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15. Januar 2009, 18:27 Uhr

Gaza hofft auf Waffenruhe

Die israelische Armee hat Gaza-Stadt so intensiv wie noch nie seit dem Beginn der Offensive im Palästinensergebiet unter Feuer genommen. Auch das Hauptquartier des UN-Flüchtlingswerks wurde getroffen. Beobachter werten die heftigen Kämpfe aber als gutes Zeichen. Israel wolle vor einem Waffenstillstand noch militärische Ziele erreichen.

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Löscharbeiten am beschossenen Hauptquartier des UN-Flüchtlingswerkes in Gaza© Mohammed Saber/DPA

Die Stadt Gaza hat am Donnerstag die schwersten Angriffe seit Beginn des Krieges vor drei Wochen erlebt. Die israelischen Truppen intensivierten ihre Offensive gegen die radikal-islamische Hamas noch einmal und beschossen dabei auch ein UN-Quartier, ein Gebäude mit Journalistenbüros sowie nach palästinensischen Angaben ein Krankenhaus. Politiker aus mehreren Ländern bemühten sich angesichts des Leids der Zivilbevölkerung unterdessen verstärkt um eine Waffenruhe, darunter auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Der deutsche Vizekanzler war zuversichtlich in seine zweite Nahost-Reise innerhalb weniger Tage gestartet, klang am Donnerstagnachmittag aber wieder etwas pessimistischer. "Seien wir gemeinsam der Hoffnung, dass es bald Nachrichten gibt, die den Weg zum Waffenstillstand öffnen", sagte er vor der Weiterreise nach Ägypten.

Hinweis auf baldigen Waffenstillstand

Der intensive Beschuss Gazas könnte nach Ansicht von Diplomaten auf ein baldiges Ende der Kämpfe hindeuten. Israel versuche offenbar, militärisch noch möglichst viel zu erreichen, bevor ein Waffenstillstand vereinbart werde. Dies sei eine klassische israelische Strategie, sagte ein Diplomat.

Die israelische Armee beschoss Gaza mit Panzern und Artillerie. In der eingekesselten Stadt zeugte Maschinengewehrfeuer von anhaltenden und heftigen Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern. Bei einem Luftangriff kam auch der Innenminister der Hamas-Regierung im Gaza-Streifen, Said Siam, ums Leben. Nach Augenzeugen-Berichten starb Siam bei einem Angriff auf das Haus seines Bruders Salah Abu Schreh in der Stadt Gaza. Auch Abu Schreh, der die Sicherheitskräfte der Organisation leitete, wurde bei dem Luftschlag getötet, wie ein Radiosender der radikalen Organisation Islamischer Dschihad weiter berichtete. Es ist das ranghöchste Mitglied der Organisation, das bei den Kämpfen ums Leben kam.

Bei dem Bombardement wurde zweimal auch das Gelände der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen in Gaza (UNRWA) getroffen, in dem bis zu 700 Palästinenser Schutz gesucht hatten. Drei Mitarbeiter seien verletzt worden, teilte das UNRWA mit, das bis auf weiteres seine Arbeit im Krisengebiet stoppt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff wie auch EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert entschuldigte sich bei dem UN-Chef persönlich, betonte aber zugleich, dass die israelischen Soldaten aus dem Gebäudekomplex heraus von Palästinensern beschossen worden seien. Außenministerin Zipi Livni verwies darauf, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauche.

"Das sind Angriffe, militärische Operationen, die nicht akzeptabel sind", kritisierte gleichwohl Steinmeier in Ramallah im Westjordanland das israelische Vorgehen. "Die Berichte, die wir hier hören, sind erschreckend." Wie Ban verwies er auf die immer dramatischere Lage der Bevölkerung im Gazastreifen.

Berichterstatter im Visier

Ins Visier der Kriegsparteien geriet auch ein Hochhaus, in dem sich mehrere Pressebüros sowie Vertretungen von Nachrichtenagenturen befanden. Der Fernsehsender "Abu Dhabi TV" berichtete, eine israelische Rakete sei in das Gebäude gefeuert worden. Zwei Journalisten eines TV-Senders wurden nach Angaben von Kollegen verletzt, offenbar aber nicht lebensbedrohlich. Der israelischen Armee waren die Koordinaten des Pressegebäudes bekannt. Eine Armeesprecherin kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an.

Die Zahl der getöteten Bewohner des Gaza-Streifens kletterte am Donnerstag nach palästinensischen Angaben auf mindestens 1073. Mindestens zwei Drittel davon sollen Zivilisten sein. Dagegen starben 13 Israelis, drei davon durch Raketen, die die Hamas aus dem Gazastreifen nach Israel schoss.

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Reuters/DPA
 
 
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