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8. August 2008, 11:49 Uhr

Russen rücken in Georgien ein

Dramatische Eskalation im Kaukasus: Russische Truppen sind in Südossetien eingerückt, um die georgische Militäroffensive zu stoppen und den Tod russischer Landsleute zu rächen. Georgische Truppen schossen nach eigenen Angaben zwei russische Kampfjets ab.

Im südlichen Kaukasus lodert die Kriegsfackel wieder auf - russische Panzer sind in Georgien eingerückt© AP

Der Konflikt zwischen Georgien und Russland um Südossetien hat sich dramatisch zugespitzt. Die georgischen Truppen starteten eine Großoffensive zur Rückeroberung der seit 16 Jahren abtrünnigen Region, die enge Beziehungen zu Russland unterhält. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte daraufhin Vergeltung an. Wenige Stunden später rückten russische Panzer in Südossetien ein, Georgien meldete den Abschuss zweier russischer Kampfflugzeuge.

Der georgische Präsident Michail Saakaschwili ordnete die allgemeine Mobilmachung und die Einberufung der Reservisten an. Er sagte in einer Fernsehansprache, georgische Truppen seien in die Außenbezirke von Zchinwali eingerückt, der Hauptstadt der Region, und kämpften nun um das Stadtzentrum. Saakaschwili warf Russland vor, Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien sieben Menschen verletzt worden.

Saakaschwili hat schon länger erklärt, dass er Südossetien und eine weitere seit Anfang der 90er Jahre abtrünnige Region, Abchasien, wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen will. Ein Sprecher des georgischen Innenministeriums erklärte, es seien zwei russische Kampfflugzeuge über georgischem Gebiet abgeschossen worden. Nähere Einzelheiten nannte er nicht. Ein russischer Panzerkonvoi sei aus Nordossetien nach Südossetien eingerückt und auf dem Weg nach Zchinwali. Die Regierung in Moskau wies Saakaschwilis Angaben über russische Bombenangriffe zurück und bezeichnete die georgische Offensive als "schmutziges Abenteuer".

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte unterdessen, reguläre Soldaten nach Südossetien entsandt zu haben. Das sagte ein Stab-Mitarbeiter des nordkaukasischen Militärbezirks der RIA Nowosti. Das Ministerium in Moskau hatte kurz zuvor von einer nicht näher bezeichneten Verstärkung der Friedenstruppen gesprochen. Damit solle ein weiteres Blutvergießen verhindert werden.

Sollten russische Soldaten ohne internationales Mandat in Südossetien einmarschieren, wäre das ein Verstoß gegen Völkerrecht. Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien, wird allerdings von Russland wirtschaftlich unterstützt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte nicht näher bezeichnete Gegenmaßnahmen angedroht, um die Bürger Russlands in Südossetien zu schützen. Die meisten Menschen in Südossetien haben russische Pässe.

Präsident Dmitri Medwedew erklärte, er sei verpflichtet, das Leben russischer Bürger überall zu schützen. Georgien kündigte für den Nachmittag eine dreistündige Feuerpause an, um die Evakuierung von Zivilpersonen zu ermöglichen. Zuvor hatte das Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) beide Seiten aufgefordert, einen Korridor für Evakuierungen und Rettungstransporte zu öffnen, wie ICRC-Sprecherin Anna Nelson in Genf mitteilte. Frankreich bemühte sich in Vermittlungsgesprächen mit beiden Seiten um einen Plan für einen Waffenstillstand, wie das Büro von Außenminister Bernard Kouchner in Paris mitteilte.

In der Nacht zum Freitag wurden heftige Gefechte aus Südossetien gemeldet, bei denen mindestens 15 Menschen getötet wurden. Georgien habe mit Kampfflugzeugen, schwerer Artillerie und Raketen angegriffen, viele Häuser in Zchinwali stünden in Flammen, hieß es in einer Erklärung auf der Website der Regierung der Separatisten.

Die internationale Gemeinschaft rief Georgien und Russland auf, den Konflikt friedlich beizulegen. Die Europäische Union und die NATO forderten die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen in Südossetien. Auch die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino, forderte beide Seiten auf, auf Gewalt zu verzichten und direkte Gespräche aufzunehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Konfliktparteien zu größter Besonnenheit und Zurückhaltung auf. Südossetien hat sich 1992 von Georgien abgespalten und ist seither de facto unabhängig. International gilt die Region jedoch als Teil Georgiens. Zweimal - 1992 und 2006 - stimmten die südossetischen Einwohner für die Unabhängigkeit von Georgien. International wurden die Referenden jedoch nicht anerkannt. Das Gebiet unterhält enge Beziehungen zu Russland.

Infos zu Südossetien Einwohner: Etwa 70.000
Hauptstadt: Zchinwali
Fläche: 3.885 Quadratkilometer (eineinhalb Mal so groß wie Luxemburg)
Sprachen: Ossetisch, Georgisch, Russisch
Wichtigste Religion: Christlich-orthodox
Nordossetien gehört zu Russland, Südossetien zu Georgien. Südossetien erklärte sich 1992 per Volksabstimmung für unabhängig, wird aber international nicht anerkannt.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 64)
 
Administrator (08.08.2008, 18:02 Uhr)
Liebe User,
da eine sachliche Debatte zu diesem Thema anscheinend nicht möglich ist, die Diskussion immer wieder off-topic läuft und es immer wieder zu Beleidigungen und Ungerechtigkeiten kommt, werden wir die Kommentarfunktion nicht mehr anbieten.
Wir bitten um Ihr Verständnis,
Ihre stern.de-Admins
ecomoc4u (08.08.2008, 17:37 Uhr)
lang lebe putin
er lebe DREI MAL HOCH.
nese (08.08.2008, 17:32 Uhr)
@webgun
Die Amis werden wegen Georgien den Ausbruch eines atomaren Krieges nicht riskieren. Wenn es dazu kommt, sind wir alle verloren. Ich denke, den Russen kann man auch anders zeigen, dass die Zeiten des alten Sowjetreichs vorbei sind. Wirtschaftliche Sanktionen z.B. koennten erfolg haben.
nese (08.08.2008, 17:18 Uhr)
@Known
Nur zu, sagen Sie offen was Sie denken. Unterstellungen, Verlaeumdungen oder Propaganda fuer irgendwelche Terroristen sollten Sie allerdings nicht machen, so etwas kommt bei mir nicht gut an.
webgun (08.08.2008, 17:16 Uhr)
@piet82
Klar die sind nicht mehr sooo Stark wie während dem Kalten Krieg doch ihre Atomare SPrengkraft reicht immnoch um die Welt paat hundert mal zu zerstören.
Die Russen überwachen Tag und Nacht alle Amerikanischen Stützpunkte mit den Sateliten. Und die wissen ebenfalls ganz genau wo die Amis ihre Radaranlagne und was auch immer aufgebaut haben.
Glaub mir wenn es zum Krieg zwischen den beiden Staaten kommt dann werden ganz bestimmt alle draufgehen.
Es wird keinen Gewinner geben ;)
Known (08.08.2008, 17:11 Uhr)
@nese
"Was fuer ein Volk die Osseten sind, ist mir so was von egal.......... Und wenn man die Lage nicht genau kennt, sollte man lieber die Klappe halten!"
also, eigentlich muss man dazu nichts mehr sagen oder ?
nese (08.08.2008, 17:02 Uhr)
@Mahir
Fuehlen Sie sich denn beleidigt, wenn ich die Wahrheit sage? Im Gegensatz zu Ihnen mache ich keine Propaganda fuer Terroristen. Ausserdem interessiert mich dieses Thema mehr als Sie, weil ich zufaellig muetterlicherseits georgisch bin. Wie oft wurden Sie in der Tuerkei eingesperrt, wie oft wurden Sie gefoltert? Menschen, die nichts verbrochen haben, brauchen sich in der Tuerkei nicht zu fuerchten.
Hoeren Sie mit Ihren sch... Luegengeschichten auf. Hoeren Sie auf, zu einem Artikel, was thematisch gar nichts mit Tuerkei zu tun, gegen dieses Land zu hetzen, sonst werde ich boese!
piet82 (08.08.2008, 16:59 Uhr)
@known
das ist haarspalterei, darum ging es mir auch gar nicht, es ging nur um den hypothetischen fall, ob sies gesagt haben is mir schnuppe... meine intention war: locker bleiben, die russen sind gar nicht in der lage nen atomschlag zu machen, solange die amis aufpassen...und das tun sie..
Known (08.08.2008, 16:54 Uhr)
@piet82 "russische Generalität die angeblich offen über einen Konflikt mit den Amis spricht" - Genau das ist die Propaganda. Irgendwelche anonymen Experten sagen, habe ich gehört. Kein Zitat nichts, niemand hat über krieg gegen USA gesprochen. Aber alle fallen über Russland her. Es ist seid Jahren das gleiche Bild was in den "Westlichen" Medien von Russland gemalt wird. Und die Theorie hat selten was mit der Praxis zu tun, daher urteile ich nicht über Sieger und Besiegte. Ich möchte nur daß das wahre Bild von beiden in der Presse gleich behandelt wird.
piet82 (08.08.2008, 16:52 Uhr)
@webgun
das war vor 20-40 jahren..
20 jahre hat sie russiche rüstungsindustrie gelitten, sie sind einfdach nicht mehr die supermacht vom kalten krieg...
ich erinnere mich an die dokumentationen auf phoenix von den oststützpunkten der russen und ihre radarstationen... was wollen die denn bitte machen wenn die seals bei denen an der tür klopfen? sei doch mal realistisch.. die russen die da dienstschiebn sind mehr besoffen als am lebenrecht doch wenn ne schneise durch das raketenschild geschlagen wird durch genannte spezialeinheiten irgendwo in sibirien, die wissen genau welche stationen sie angreifen muessen und schon stehen die amis im vorgarten....die amis würden denke ich aus richtung osten kommen und da ist die russische infrastruktur einfach nur zu schlecht um reagieren zu können..
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