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9. Mai 2010, 19:19 Uhr

Drama um Schäuble und den Euro

In Brüssel hat sich ein Drama entsponnen: Während der zentralen Verhandlung zur Rettung des Euro musste der deutsche Finanzminister Schäuble ins Krankenhaus. Innenminister de Maizière ersetzte ihn. Die Verhandlungen sind ein Wettlauf mit der Zeit. In Berlin lud Kanzlerin Merkel zur Krisenrunde im Kanzleramt.

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Eilte nach Brüsell, um Finanzminister Schäuble bei Euro-Krisengesprächen zu vertreten: Innenminister de Maizière© Julien Warnand/EPA

Europa will zur Rettung seiner Gemeinschaftswährung die Eurozone auf ein neues Fundament stellen. Erstmals sollen auch überschuldete Länder, die den Euro nutzen, auf den milliardenschweren Hilfsfonds der Europäischen Kommission zugreifen können. Wie Diplomaten am Sonntag in Brüssel weiter berichteten, soll die EU-Kommission zusätzlich die Möglichkeit erhalten, von den Euro-Staaten garantierte Kredite an schwache Partnerländer auszuleihen. Noch am Abend wollten die europäischen Finanzminister einen Eil-Beschluss fassen, um vor Öffnung der internationalen Finanzmärkte in der Nacht zum Montag ein Signal der Stärke zu auszusenden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lud wegen der sich zuspitzenden Euro-Krise für den Abend eine Krisenrunde in Kanzleramt.

Während des brisanten Brüsseler Treffens musste Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in ein Krankenhaus gebracht werden. Er hatte, wie es hieß, offensichtlich ein Medikament nicht vertragen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) eilte trotz des Krisengesprächs im Kanzleramt nach Brüssel, um den erkrankten Ministerkollegen zu vertreten. "Herrn Schäuble geht es so gut, dass er mir seine Verhandlungslinie vorgetragen hat, wir sind in allerengstem Einvernehmen, und ich denke, das wird gut", sagte de Maizière.

Schwierige Gespräche in Brüssel

Die Verhandlungen der Finanzminister und insbesondere mit der deutschen Delegation gestalteten sich schwierig, berichteten Diplomaten. Es wird erwartet, dass bis in die späte Nacht hinein diskutiert wird. Ebenfalls am Sonntag telefonierte US-Präsident Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Beobachter werfen Deutschland seit Wochen einen Verzögerungskurs vor. Der Euro ist wegen der griechischen Schuldenkrise massiv unter Druck geraten und hat gegenüber dem Dollar erheblich an Wert eingebüßt.

Erst am Freitag hatten die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen, um das Land vor der Pleite zu retten. Da die Krise auf andere Euro-Länder wie Spanien und Portugal überzugreifen droht und um die nervösen Finanzmärkte zu beruhigen, wollen sich die 27 EU-Länder jetzt grundsätzlich auf ein Notfallsystem einigen. "Wir werden den Euro verteidigen", sagte die spanische Finanzministerin und amtierende Ratsvorsitzende Elena Salgado. Ihre Regierung kündigte am Sonntag neue Sparmaßnahmen an.

Hilfsfonds der EU-Kommission aufstocken

Die im Raum stehenden Mechanismen sollen die sogenannte "No-Bailout-Klausel" (in etwa: "Kein-Herauskaufen") im EU-Vertrag umgehen helfen, die besagt, dass ein Euro-Land nicht für die Schulden eines anderen einstehen darf. Jetzt ist Diplomaten zufolge im Gespräch, den bereits bestehenden Hilfsfonds der EU-Kommission von 50 Milliarden Euro auf 110 Milliarden Euro aufzustocken. Gelder aus dieser Kreditlinie kamen bisher nur Nicht-EU-Staaten wie Ungarn oder Rumänien zugute.

Außerdem soll die EU-Kommission mit ihrer guten Bonität und damit niedrigen Zinsen Kredite aufnehmen und weiter verleihen können. Diese würden dann aber von den übrigen Euro-Ländern garantiert werden müssen. Dieser Vorschlag ist umstritten, denn es könnte Verfassungsprobleme in einigen Mitgliedsstaaten geben, sagten Diplomaten. Es dürfe keine Enttäuschung geben, sagte der schwedische Ressortchef Anders Borg. "Die Finanzmärkte benehmen sich wirklich wie ein Wolfsrudel", sagte er weiter. "Wenn wir sie nicht stoppen, werden sie die schwächeren Länder zerreißen, auch wenn die selbst Schuld sind an ihrer Schwäche."

Griechenland-Thema offenbar nicht vom Tisch

Unklar ist, welche Rolle die Europäische Zentralbank (EZB) sowie eventuell der Internationale Währungsfonds (IWF) spielen sollen. Gegen den Ankauf griechischer Staatsanleihen durch die EZB gibt es massiven Widerstand. "Es ist nicht unsere Sache, der EZB Ratschläge oder Vorgaben zu erteilen", sagte Österreichs Finanzminister Josef Pröll. Er sehe aber in einem "magischen Dreieck" neben den Finanzministern und den betroffenen Ländern auch für die EZB eine Rolle, "nach ihren Regeln".

Dass Innenminister de Maizière trotz des Krisengesprächs im Kanzleramt nach Brüssel reiste, um den erkrankten Schäuble zu vertreten, wird in Berlin als Indiz gewertet, dass die Lage dramatisch ist. In Koalitionskreisen wurde von einer "sehr wichtigen Sitzung" gesprochen. Auch hieß es, dass sich der Bundestag möglicherweise kurzfristig noch mal mit der Folgen der Griechenland-Krise befassen müsse. Die in der vergangenen Woche gefassten Beschlüsse, das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland mit Milliardengeldern zu helfen, reichen womöglich nicht aus.

DPA/dho
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Power (10.05.2010, 18:27 Uhr)
Es kommt alles noch viiiel besser
Heute morgen kaufte die deutsche Bundesbank in Großvolumina griechische Anleihen auf. Die EZB wird folgen. Kommentar von Friedhelm Busch auf NTV: Das ist ein Brandbeschleuniger! Lol... ich habe alles in Sachwerte umgeschichtet, der Crash kann kommen lol...
tannebaum (10.05.2010, 15:48 Uhr)
was ich mich frage...
war der euro wirklich so eine gute sache?

und war die aufweichung damals auch richtig?

und gibt es keine andere lösung zu dem thema?

kohl führte den euro ein und alle waren nicht sehr froh. die gute alte d-mark war weg... und nun wir zusammen mit italien (was war da ne lira wert???) und dann noch griechenland sowie portugal...

aber es kam ja anders. denn die erste große krise (schröder versprach die arbeitslosen zu halbieren, verdoppelte die aber) brachte deutschland (!!! das stabile deutschland!!!) in not und eichel bekam einen blauen brief nach dem anderen. die 3%hürde wurde von rot/grün permanent gebrochen. aber sattt der milliardenstrafe, die wir hätten zahlen müssen weil wir unseren haushalt nicht sauber hielten, fuhr der hans eichel nach brüssel und weichte alles auf. denn nicht nur deutschlöand hatte sorgen, andere länder auch. und schwupps... durften alle weiter schulden machen, die verträge brechen und zahlten keine strafe... und hans eichel tönte: "endlich halten die rechenschieber in brüssel mal den mund..."

hmmm, das problem war. was wir nun durften, durften auch alle anderen. und der aufgeweichte euro wurde ein spekulationsobjekt und ein feuerte die druckmaschinen an. schuldverschreibungen, zertifikate, anleihen... was immer in euro zu haben war, europa kaufte es!

keine 5 jahre nach gründung (damals mit strengen regeln und garantien) war der euro ne weichwurst. und keine 10 jahre später muss diese währung gestützt werden wie es noch nie in europa mit einer währung sein musste.

wie die musketiere: einer für alle - alle für einen.

aber war das alles richtig? war europa nur so zu vereinigen? und wird es europa nützen oder schaden???

ich habe den eindruck, die politiker aller parteien und länder suchen gar nicht mehr nach wegen. sie rennen nur diesem einen nach... die frage icts nur, wer vertsht von den politkern (beruflich mal gewesene lehrer, gewerkschafter, ärzte, etc.) überhaupt was von finanzen und können die eigentliuch abschätzen, was die da treiben und anrichten????
tannebaum (10.05.2010, 15:35 Uhr)
@johnniedeamonic
ich weiss ja nicht, wie weit sie das alles verfolgt haben, aber steuersenkungen geht nicht mehr, weil bundesrat nicht mehr schwarz/gelb dominiert ist.
und seit gestern wurden neue zig milliarden rettungsschirme für griechenland & co. aus dem boden gestampft...

bei allen groll gegen merkel, dass ist keine persönliche entscheidung von ihr, dazu ist sie getrieben.
johnniedeamonic (10.05.2010, 15:11 Uhr)
"Merkel spart Steuersenkungen ein"

unfassbar dreist,
nichtmal 20 Stunden nach der NRW Wahl wird die Katze aus dem Sack gelassen.
War aber zu erwarten,
wenn ich allein daran denke was man während der Fußball WM am deutschen Michel vorbeischleusen wird
wird mir schlecht....
kaffeesatz (10.05.2010, 14:01 Uhr)
Es ist wie in dem Märchen
"Des Kaisers neue Kleider". Der sog. Rettungsschirm ist aus Papier, auf dem Eurobeträge stehen, die noch nie ein Mensch in "echte" je zu Gesicht bekommen hat.
Wenn dann das nächste Land, z.B. Italien, mit 1,4 Billiarden $ Schulden, einen Kredit braucht, bekommt es ein anderes Stück Papier, wo wieder eine unvorstellbare Summe draufsteht und gut ist. So wird es mit jedem Land gemacht, bis irgend jemand das kind beim Namen nennt und das Kartenhaus von Luftbuchungen und Scheingeschäften zum Einsturz bringt. Aber bis dahin ist alles wie im Märchen.
jetrabbit (10.05.2010, 11:48 Uhr)
abwertung des euro
wie konnten die bankster diese ungeheure abwertung des euro schaffen... merkel hat sich wieder mal über den tisch ziehen lassen, auf kosten des steuerzahlers. ungeheuerlich und unverzeihbar. merkel muss sich endlich für ihre grenzenlose dummheit und ackermann und seine bankster, für ihre gier verantworten.
kabelmann (10.05.2010, 10:55 Uhr)
Warum kann man fast nirgends mehr kommentieren?
Das ist kein Kampf gegen Spekulanten, das ist die große Angst davor, dass das System entgültig den Geist aufgibt. Alle Staaten dieser Erde sind so gnadenlos überschuldet, dass es irgendwann zum Big Bang kommen wird. Da können sie noch so viel mit Zahlen hantieren und rumjonglieren, entweder die Notenpressen dieser Welt werden angeschmissen (und das nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Amerika), oder es is einfach nur ganz schnell vorbei.

Aber das hat mit Spekulanten recht wenig zu tun, sondern damit, dass man das krude System an die Grenze des machbaren geschifft hat. Und selbst wenn die Franzosen udn Deutschen die Entwicklung verzögern, sobald einer dieser Staaten zahlungsunfähig wird, isses aus.
Altermann (10.05.2010, 10:32 Uhr)
Geplante Inflation ???
Stellen Sie sich vor, die gestützten Länder können die Kredite nicht zurückzahlen.
Dann müßte der Euro drastisch abgewertet werden und die EURO-Länder sind einen Großteil ihrer Schulden los.
Das der größte Teil der Bevölkerung dabei auf der Strecke bleibt , interessiert niemanden.
Auch die Elite müßte Federn lassen, aber bei den großen Vermögen sind das nur Peanuts.
Power (10.05.2010, 10:29 Uhr)
Jetzt wir alles sehr schnell gehen
@JRx1

Mir hat man gesagt das egal was beschlossen wird, der Crash unausweichlich u. nur für ein paar Tage bzw. Wochen hinausgezögert wir. Die einige gesunde Volkswirtschaft scheint global gesehen China zu sein. Also alles Geld in den Yuan, denn der wird gegenüber dem Dollar in Kürze um 40% aufgewertet! Edelmetalle sind physisch nicht mehr zu haben u. auf dem Papier nix wert, da die Banken ca. 80x mehr auf dem Papier verkauft haben als der Markt hergibt. Schweizer Franken sind auch eine unsichere Anlage, da Schweizer Banken die EU Osterweiterung zum Großteil mitfinanziert haben, wodurch die auch voll mit dabei sind. Rette sich wer kann.....
rebegtar (10.05.2010, 10:26 Uhr)
@stern
Ihr habt da glaube ich einen Fehler im Titel zum Hauptartikel. Soll es nicht eigentlich:

"Monströses Milliarden-Paket soll Spekulanten retten

Die EU sagt dem Euro den Kampf an:"

heissen?

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