinder, die ausgelassen um sie herum schrien und dabei an ihrem Rock zerrten. Das nächste Mal, als wir uns trafen, war das Lächeln auf ihrem Gesicht vergangen, ihre Augen starrten in die Ferne. Eine Nacht zuvor hatte sie ein zehn Jahre altes Mädchen zum Krankenhaus getragen, das kurz zuvor vor den Augen seiner Familie von einer kongolesischen Rebellenhorde vergewaltigt worden war. Das Mädchen starb, noch auf dem Weg dorthin, auf Marthas Rücken.

In den vergangenen Monaten klingelt bei Martha das Telefon praktisch jeden Tag; sie wird gebeten, Frauen und Mädchen zu helfen, die vergewaltigt worden sind. Es ist ein inzwischen vertrautes Muster in der Nord-Kivu-Region der Demokratischen Republik Kongo (DRC). "Wenn gekämpft wird, wird auch vergewaltigt. Gestern kamen zwei Frauen und ein Baby zu mir. Die Frauen und Mädchen werden vergewaltigt, manche werden getötet, andere fortgeschleppt. So geschieht es andauernd."

Den Mann mit einer Machete zerhackt

Der Krieg im Kongo zieht sich nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt hin. Nach Auskunft des International Rescue Committee (IRC) sterben monatlich 45.000 Menschen. 1,4 Millionen sind obdachlos geworden.

Aufgrund der in letzter Zeit neu aufgeflammten Kämpfe wurden innerhalb kürzester Zeit weitere 250.000 Menschen vertrieben. Der Waffenstillstand vom vergangenen Monat und das Friedensabkommen vom Januar, das Rebellenführer Laurent Nkunda unterschrieben hat, sind fehlgeschlagen.

Aber der unsagbare Schrecken dieses Krieges sind die Berichte von tausenden und abertausenden von Frauen, Mädchen und Kindern, die brutaler sexueller Gewalt ausgesetzt sind, einer Gewalt, die nach Auskunft der Vereinten Nationen zu den schlimmsten der Welt gehört.

Marthas eigene Geschichte ist ebenso schrecklich wie unglaublich. Als der Krieg begann und sie 32 Jahre alt war, wurde ihr Dorf von Rebellen überfallen. "Sie kamen, nahmen uns all unser Hab und Gut weg und sagten meinem Mann, er sei so gut wie tot. Mit einer Machete begannen sie, ihn regelrecht zu zerhacken - als ob sie eine Kuh oder eine Ziege für den Markt zerteilen wollten. Als sie damit fertig waren, schrien sie mich an, ich solle die Körperteile auf einem Haufen zusammentragen. Das Schlafzimmer war voller Blut. Sie sagten, sie würden mich auch töten, wenn ich heulen würde."

Zehn Rebellen vergewaltigten Martha

Als Martha den zerstückelten Körper ihres Mannes auf einen Haufen gestapelt hatte, nahmen die Rebellen ein Messer und schnitten ihr Wunden ins Gesicht, am Hals, an Armen und an Beinen. "Dann befahlen sie mir, mich auf die Körperteile meines Mannes zu legen, Und dann vergewaltigten sie mich. Es waren insgesamt zehn Rebellen, und jeder von ihnen schändete mich." Während Martha vergewaltigt wurde, vergingen sich zwei andere Soldaten im Nebenzimmer an ihren beiden Töchtern, 14 und 16 Jahre alt." Ich hörte das Schreien meiner Mädchen, doch ich konnte ihnen nicht helfen. Dann hörte ich zu denken auf, und mein Bewusstsein setzte aus."

Sechs Monate lang verbrachte Martha in einer Art Trancezustand. Erst dann kamen die Erinnerungen an diese schrecklichen Ereignisse wieder zurück. "Ich fragte meine Nachbarn, was denn passiert sei. Ich dachte, mein Mann sei auf Reisen. Sie sagten nichts. Aber als ich eines Tages nach Hause kam und feststellte, dass zwei meiner Töchter schwanger waren, konnte ich mir das nicht erklären. Erst dann fingen die Dorfbewohner an, mir alles zu erzählen."

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KOMMENTARE (10 von 65)
 
h-p-t (21.11.2008, 17:37 Uhr)
alle frauen an den herd...
...und die männer an die front, so ists recht !
deusex (21.11.2008, 08:40 Uhr)
@uwelachmann
Ihnen ist bewusst, dass auch Frauen genung Kriege in der Geschichte der Menschheit geführt haben. Denken Sie mal an die Englischen Königinnen. Ausserdem ist mittlerweile bewiesen, dass Frauen genauso zur Gewalt neigen wie Männer.
Blopp (20.11.2008, 21:59 Uhr)
@Uwe Lachmann
Ich hoffe, Sie haben nur die Ironie-Tags vergessen.
UweLachmann (20.11.2008, 19:07 Uhr)
Nein, Blopp, so geht das nicht
Die Grausamkeiten im Kongo beweisen wieder mal, dass wir mehr Frauen in Führungspositionen tun müssen.
scherbengericht (20.11.2008, 15:41 Uhr)
"Africa addio"
1966. Den Leuten ist nicht zu helfen.
floyd77 (20.11.2008, 15:26 Uhr)
Mehr über den Kongo
Ich empfehle allen den Wiki-Artikel zu lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Republik_Kongo
Wie kann man von Ländern erwarten, dass sie sich normal weiterentwickeln, wenn sie solche Geschichten hinter sich haben!??
floyd77 (20.11.2008, 15:21 Uhr)
Die Religion?
Da meine Kenntnisse über den Kongo bescheiden sind, suchte ich im wiki nach weiteren infos. Insb. interessierte ich mich für die Religion im Kongo, denn wären es zum Großteil Muslime gewesen, dann wäre mit großer Wahrscheinlichkeit die Religiosität als Ursache des Konfliktes bzw. der grausamen Massakers als Stützpunkt genommen. Nun sehe ich (wie erwartet), dass gerade 5% Muslime sind (angenommen das sind nicht die Angreifer ;) ), ca. 80% sind hingegen christen. Da sieht man schon, dass Grausamkeit keine Religion kennt. Man kann Muslim, Christ, Buddhist, Atheist oder sonstwas sein, und gleichzeitig grausam oder friedlich sein. Interessant finde ich!
Blopp (20.11.2008, 12:53 Uhr)
An alle SexistInnen
Na, die Sexismusmaschine läuft ja wieder in vollem Gang, hier.
Alle, die hier abfällig über "die Männer" schreiben, sollten ihren gesunden Menschenverstand mal überprüfen lassen.
Das ist doch wohl die Frechtheit! Man sitzt hier und ließt den Artikel, nur um sich als Gruppe ganz nebenbei auch noch als "Tätergeschlecht", "destruktiven Charakter", etc. beleidigen zu lassen.
Gehts noch? Ich - und Milliarden andere Männer - sind für diese perverse Sche*ße genau so wenig verantwortlich, wie wohl die meisten der Frauen!
Oder sollen wir jetzt anfangen, alle Frauen als potentielle Kindermörderinnen zu verunglimpfen?
endbenutzer (20.11.2008, 12:19 Uhr)
Und wieder einmal...
...schaut die Weltgemeinschaft weg. Nur nicht einmischen. Stattdessen lieber mit irgendeinem Diktator gemeinsame Sache machen, um Afrika noch mehr auszubeuten. Schließlich geht es um unseren Wohlstand. Und als Gegenleistung für die Ausbeutung, darf sich Afrika über unseren Müll und alte abgetragene Kleidung freuen. Herrlich!
Garnet (20.11.2008, 11:23 Uhr)
That's Africa!
Je weiter sich die Laender Afrikas vom Tag der Unabhaengigkeit entfernen, je tiefer wird die Korruption, der Mord, der Totschlag, der Sumpf schlechthin. Natuerlich ist es immer einfach den Westen, die ehemaligen Kolonialmaechte und die Multinationalen verantwortlich zu machen. Das erfordert keine Inteligenz, kein Wissen und keinen Einsatzt. Afrika tickt anders. Und westliche Masstaebe hier anlegen zu wollen wird immer schief gehen. Man sieht dies an der Deutschen liebstes Kind, dem Herrn Mugabe. Der Kontinent wird auseinander fallen und im Chaos versinken. Daran wird weder eine Entwicklungshilfe, ein Blauhelm oder eine UNO Resolution etwas aendern. Oder man denkt um. Hier auf dem kontinent wuerden 'Regimewechsel'einen wirklichen Wechsel bringen. Denn mit den gegenwaertigen Fuehrern in Afrika ist der Untergang programmiert. Und daran ist nicht zu ruetteln.
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