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3. April 2007, 16:57 Uhr

Von Juschtschenko spricht niemand mehr

Vor rund zwei Jahren wälzte die Orangene Revolution die Ukraine um. Nun fallen die Hoffnungsträger von einst ihren Ex-Gegnern zum Opfer. Allen voran Präsident Viktor Juschtschenko. Bei den Neuwahlen, die er will, hat seine Partei wohl keine Chance mehr.

Die Blauen gewinnen wieder die Oberhand:© Sergei Supinsky/AFP

Die Ukraine steckt tief in einer politischen Krise - es ist mindestens die sechste, seit Europas zweitgrößter Flächenstaat 1992 unabhängig wurde. Ausgelöst hat sie diesmal Präsident Viktor Juschtschenko, der Sieger der weltweit bejubelten "Orangenen Revolution" Ende 2004. In dem Abwehrkampf gegen seinen Widersacher Regierungschef Viktor Janukowitsch griff Juschtschenko zum äußersten Mittel: Er erklärte das Parlament, die Oberste Rada, mit der ihm feindlich gesonnenen Mehrheit für aufgelöst.

Juschtschenkos Chancen stehen schlecht

Doch Juschtschenkos Chancen, sich durchzusetzen, stehen schlecht. "Die Gründe des Präsidenten halten keiner Kritik stand, weder rechtlich noch politisch", sagt der Kiewer Politologe Andrej Jermolajew. Ein monatelanges Tauziehen drohe, an dessen Ende der vorzeitige Abschied des Präsidenten aus seinem Amt stehen könnte. Schon geht der Riss durch den Staatsapparat: Die Armee stellte sich hinter Juschtschenko, der Geheimdienst SBU gehorcht Janukowitsch.

Krisen suchen die Ukraine regelmäßig heim, doch das Land am Dnjepr lebt damit wie Italien mit seinen Regierungswechseln. Die Ukrainer haben es nie zu Blutvergießen kommen lassen - im Unterschied zu Russland und anderen Ex-Sowjetrepubliken. In jedem Konflikt herrschte zunächst ein wildes Gegeneinander von Erlassen und Gerichtsurteilen - aufgelöst wurde das Chaos immer durch Kompromisse der politischen Elite. Das einfache Volk ging der Streit meist wenig an.

In der Rada kommt das gespaltene Volk zusammen

Schauplatz der Auseinandersetzung war stets das Parlament in Kiew. Auch wenn der Ruf der Volksvertretung nicht gut ist - sie ist der einzige Ort, an dem alle Teile der gespaltenen Ukraine zusammenkommen. In der Rada müssen westukrainische Nationalisten mit russischsprachigen Oligarchen aus dem Osten reden, der arme Norden um das zerstörte Kernkraftwerk Tschernobyl ist genauso vertreten wie die südliche Halbinsel Krim. Das macht die von Juschtschenko verfügte Auflösung der Rada noch problematischer.

Der Präsident, der als weich und entscheidungsschwach gilt, hat in zwei Jahren im Amt seinen Einfluss verloren. Er konnte das orangene Lager nicht zusammenhalten und entließ seine Weggefährtin Julia Timoschenko im Streit. Nach der Parlamentswahl vom März 2006 versäumte er eine Neuauflage der orangenen Koalition. Das versuchte Zusammengehen von Juschtschenkos Partei "Unsere Ukraine" mit Janukowitsch war theoretisch richtig für das gespaltene Land. Doch praktisch war Juschtschenko in dem Bündnis der Juniorpartner mit schwindendem Einfluss, bis seine Minister ganz verdrängt wurden.

Das Volk wollte sich die Wahlfälschungen nicht bieten lassen

Juschtschenkos Hoffnung auf eine Wiederholung der Orangenen Revolution mit ihren Straßenprotesten dürften enttäuscht werden. Schon 2004 harrten die Kiewer nicht seinetwegen im Winter auf dem Unabhängigkeitsplatz aus, sie wollten sich die Wahlfälschungen der Führung nicht bieten lassen. Die orangenen Massen werden sich kaum wieder mobilisieren lassen. Nur Janukowitsch-Anhänger in Blau haben eine Zeltstadt am Parlament aufgebaut und demonstrieren.

Der Ministerpräsident hat zwar gnadenlos jede Schwäche des Präsidenten zum Ausbau der eigenen Macht genutzt. Doch er ist auch nicht mehr der Wahlfälscher und Kremlstatthalter von 2004. Auch Janukowitsch und die ostukrainische Elite sehen mittlerweile die größeren Chancen für das Land in der Orientierung auf die Europäische Union (EU). Trotz der Kommunisten und Sozialisten als Koalitionspartner setzt Janukowitschs Partei der Regionen die Wirtschaftsreformen fort.

Ausweg Neuwahlen?

Ein Ausweg aus der Krise könnte darin bestehen, Parlament und Präsident neu zu wählen. Auch das wäre in der Ukraine nicht neu. 1993 beschlossen der damalige Präsident Leonid Krawtschuk und die Rada vorgezogene Wahlen. Krawtschuk verlor 1994 sein Amt.

Umfragen zufolge würde bei einer Parlamentswahl Janukowitschs Partei der Regionen erneut stärkste Kraft werden, der Block Julia Timoschenko würde zulegen. Eine Präsidentenwahl wäre ein Zweikampf zwischen Janukowitsch und der charismatischen Timoschenko. Von Juschtschenko ist schon jetzt keine Rede mehr.

Friedemann Kohler/DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Olesya (03.04.2007, 22:22 Uhr)
Traurig
Traurig!
Die EU-Politiker und darunter Frau Merkel haben die „orangene Revolution“ begrüßt und moralisch gefordert. Aber als Juschtschenko Präsident geworden war; haben sie ihn fallen lassen. Frau Merkel hat mehrmals betont; dass die Ukraine keine Chance hat ein EU-Mitglied zu sein; obwohl sie ein europäisches Land ist; reicher und besser entwickelt als Rumänien und Bulgarien. Alles wurde gemacht, um Herrn Putin einen Gefallen zu tun, der sich ohne die Ukraine sein Imperium nicht vorstellen kann. Die ganze EU und die deutsche Kanzlerin Frau Merkel haben nichts getan, als Georgien, Moldavien und Weißrussland von Putin schikaniert wurden. Aber warum? Herr Schröder ist ein persönlicher Freund von Putin. Wenn Frau Merkel auch eine persönliche Freundin von Putin ist, dann soll sie das ehrlich zugeben, und nicht Theater mit den Menschenrechten machen. Wenn die moskautreue Partei die Mehrheit gewinnt, liegt das daran, dass die EU-Politiker innerhalb von 2 Jahren den möglichen Eintritt der Ukraine in die EU verweigert haben. Das Volk kann nicht in der Ungewissheit leben. Sie haben sich der Moskauer Macht widersetzt, aber das Volk wurde von der EU im Stich gelassen. Traurig!
Olesya (03.04.2007, 22:20 Uhr)
Traurig!
Die EU-Politiker und darunter Frau Merkel haben die „orangene Revolution“ begrüßt und moralisch gefordert. Aber als Juschtschenko Präsident geworden war; haben sie ihn fallen lassen. Frau Merkel hat mehrmals betont; dass die Ukraine keine Chance hat ein EU-Mitglied zu sein; obwohl sie ein europäisches Land ist; reicher und besser entwickelt als Rumänien und Bulgarien. Alles wurde gemacht, um Herrn Putin einen Gefallen zu tun, der sich ohne die Ukraine sein Imperium nicht vorstellen kann. Die ganze EU und die deutsche Kanzlerin Frau Merkel haben nichts getan, als Georgien, Moldavien und Weißrussland von Putin schikaniert wurden. Aber warum? Herr Schröder ist ein persönlicher Freund von Putin. Wenn Frau Merkel auch eine persönliche Freundin von Putin ist, dann soll sie das ehrlich zugeben, und nicht Theater mit den Menschenrechten machen. Wenn die moskautreue Partei die Mehrheit gewinnt, liegt das daran, dass die EU-Politiker innerhalb von 2 Jahren den möglichen Eintritt der Ukraine in die EU verweigert haben. Das Volk kann nicht in der Ungewissheit leben. Sie haben sich der Moskauer Macht widersetzt, aber das Volk wurde von der EU im Stich gelassen. Traurig!
Olesya (03.04.2007, 21:03 Uhr)
Billig und unkompetent
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte sie um mehr Respekt zu uns Zuschauern. Ihre Information über die Ukraine und die politische Krise schätze ich zu billig und zu unkompetent. Ich habe viele Freunde in der Ukraine und bin dort auch aufgewachsen. Sie sind verpflichtet, die Wahrheit zu erzählen.
Wir brauchen kein billiges Theater mehr, wie mit ihren Publikationen über die Krise in der CSU Partei und zwar über Herrn Stoiber.
Passen sie bitte auf ihren Ruf auf, sehr geehrte Damen und Herren!
iovialis (03.04.2007, 18:31 Uhr)
Leider
Eine wichtige Wahrheit ist, daß Jushtshenko Wissen, Erfahrung und Talent hat, das er nicht gegen die internen Machtverhältnisse in der Ukraine nutzen kann. Er wird blockiert und seine "Weichheit" (es allen recht machen zu wollen) ist nicht dienlich. Die Ukraine braucht eine "starke Führerperson", wobei ich Timoshenko oder Janukovitch nicht gerne über den Weg traue.
Sehr wohl gibt es Gründe, weshalb die einstige Koalition mit Timoshenko platzte; auch gibt es Gründe, weshalb der einstige Verlierer Janukovitch nun doch als Gewinner hervorgehen kann.
Dem "einfachen Volk" hilft es nur wenig und außenpolitisch wird ungern auf die Ukraine geschaut. Hier (ich lebe seit 5 Jahren in Kiew) ist "Stabilität" ein relatives Fremdwort.
Die einstigen Hoffnungen der "orangenen Revolution" verpufften schon wenige Monate danach - mag sein, daß es am Widerstand der Oligarchen lag, mag sein, daß sich das Volk auch zu viel erwartet hatte.
Es ist schade für Land und Leute, deren Geschichte und Kultur Europa stark mitprägten.
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