22. Dezember 2012, 10:02 Uhr

"Paranoid", "verlogen", "wahnhaft"

In Newtown werden 27 Menschen niedergemetzelt und die US-Waffenlobby NRA fordert als Antwort darauf: Mehr Waffen an Schulen. Kritiker sind entsetzt und laufen Sturm.

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Will weitere Waffengewalt mit weiteren Waffen bekämpfen: NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre.©

Die US-Waffenlobby NRA ist mit ihrer Forderung nach mehr Waffen an Schulen als Reaktion auf das Blutbad von Newtown auf scharfe Kritik gestoßen. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg warf der National Rifle Association vor sie habe "eine paranoide, verstörende Vision eines noch gefährlicheren und noch gewalttätigeren Amerikas gezeigt, in dem jeder bewaffnet und kein Ort mehr sicher ist". Der parteilose Politiker plädiert seit Jahren für schärfere Waffengesetze.

Die stellvertretende Direktorin des Antiwaffengruppe Code Pink, Medea Benjamin, warf der NRA Realitätsverweigerung vor: "Sie haben die Schuld für die Gewalt auf alle möglichen Dinge geschoben - nur nicht auf die Waffen selbst." Senator Frank Lautenberg aus New Jersey erklärte, der Verband liege weit von dem entfernt, was die US-Öffentlichkeit wolle. Die "New York Times" bezeichnete die Äußerungen des NRA-Vizepräsidenten Wayne LaPierre als "verlogen, wahnhaft" und eine "fast verwirrte Hasstirade". Und auch von konservativer Seite kommt Kritik: "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", stöhnt der frühere Parteichef der Republikaner, Michael Steele, im US-Sender MSNBC: Der NRA-Vorstoß sei "sehr verstörend".

NRA will Schulen mit Waffen schützen

LaPierre war am Freitag eine Woche nach dem Schulmassaker von Newtown vor die Presse getreten. Er hatte sich dabei für den Einsatz bewaffneter Polizisten an jeder Schule ausgesprochen. "Das einzige, was einen bösen Menschen mit einer Waffe aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Waffe", sagte er in Washington. Zugleich machte die NRA auch Medien und sogenannte Ballerspiele für die Tat verantwortlich.

Bei dem Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20-Jähriger am Freitag vor einer Woche 20 Kinder sowie sechs Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Attentäter zu Hause auch seine Mutter getötet. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst. Das Verbrechen hatte die Debatte um Waffenbesitz in den USA neu entfacht.

Filmstars fordern strengere Waffengesetze

Am Freitag veröffentlichten zahlreiche Hollywoodstars, darunter Gwyneth Paltrow, Julianne Moore und Jamie Foxx, ein Video, in dem sie sich unter anderem für ein Verbot von automatischen Schnellfeuergewehren sowie eine schärfere Überprüfung von Waffenkäufern aussprechen. "Columbine. Virginia Tech. Tucson. Aurora. Fort Hood. Oak Creek. Newtown. Newtown. Newtown," zählen die Schauspieler den letzten und vorangegangene Amokläufe in dem Video auf. "Wie viele mehr?"

mad/AFP/Reuters
 
 
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